4.5 Ökologisch orientierte Personalarbeit

1) Ökologische Anforderungen machen Arbeitsaufgaben prinzipiell anspruchsvoller, weil sie:
a) im Sinne des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung die radikale Änderung der Produktions- und Konsumstile erfordern und an die Verzichtsbereitschaft appellieren.
b) jedes Organisationsmitglied im Unternehmen als Adressaten einer ökologisch orientierten Personalarbeit ansehen und behandeln.
c) ein Mehr an Komplexität und Variabilität und ein Weniger an Strukturiertheit und Vergleichbarkeit beinhalten.


2) Aus der Lücke zwischen Umweltbewusstsein und umweltbewusstem Verhalten wird fälschlicherweise oft die Nachrangigkeit bzw. Irrelevanz kognitiver Einflüsse geschlossen. Das Adjektiv "kognitiv" bezeichnet dabei den Einfluss durch ein Verhalten, das:
a) auf emotionaler, d.h. gefühlsmäßiger, Wahrnehmung beruht (z.B. Konkurrenz).
b) sich durch hohe Lernfähigkeit auszeichnet (z.B. IQ- Faktor).
c) auf verstandes- bzw. erkenntnismäßiger Wahrnehmung beruht (z.B. Qualifikation, Motivation).


3) Zentrale Aufgabe einer ökologisch orientierten Personalplanung ist es, :
a) eine Auswahl von Personal zur Einstellung u./o. Weiterbildung entsprechend den notwendigen ökologischen Schlüsselqualifikationen vorzunehmen.
b) das Anforderungsprofil des Personalbestandes zu entwickeln (Vorstellungen über die notwendigen Qualifikationen und Motivationen des gesamten Personalbestandes).
c) die vorhandene ökologische Motivation in Form von Werterhaltungen und Einstellungen zu operationalisieren und einen entsprechenden Verhaltensrahmen auszubilden.


4) Ein Sozialisationsmuster gehört u.a. zur Naturprägung, die neben der Kulturprägung und der individuellen Situation das Verhalten mit bestimmt. Sozialisation ist:
a) ein Lern- und Erziehungsprozess bzw. ein normatives Konzept zur Entwicklung sozial-kultureller Persönlichkeiten und ihrer Integration in eine sozial-kulturelle Mitwelt.
b) Bestandteil der Sozialethik und untersucht (im Gegensatz zur Individuation) das an der Gemeinschaft (Organisation) orientierte sittliche Verhalten.
c) ein Modell zur strukturell- funktionalen Analyse von Organisationsstrukturen (Modell des Gleichgewichts zwischen agierenden und reagierenden Organisationsmitgliedern).


5) Ökologisch orientierte Personalarbeit darf sich nicht ausschließlich auf die mit objektbezogenen Aufgaben befassten Organisationsmitglieder konzentrieren, sondern muss auch den dispositiven Faktor einbeziehen. Dieser Faktor ist die Gesamtheit aller:
a) Führungsorgane eines Unternehmens, die leitende (dispositive) Arbeit leisten.
b) Formen arbeitsrechtlicher Mitbestimmung, z.B. Betriebsrat, Betriebsversammlung.
c) externen Anspruchsgruppen eines Unternehmens bzw. einer Organisation.


6) Sog. Trittbrettfahrerverhalten (Free Rider) kann die ökologische Verträglichkeit des Prozessergebnisses beeinträchtigen, wodurch auch die ökologische Motivation der Prozessteilnehmer dauerhaft gefährdet werden kann. Unter Trittbrettfahren versteht man:
a) den infolge des nicht möglichen Nutzungsausschlusses kostenlosen Konsum öffentlicher (Umwelt-)Güter, wie z.B. sauberer Luft
b) Ausweichhandlungen mit selbstverstärkendem Effekt, wie z.B. Ökotourismus, der langfristig bestimmte Umweltschädigungen verstärkt .
c) bewusst initiierte Verzerrungen der Preisstruktur, die zu einer höheren Produktion von umweltbelastenden Gütern im Vergleich zu umweltfreundlichen Gütern führen, z.B. durch Preisabsprachen.


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