Vorkommen, Bestand und Entwicklungsprognose gefährdeter Libellenarten in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts

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Calopteryx splendens - Gebänderte Prachtlibelle

Die Art reproduziert gegenwärtig an wenigen größeren (grabenartigen) Fließgewässern, in größerer Zahl nur am Lober-Leine-Kanal in der Goitzsche. Sie fliegt in geringer Zahl an vielen Seen der gesamten Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft (wanderfreudige Art). Die Reproduktion an Seen ist möglich (Nachweis durch Exuvienfund am Blauen See bei Bitterfeld), bleibt jedoch wahrscheinlich die Ausnahme.

Geeignete Habitate (größere pflanzenreiche Fließgewässer) sind in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ausgesprochen selten und werden kaum neu entstehen. Eine verstärkte Nutzung der Seen zur Reproduktion wird nicht erwartet. Die Bedeutung der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ist und bleibt im Vergleich zur positiven Bestandsentwicklung der Art an vielen Flüssen der gewachsenen Landschaft gering. Das individuenstarke Vorkommen am Lober-Leine-Kanal erscheint in absehbarer Zukunft nicht gefährdet.

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Calopteryx virgo - Blauflügel-Prachtlibelle

Calopteryx virgo ist keine charakteristische Art der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands. Es sind nur zwei Vorkommen an waldbachartigen Entwässerungsgräben in der Dübener Heide bekannt (Gniester Seen und südwestlich Außenhalde Gröbern). Sie wurden durch den räumlichen Zusammenhang zu Artvorkommen in der gewachsenen Landschaft (Fliethbach, Mühlbach) besiedelt.

Die Neuentstehung geeigneter Habitate ist unwahrscheinlich. Das Vorkommen in dem Entwässerungsgraben an der Außenhalde Gröbern wird bei Einstellung der Wasserhaltung im Tagebau Gröbern (in den nächsten Jahren) erlöschen. Das Vorkommen an den Gniester Seen ist durch die dauerhafte Wasserführung (Überlauf der quellbeeinflussten Seen) nicht gefährdet.

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Lestes dryas - Glänzende Binsenjungfer

Die Art reproduziert in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft gegenwärtig in größerer Abundanz nur in zwei großflächigen Flachwasserbereichen mit strukturreicher Verlandungsvegetation und mehr oder weniger schwankenden Wasserständen (Pappelsumpf südlich Tiefkippe Schlaitz im ehemaligen Tagebau Muldenstein, Restloch Domsen Grubensohle). Weitere Vorkommen sind individuenarm (NSG Schlauch Burgkemnitz, Asendorfer Kippe, Restgewässer im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau) oder in den letzten Jahren durch Habitatverlust (Kleingewässerverlandung, Flutung) offensichtlich erloschen (Goitzsche, Merseburg-Ost, Kayna-Süd).

Die Art ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft selten und wird noch seltener werden. Das bedeutende Vorkommen im Restloch Domsen geht mittelfristig durch Flutung verloren. Vergleichbare potentielle Habitate in anderen Tagebaurestlöchen werden auch geflutet. Es verbleiben nur wenige Optimalhabitate (Pappelsumpf südlich Tieflippe Schlaitz, NSG Schlauch Burgkemnitz, NSG Nordfeld Jaucha, potentiell auch Restloch Lochau). Diese könnten jedoch auch längerfristig erhalten bleiben.

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Lestes virens - Kleine Binsenjungfer

Lestes virens ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft gegenwärtig weitverbreitet und hat mehrere bedeutende Vorkommensgebiete (Restloch Golpa III/ Zschornewitz, ehemaliger Tagebau Muldenstein, Region Amsdorf, Restloch Domsen). Sie bevorzugt vegetationsreiche Weiher, Flachgewässer und Flachwasserbereiche und meidet Seen fast völlig.

Eine Bestandsabnahme durch flutungsbedingten Verlust von Vorkommen (in den letzten Jahren Golpa-Nord, Kayna-Süd; in den nächsten Jahren voraussichtlich Domsen, Innenkippe Mücheln, möglicherweise Zschornewitz) ist zu erwarten. Da mehrere bedeutende Vorkommen an flutungsunbeeinflussten etablierten Gewässern fortgeschrittener Sukzession liegen, (insbesondere Muldenstein und Region Amsdorf) wird eine (regional) hohe Bedeutung der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft für die Art erhalten bleiben.

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Lestes barbarus - Südliche Binsenjungfer

Lestes barbarus ist im Vergleich zu anderen thermophilen Arten in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ausgesprochen selten. Ältere Nachweise von wenigen Tieren sind aus sechs Gebieten bekannt (HUTH 2000), davon konnte in Muldenstein (Bibergraben, Nachweis 1997) ein neuer Nachweis (2000/01) trotz optimaler Habitatbedingungen und intersiver Untersuchung nicht erbracht werden. Andere Vorkommen sind durch Habitatverlust verloren gegangen (Merseburg-Ost und Kayna-Süd durch Flutung, Goitzsche durch Kleingewässerverlandung). Der einzige Neunachweis (2001) liegt für die Innenkippe Mücheln vor (flaches Temporärgewässer, M. Schulze).

Die Art zeigt eine gewisse Bevorzugung von Pionier-Flachgewässern, die durch Flutung und Sukzession gefährdet sind. Damit wird sich die Anzahl potentieller Habitate in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft in den nächsten Jahren deutlich vermindern. Da aber gegenwärtig viele geeignete Habitate unbesiedelt bleiben (z.T. trotz individuenstarker Vorkommen im Umland) oder nur sporadisch besiedelt werden, ist die Bestandsentwicklung offensichtlich nur zweitrangig von der Verfügbarkeit geeigneter Habitate abhängig. Ein Entwicklungsstrend ist nicht zu prognostizieren.

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Sympecma fusca - Gemeine Winterlibelle

Sympecma fusca ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands weitverbreitet und häufig. Sie bevorzugt weiherartige Gewässer mit ausgedehnten Röhrichten, kommt aber auch an Seen regelmäßig vor.

Durch die laufenden und geplanten Restlochflutungen verliert die Art gegenwärtig und in den nächsten Jahren großflächige Optimalhabitate an röhrichtreichen Gewässern der Grubensohlen (z.B. Golpa-Nord, Goitzsche, Merseburg-Ost, Mücheln). Da einerseits viele bedeutende Vorkommen an etablierten Gewässern außerhalb der Flutungsbereiche liegen und zum anderen die Seen bereits während der Flutung (z.B. See Holzweißig-West in der Goitzsche) und danach in hoher Abundanz besiedelt sein können, wenn flache Ufer erhalten bleiben (Nutzung initialer Röhrichte und überfluteter Land-Reitgras-Fluren), ist mit einer merklichen Bestandsabnahme nicht zu rechnen.

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Ischnura pumilio - Kleine Pechlibelle

Ischnura pumilio ist die charakteristische Art der Pioniergewässer. Sie kommt gegenwärtig in vielen Gebieten in geringer Zahl an einzelnen vegetationsarmen Klein(st)gewässern und Quellbereichen vor, die durch Sukzession schnell ihren Habitatwert für die Art verlieren. Größere Bestände finden sich gegenwärtig an den in Flutung befindlichen Seen der Goitzsche bei Bitterfeld und an den neu angelegten Weihern im Radis-Greminer Graben (Golpa-Nord). In geringer Zahl reproduziert Ischnura pumilio auch an anderen Seen mit vegetationsarmen Flachufern, Spülwassertümpeln und Schwemmtrichtern (z.B. Kayna-Süd).

Durch Einstellung der Abbau- und Sanierungstätigkeit in den meisten Gebieten und durch Kleingewässerverlandung (z.B. Panzerstrecke Goitzsche, Restloch Mücheln) verliert die Art gegenwätig typische Habitate, profitiert jedoch durch die (neue?) Besiedlung vegetationsarmer Seeufer von den laufenden und geplanten Restlochflutungen. Durch Sukzession der Verlandungsvegetation an Kleingewässern, Quellstandorten und an Seeufern nach Einstellung des Endwasserspiegels ist jedoch langfristig eine deutliche Bestandsabnahme in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft zu erwarten. In den noch aktiven Abbaugebieten Amsdorf, Profen, Roßbach (Kaolin) und vereinzelt auch an Sonderstandorten (wassergefüllte Wildschweinsuhlen, Schwemmtrichter) ist jedoch mit dem längerfristigen Erhalt oder der Neuentstehung von Habitaten zu rechnen, so dass die Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft in den nächsten Jahrzehnten trotz der Bestandsabnahme noch von hoher Bedeutung für die Art sein wird.

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Coenagrion pulchellum - Fledermaus-Azurjungfer

Das gegenwärtige Vorkommen beschränkt sich auf Altbergbaugebiete, wo die Art mit Ausnahme des ehemaligen Tagebaus Muldenstein nirgenwo zahlreich auftritt. Sie bevorzugt Gewässer mit großflächigen strukturreichen Röhrichten.

Die besiedelten Habitate unterliegen gegenwärtig nur geringen Veränderungen, so dass Bestandsveränderungen in nächster Zukunft nicht zu erwarten sind. Langfristig ist durch die Altersentwicklung der gegenwärtigen Sanierungstagebaue eine Bestandszunahme in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft möglich.

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Coenagrion hastulatum - Speer-Azurjungfer

Das Vorkommen der Art beschränkt sich auf den Naturraum der Dübener Heide mit besonderer Bindung an meist saure aber zumindest nährstoffarme weiherartige Gewässer alter Sukzessionsstadien. Einziges individuenstarkes Reproduktionsgewässers ist der saure Rote See im NSG Schlauch Burgkemnitz, der gegenwärtig nicht durch Habitatveränderungen gefährdet ist. Größere Vorkommen wären noch für das Bergwitzsee-Gebiet (‘Libellenweiher’, bisher nur Einzelnachweis) und den Schüttrippenkomplex im Restloch Golpa III - Zschornewitz (mehrere pflanzenreiche saure Waldweiher, noch kein Nachweis) zu erwarten. Der letztgenannte potentiell besiedelbare Gewässerkomplex könnte durch flutungsbedingten Wasseranstieg gefährdet sein (angestrebter Endwasserspiegel noch nicht entschieden).

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Erythromma viridulum - Kleines Granatauge

Die thermophile Art ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft weitverbreitet. Sie kommt in allen Bergbauregionen Sachsen-Anhalts vor, bevorzugt aber eine offene bis halboffene Gewässerumgebung, wodurch sie möglicherweise in den geschlossenen Waldgebieten (Bergwitzsee, Gniester Seen) fehlt. Erythromma viridulum besiedelt vor allem kleine Seen (< 10 ha) mit Schwimmblattbereichen oder Algenwatten. In mehreren Gebieten kommt sie an einzelnen Gewässern in größerer Zahl vor (z.B. Golpa-Nord, Granauer Teich westlich Halle, Region Amsdorf, Restloch und Innenkippe Mücheln, Raum Jaucha-Deuben-Pirkau). Von herausragender Bedeutung ist das Vorkommen bei Bruckdorf in der Region Halle-Ost (hohe bis sehr hohe Abundanz an mindestens 6 Gewässern).

Eine deutliche Bestandsveränderung ist aus gegenwärtiger Sicht nicht abzusehen. Die meisten bedeutenden Vorkommen befinden sich an Gewässern des Altbergbaus, die keinen gravierenden habitatstrukturellen Veränderungen unterliegen. Gewässereutrophierung scheidet als Gefährdung aus, da in eutrophierten Gewässern die Bildung von Algenwatten begünstigt ist, die die Art in Ermangelung von Schwimmblattvegetation gern annimmt. Teilweise werden Weiher und kleine Seen der Grubensohle besiedelt, die durch Flutung in eine große Seefläche aufgehen. Können sich nach der Flutung in windgeschützten Buchten Schwimmrasen entwickeln, findet Erythromma viridulum auch an den großen Restseen geeignete Habitate. Nicht auszuschließen ist, dass klimatische Veränderungen (oder andere Ursachen) eine Arealminimierung der Art mit mediterranem Verbreitungsschwerpunkt bewirken und damit einen Bestandsrückgang in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands verursachen.

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Brachytron pratense - Kleine Mosaikjungfer

Brachytron pratense kommt in allen Bergbauregionen Sachsen-Anhalts vor, zahlreich jedoch nur in den Altbergbaugebieten. Sie bevorzugt Weiher und kleine Seen älterer Sukzessionsstadien mit Wasserrieden und Wasserröhrichten. Bemerkenswerte Vorkommen mit teilweise hohen Abundanzen der Imagines wurden im ehemaligen Tagebau Muldenstein (NSG Schlauch Burgkemnitz), im Restloch Golpa III (Zschornewitz) im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau nachgewiesen.

Wesentliche Bestandsveränderungen sind in nächster Zukunft in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft nicht zu erwarten. Flutungsbedingte Habitatverluste sind kaum von Bedeutung, da die verlustigen (meist jungen) röhrichtreichen Gewässer der Grubensohlen nur selten besiedelt sind, die Art an Seen mit schnellem Wasseranstieg (während der Flutung) auch reproduzieren kann (z.B. Holzweißig-West in der Goitzsche) und die großen Seen nach der Flutung an flachen, röhrichtreichen Ufern neu besiedelt werden können. Die Altersentwicklung der gegenwärtigen Sanierungstagebaue könnte langfristig eine Bestandszunahme in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft bewirken.

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Aeshna affinis - Südliche Mosaikjungfer

Die Art kommt bisher nur sporadisch in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands vor. 1996 erfolgte der Nachweis in zwei Gebieten (Asendorfer Kippe - Region Amsdorf, Tagebaurestloch Lochau - Region Halle-Ost), die in den Folgejahren nicht besetzt waren. Erst im Jahr 2001 wurden wieder revierbesetzende Männchen in mehreren Gebieten beobachtet (Pappelsumpf im ehemaligen Tagebau Muldenstein, kleines Sumpfgebiet südöstlich des Tagebaurestloches Lochau, Kleingewässer mit Schilfröhricht im Bereich Innenkippe Mücheln).

Die Bestandsentwicklung der in Sachsen-Anhalt als Vermehrungsgast eingestuften Art ist nicht zu prognostizieren (südliche Art mit aktueller Arealerweiterung in den mitteldeutschen Raum). Die Etablierung beständiger Reproduktionsvorkommen in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Aeshna affinis zeigt eine Bevorzugung großflächiger Flachgewässer mit strukturreicher Röhrichtvegetation, die ganz oder teilweise temporär trockenfallen. Im ehemaligen Tagebau Muldenstein (Pappelsumpf, NSG Schlauch Burgkemnitz), im Tagebaurestloch Lochau südöstlich Halle und im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau südlich Hohenmölsen (hier noch kein Nachweis) finden sich die besten (flutungsunbeeinflussten) Habitate für das Vorkommen der Art.

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Aeshna juncea - Torf-Mosaikjungfer

Aeshna juncea ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft charakteristisch für Flachgewässer und Flachwasserbereiche alter Sukzessionsstadien mit Moor- und Sumpfinitialen. Die Imagines fliegen über Flachwasser- und Sumpfbereichen mit Braunmoosen und Sumpfsimsen oder Seggen-, Binsen- und Schachtelhalmbeständen. Die Art zeigt eine sehr lokale Verbreitung (nur Dübener Heide und Südraum) aufgrund der Seltenheit geeigneter Habitate. Die bedeutendsten Vorkommen wurden im NSG Schlauch Burgkemnitz (ehemaliger Tagebau Muldenstein) und im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau südöstlich Hohenmölsen nachgewiesen. Nachweise einzelner Tiere sind aus dem Schüttrippenkomplex im Tagebaurestloch Golpa III (Zschornewitz) bei Gräfenhainichen und aus dem Tagebaurestloch Domsen bei Hohenmölsen bekannt. Neben diesen kommen geeignete Habitate innerhalb der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts nur im Bergwitzsee-Gebiet in der Dübener Heide und in der Region Halle-Ost (Bruckdorf, Lochau) vor.

Eine Neuentstehung geeigneter Habitate für die Art außerhalb der benannten Gebiete ist nicht abzusehen. Die beiden bedeutenden Vorkommen (NSG Schlauch Burgkemnitz, Jaucha-Deuben-Pirkau) können wahrscheinlich langfristig Bestand haben. Im NSG Schlauch Burgkemnitz gehen Habitate durch geringfügigen Grundwasseranstieg (0,5-1m) verloren, wobei gleichzeitig Sumpfinitiale großflächig neu entstehen. Von 1997 bis 2001 blieb die Abundanz der Imagines trotz des Wasseranstieges konstant. Die besiedelten Sumpfbereiche im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau sind wahrscheinlich stabil. Die Gewässer im Schüttrippenkomplex des Tagebaurestloches Golpa III könnten durch flutungsbedingten Wasseranstieg gefährdet sein (angestrebter Endwasserspiegel noch nicht entschieden). Das Vorkommen im Restloch Domsen geht perspektivisch durch Flutung verloren. In der Region Halle-Ost fehlen trotz der lokal vorhandenen Habitate wahrscheinlich Besiedlungsquellen im Umland.

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Aeshna isosceles - Keilflecklibelle

Aeshna isosceles ist eine charakteristische und weitverbreitete Libellenart der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts. Sie kommt gegenwärtig in allen Bergbauregionen vor. Möglicherweise hat die Art nach 1990 eine positive Bestandsentwicklung und Ausbreitung gerade in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft erfahren (vgl. HUTH 2000). Sie besiedelt insbesondere Weiher, kleine Seen und große Flachgewässer mit ausgedehnten Wasserrieden und Wasserröhrichten. Die Röhrichtausbildung hat den größten habitatstrukturellen Einfluss auf die Art. Bedeutende Vorkommen mit hohen Abundanzen der Imagines wurden im NSG Schlauch Burgkemnitz (ehemaliger Tagebau Muldenstein), am Granauer Teich westlich von Halle und im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau südlich Hohenmölsen nachgewiesen. Tagebau-Gebiete mit mehreren Nachweisgewässern aber geringen Abundanzen sind Amsdorf, Bruckdorf, Innenkippe Mücheln und Domsen.

Der Bestand scheint regional erheblich zu schwanken. Er ging im Kontrollzeitraum der Forschungsprojekte FBM und FLB in manchen Gebieten ohne merkliche habitatstrukturelle Veränderungen zurück (z.B. Innenkippe Mücheln: 1996 an vier Gewässern, 2000/01 nur an einem; Asendorfer Kippe/ Kippe Stedten: 1996-98 an vier Gewässern, 2001 kein Nachweis). Im NSG Schlauch Burgkemnitz dagegen reproduzierte die Art von 1997-2001 durchgehend in hoher Zahl. Hier kam es zur deutlichen Flächenvergrößerung der besiedelten Habitate durch Anstieg des Wasserspiegels um 0,5-1 m.

Die beschriebenen (habitatstrukturell nicht erklärbaren) Bestandsschwankungen erschweren eine Bestandsprognose. In einigen Vorkommensgebieten kam und kommt es zu Habitatverlusten durch Restlochflutungen (Verlust von Flachgewässern mit großflächigen Röhrichten im Bereich der Grubensohlen, z.B. Golpa-Nord, Merseburg-Ost, perspektivisch Restloch Mücheln, Restloch Domsen), die in Abhängigkeit von der Ausbildung von Flachufern an den zukünftigen Restseen nach der Flutung neu entstehen können. Die Mehrzahl der besiedelten Gewässer ist langfristig stabil. Deshalb ist zu erwarten, dass die hohe Bedeutung der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft für die Art auch in Zukunft erhalten bleiben wird, wenn es nicht zu einem allgemeinen negativen Bestandstrend der Art im mitteldeutschen Raum kommt.

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Anax parthenope - Kleine Königslibelle

Anax parthenope ist die charakteristische Art der Bergbaurestseen, die sie in hoher Stetigkeit (große Seen 87 %, kleine Seen 91 %) in allen Alterstufen besiedelt. Höchste Abundanzen werden an mesotrophen Seen mit reicher Schwimm- und Tauchvegetation erreicht. Die mediterrane Art zeigt gegenwärtig in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands eine weite Verbreitung mit mehreren individuenstarken Vorkommen (z.B. Hufeisensee bei Halle, Merseburg-Ost, Restloch und Innenkippe Mücheln, Kayna-Süd, Raum Jaucha-Deuben-Pirkau). Ursache dafür ist auf jeden Fall die Vielzahl habitatstrukturell geeigneter Seen (im Vergleich zum Umland) und wahrscheinlich die klimatische Begünstigung der Bergbaugewässer.

Durch die gegenwärtige flutungsbedingte Neuentstehung mehrerer Restseen und dadurch, dass viele Bergbaurestseen auch nach Jahrzehnten noch mesotroph und pflanzenreich sind, bleibt die Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft wahrscheinlich langfristig der Vorkommensschwerpunkt der Art in Mitteldeutschland, wenn es nicht zu einer (klimatisch bedingten?) Arealreduzierung der südlichen Art kommt.

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Cordulegaster boltoni - Zweigestreifte Quelljungfer

Cordulegaster boltoni ist keine charakteristische Art der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands, in der nur ein aktuelles Vorkommen bekannt ist. Dieses existiert an einem waldbachartigen Entwässerungsgraben in der Dübener Heide (Gniester Seen) durch den räumlichen Zusammenhang zum besiedelten Fließgewässersystem der gewachsenen Landschaft (Fliethbach).

Die Neuentstehung geeigneter Habitate ist unwahrscheinlich. Das Vorkommen an den Gniester Seen ist durch die dauerhafte Wasserführung (Überlauf der quellbeeinflussten Seen) nicht gefährdet.

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Somatochlora flavomaculata - Gefleckte Smaragdlibelle

Die Art kommt nur im ehemaligen Tagebau Muldenstein in der Dübener Heide vor. Sie besiedelt dort großflächige Sumpfgebiete im Bereich vernässter Innenkippen (Pappelsumpf südlich Tiefkippe Schlaitz, NSG Schlauch Burgkemnnitz) mit besonderer Bindung an nasse Seggenriede.

Im einzigen Vorkommensgebiet hat sich der Bestand im Untersuchungszeitraum (1997-2001) durch geringen Wasseranstieg (0,5-1m), Ausdehnung dauerhaft flach überstauter Flächen und folglich Vitalisierung und Ausbreitung der Seggenriede deutlich erhöht. Ein weiterer geringer Anstieg des Gebietsgrundwasserspiegels ist noch zu erwarten, der zum einen einen Verlust als auch die Neuentstehung geeigneter Habitate zur Folge haben wird. Es ist wahrscheinlich, dass sich das bedeutende Vorkommen auch langfristig erhalten kann. Die Neuentstehung von geeigneten Lebensräumen außerhalb des ehemaligen Tagebaus Muldenstein ist nicht wahrscheinlich.

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Orthetrum coerulescens - Kleiner Blaupfeil

Orthetrum coerulescens ist gegenwärtig in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts weitverbreitet. Er kommt in allen Regionen (mit Ausnahme der Region Nachterstedt) vor und fehlt nur in wenigen Gebieten. Wahrscheinlich ist die Art in der gewachsenen Landschaft des südlichen Sachsen-Anhalts ausgesprochen selten oder fehlt völlig. Nur für den Naturraum der Dübener Heide ist eine zerstreute Verbreitung anzunehmen.

Die in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft besiedelten Habitate sind meist kleine, lückig bis dicht bewachsene Fließgewässer wie Quellrinnsale und Entwässerungsgräben, gelegentlich auch schmale Verbindungsgräben zwischen stehenden Gewässern unterschiedlicher Geländehöhe. Orthetrum coerulescens besiedelt regelmäßig auch stehende vegetationsreiche Klein- und Flachgewässer mit schwankenden Wasserständen, insbesondere verwachsene Sumpfbereiche mit kleinsten Temporärgewässern, die oft von Quellaustritten gespeist werden. Er bewohnt sowohl relativ kurzlebige Habitate in jüngeren Tagebau-Gebieten, vor allem quellbeeinflusste Rinnsale im Bereich der Grubensohle (z.B. Golpa-Nord, Goitzsche, Merseburg-Ost, Roßbach), als auch bereits langjährig bestehende Sümpfe oder Gräben in den Altbergbaugebieten (ehemaliger Tagebau Muldenstein, Asendorfer Kippe, Raum Bruckdorf, Raum Jaucha-Deuben-Pirkau).

Die meisten Habitate von Orthetrum coerulescens sind kurz- oder langfristig von der Vernichtung bedroht. Viele Vorkommen innerhalb von Restlöchern sind bereits durch Flutung verlorengegangen (Golpa-Nord, Goitzsche teilweise, Merseburg-Ost, Großkayna) oder werden verlorengehen (Goitzsche, Innenkippe Mücheln, Kayna-Süd, Domsen). Andere Habitate sind durch Sukzession (z.B. Zuwachsen der Rinnsale im Restloch Roßbach mit dichtem Großröhricht) oder Austrocknung gefährdet (Einstellung von Wasserhaltungen, z.B. Abstellen eines Pumpwasserzuflusses in das Restloch Golpa III - Zschornewitz). Nur im NSG Schlauch Burgkemnitz (ehemaliger Tagebau Muldenstein) wird längerfristig ein individuenreiches Vorkommen existieren können. Lokal können außerdem kleinere Vorkommen in flutungsunbeeinflussten Quellbereichen (Bruckdorf, Asendorfer Kippe, Raum Jaucha-Deuben-Pirkau) langfristig Bestand haben. Möglicherweise können auch habitatstrukturell geeignete Überlaufgräben zur Wasserstandsregulierung von Tagebaurestseen von der Art besiedelt werden (z.B. Merseburg-Ost, Hufeisensee) oder es springen sehr lokal neue Quellbereiche im Zuge des flutungsbedingten Grundwasseranstieges wieder an.

Insgesamt ist mit einem deutlichen Bestandsrückgang der Art in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft in den nächsten Jahren zu rechnen. Die lokal verbleibenden (oder eventuell entstehenden) Vorkommen sind aufgrund der Seltenheit in der gewachsenen Landschaft von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung.

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Orthetrum brunneum - Südlicher Blaupfeil

Orthetrum brunneum ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts nur lokal verbreitet (Regionen Gräfenhainichen, Bitterfeld, Halle-Ost, Merseburg-Ost, Geiseltal). Als eine Art mit südlicher Verbreitungstendenz ist sie stärker als Orthetrum coerulescens an thermisch begünstigte Lebensräume gebunden und besiedelt als Pionierart ausschließlich jüngere (vegetationsarme) Gewässer. In den untersuchten Gebieten zeigt Orthetrum brunneum eine enge Bindung an Quellbereiche und kleine Rinnsale (Quellabflüsse) mit fehlender oder spärlicher Vegetation. Die Gewässer sind stets nur wenige Zentimeter tief und von sonnenexponierten und windgeschützten Rohbodenflächen umgeben. Eiablagen wurden an Algenwatten beobachtet, die von einem dünnen Wasserfilm überströmt werden. Neben den bevorzugten Quellrinnsalen werden offensichtlich auch stehende vegetationsarme Flachgewässer besiedelt (2001 Beobachtungen revierbesetzender Männchen in den Regionen Gräfenhainichen und Bitterfeld: Radis-Greminer Graben, Muldenstein - NSG Schlauch Burgkemnitz, Goitzsche), wobei eindeutige Reproduktionsnachweise an den stehenden Gewässern noch nicht vorliegen. Das Vorkommen in Muldenstein zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen (großflächige vegetationsarme Wildschweinsuhlen) die Pionierart auch in Habitaten fortgeschrittener Sukzession vorkommen kann.

Aufgrund der spezifischen Habitatansprüche der Art im Gebiet sind sämtliche Vorkommen in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts auf längere Sicht gefährdet. Ein deutlicher Bestandsrückgang hat bereits begonnen. Das individuenstarke Vorkommen in Merseburg-Ost ist durch Flutung verlorengegangen, das im Restloch Großkayna durch Böschungssanierung und Flutung. Die übrigen flutungsunbeeinflussten Vorkommen werden durch Sukzession verloren gehen. Das ehemals individuenstarke Vorkommen im Restloch Roßbach scheint erheblichen Bestandsschwankungen unterworfen zu sein (periodische Austrocknung der Habitate), könnte sich aber in den nächsten Jahren erhalten (vorerst keine Flutung, laufender Kaolinabbau, regelmäßiger Anschnitt neuer Quellbereiche). In den beiden aktiven Kohle-Abbaugebieten (Amsdorf, Profen) ist nichts über das gegenwärtige Vorkommen der Art bekannt. Die Besiedlung ist vom Vorhandensein oder der Entstehung potentieller Habitate (insbesondere vegetationsarmer Quellbereiche) abhängig.

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Sympetrum striolatum - Große Heidelibelle

Sympetrum striolatum ist in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts weitverbreitet und häufig. Die Art besiedelt alle Typen von Restgewässern. Innerhalb der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ist sie gegenwärtig nicht gefährdet (Rote Liste Sachsen-Anhalt: Kategorie 3). Eine negative Bestandsentwicklung der anspruchslosen Art ist nicht abzusehen.

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Sympetrum fonscolombei - Frühe Heidelibelle

Die in Sachsen-Anhalt bisher als Irrgast eingestufte südliche Art (Invasionsart) wurde während der Untersuchungen (1996-2001) in einigen Gebieten der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft nachgewiesen, wobei sie offensichtlich von den wärmebegünstigten Habitaten profitiert. Für mehrere Gebiete ist die (zumindest sporadische) Reproduktion sicher belegt (Muldenstein, Lochau, Mücheln). Teilweise schlüpfte sie in großer Zahl (Großkayna). Weitere Nachweise betreffen die Gebiete Radis-Greminer Graben (Golpa-Nord), Goitzsche und Merseburg-Ost. Nach bisheriger Kenntnis bevorzugt die Art junge, größere Restgewässer mit offener, vegetationsarmer Umgebung (Pionierart), wobei sie auch in strukturreichen Flachgewässern alter Sukzessionsstadien zur Fortpflanzung kommt (NSG Schlauch Burgkemnitz im ehemaligen Tagebau Muldenstein).

Eine Bestandsentwicklung ist nicht zu prognostizieren, da diese davon abhängt, inwieweit sich die südliche Art im mitteldeutschen Raum zeitweilig oder dauerhaft etablieren kann. Im Zuge der Restlochflutungen findet sie gegenwärtig vielerorts geeignete Habitate in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft.

Aufgrund der Erkenntnisse ist die Art in Sachsen-Anhalt zumindest als Vermehrungsgast einzustufen. Ob eine Bodenständigkeit über mehrere Jahre in bestimmten Gebieten (insbesondere in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft) möglich ist, sollte künftig verfolgt werden.

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Sympetrum flaveolum - Gefleckte Heidelibelle

Sympetrum flaveolum ist eine charakteristische Art der vegetationsreichen Flachgewässer und Flachwasserbereiche, die zeitweilig ganz oder partiell austrocknen. Sie ist über die gesamte Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Sachsen-Anhalts verbreitet, fehlt jedoch in einigen Gebieten, teilweise auch in solchen, wo optimale Habitate vorhanden sind. Bekannt sind nur zwei individuenstarke Vorkommen, das bedeutendste in den ausgedehnten Sumpf- und Flachwasserbereichen des ehemaligen Tagebaus Muldenstein bei Bitterfeld (Pappelsumpf, NSG Schlauch Burgkemnitz) und ein weiteres an dem großen Flachgewässer auf der Grubensohle des Tagebaurestloches Domsen (nördlich Hohenmölsen). Alle übrigen Nachweise waren von geringer Individuenzahl. Einige Nachweisorte waren in Abhängigkeit von der Wasserführung offensichtlich nur sporadisch besetzt und sind nicht dauerhaft von Bedeutung. Insgesamt wird eingeschätzt, dass die Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft mit Ausnahme der benannten individuenstarken Vorkommen für die Art im Vergleich zu besiedelten Lebensräumen in der gewachsenen Landschaft (insbesondere in Bach- und Flussauen) von nur geringer Bedeutung ist.

Die Bestand der Art in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft dürfte sich perspektivisch nur wenig ändern. Das individuenstarke Vorkommen in Muldenstein ist wahrscheinlich längerfristig nicht gefährdet, während das Vorkommen im Restloch Domsen durch Flutung verloren geht. Die Entwicklung neuer Habitate mit bedeutenden Vorkommen wird nicht erwartet. Individuenarme Vorkommen werden sich z.T. halten, teilweise verschwinden oder neu entstehen.

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Sympetrum depressiusculum - Sumpf-Heidelibelle

Der Nachweis dieser Art in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft wird als absolute Besonderheit gewertet, da für Sachsen-Anhalt erst wenige Nachweise vorliegen (vgl. HUTH 2000). Am 22.8.1997 wurde im ehemaligen Tagebau Muldenstein bei Bitterfeld (NSG Schlauch Burgkemnitz) ein frischgeschlüpftes Weibchen am Rande eines ausgedehnten Feuchtgebietes mit Flachgewässern, Sumpfbereichen und Röhrichten gefangen. Im selben Habitat kommen Somatochlora flavomaculata und Aeshna juncea vor.

Der Nachweisort wurde in den Jahren 2000 und 2001 intensiv untersucht, ohne dass die Art erneut gefunden werden konnte. Außerhalb des ehemaligen Tagebaus Muldenstein ist ein Vorkommen der Art sehr unwahrscheinlich.

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Sympetrum pedemontanum - Gebänderte Heidelibelle

Sympetrum pedemontanum ist zerstreut über fast alle Braunkohlebergbau-Regionen Sachsen-Anhalts verbreitet. Die Art zeigt hier eine deutliche Bindung an Fließgewässer (wenn diese vorhanden sind). So werden insbesondere Gräben und Rinnsale, aber auch vegetationsreiche Flachgewässer und Flachwasserbereiche (insbesondere mit Quellbeeinflussung) besiedelt. Individuenstarke Vorkommen wurden bei den aktuellen Untersuchungen nur in der Region Bitterfeld festgestellt. Hier kam es in einigen Jahren an breiteren besonnten Gräben mit gutausgebildeter Wasser- und Ufervegetation zum Massenschlupf (Lober-Leine-Kanal in der Goitzsche, Bibergraben im NSG Schlauch Burgkemnitz). In allen übrigen Untersuchungsgebieten wurden die Imagines in nur geringer Individuenzahl und meist nur an wenigen Untersuchungsgewässern beobachtet. Ausgesprochen selten ist Sympetrum pedemontanum in den Tagebaugebieten um Halle und Merseburg (Halle-Ost, Merseburg-Ost, Restloch Mücheln). Der Bestand der Art kann an den besiedelten Gewässern ohne erkennbare habitatstrukturelle Veränderungen von Jahr zu Jahr beträchtlich schwanken.

Die individuenreich besiedelten Habitate sind auf längere Sicht nicht gefährdet. Einige Vorkommen innerhalb der Restlöcher sind durch flutungsbedingten Habitatverlust verloren gegangen (Golpa-Nord, Goitzsche teilweise, Großkayna, Kayna-Süd). Diese Habitatverluste bewirken in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft wahrscheinlich insgesamt einen leicht negativen Bestandstrend der Art.

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Leucorrhinia dubia - Kleine Moosjungfer

Verbreitungsschwerpunkte der Art sind die Altbergbaugebiete am Rande der Dübener Heide und in der Region Weißenfels/ Zeitz/ Hohenmölsen. Sie tritt fast immer nur in sehr geringer Individuenzahl auf, wobei zudem in den Untersuchungsgebieten stets nur einzelne Gewässer besiedelt sind. Individuenreiche Vorkommen sind nur vom Roten See im NSG Schlauch Burgkemnitz (ehemaliger Tagebau Muldenstein) und vom Kleingewässerkomplex auf der Tonhalde Golpa-Nord bekannt. Jeweils mehrere Tiere flogen im Restloch Domsen an zwei Gewässern.

Als stenöke Moorart besiedelt Leucorrhinia dubia vor allem weiherartige, nährstoffarme Gewässer, die Moorgewässern habitatstrukturell ähnlich sind. Das sind zum einen saure Gewässer mit Juncus bulbosus-Schwimmrasen am Rande der Dübener Heide (Libellenweiher südlich des Bergwitzsees, Roter See), überwiegend jedoch neutrale (höchstens schwach saure) Gewässer mit klarem Wasser und reicher Wasser- und Ufervegetation in den übrigen Gebieten. An letzteren befliegen die revierbesetzenden Männchen die Ufersäume und Flachwasserbereiche mit schwingmattenähnlichen Beständen aus Sumpfsimsen und flutenden Braunmoosen oder lockerem Ried aus Teichsimse, Strandsimse, Binsen, Seggen und (lokal) Wollgras.

Die Hauptbedeutung der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft für die Art wird mit Sicherheit auf die Verbreitungsschwerpunkte (Altbergbaugebiete Dübener Heide und Südraum) beschränkt bleiben. Vermutlich reichen habitatstrukturell geeignete Einzelgewässer zur Entwicklung dauerhafter Reproduktionsvorkommen nicht aus, wenn entsprechende Austausch- und Lieferhabitate im Umland fehlen (sporadische Nachweise Asendorfer Kippe, Bruckdorf). Dennoch können solche Gewässer als Trittsteinbiotope naturschutzfachlich bedeutend sein. Das bedeutende Vorkommen auf der Tonhalde Golpa-Nord wird durch Abbau der Halde verloren gehen. Das Vorkommen im Restloch Domsen wird perspektivisch durch Flutung vernichtet. Als Reproduktionsgewässer können wahrscheinlich nur der Rote See (Muldenstein), der Libellenweiher am Bergwitzsee und einige Kleingewässer im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau erhalten bleiben. Die Gewässer im Schüttrippenkomplex des Restloches Golpa III (Zschornewitz) könnten potentiell besiedelbar sein, sind aber möglicherweise durch Flutung gefährdet (geplanter Endwasserstand noch nicht feststehend). Die Neuentstehung geeigneter Habitate in anderen Gebieten ist gegenwärtig nicht prognostizierbar und wahrscheinlich.

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Leucorrhinia rubicunda - Nordische Moosjungfer

Aufgrund ihres nordöstlichen Verbreitungsschwerpunktes dürfte die Art innerhalb der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft Mitteldeutschlands nur für den Naturraum Dübener Heide relevant sein. Einziges bekanntes Reproduktionsvorkommen an Bergbaurestgewässern ist das NSG Schlauch Burgkemnitz (ehemaliger Tagebau Muldenstein). Leucorrhinia rubicunda reproduziert hier gemeinsam mit Leucorrhinia dubia am sauren zwiebelbinsenreichen Roten See und, gemeinsam mit Leucorrhinia pectoralis, in strukturreichen großflächigen Flachgewässern mit lichten Großröhrichten, Kleinröhrichten, Moor- und Sumpfinitialen und kleineren freien Wasserflächen. Die Zahl der zur Entwicklung kommenden Imagines scheint jährlich stark zu schwanken (1997 kein Nachweis, 2000 in großer Zahl, 2001 einzelne). Im Jahr 2000 wurden mehrere Paare der Art an einem Kleingewässer in der Goitzsche beobachtet. Da das Gewässer vollständig austrocknet, ist hier nicht von einem dauerhaften Reproduktionshabitat auszugehen (Nachkontrolle 2001: kein Nachweis).

Der Rote See scheint längerfristig als Reproduktionslebensraum Bestand haben zu können. Die von der Art besiedelten strukturreichen Flachgewässer im ‘Schlauch’ (siehe oben) stellen wahrscheinlich ein gegenwärtig optimales, aber langfristig nicht stabiles Übergangsstadium dar, welches durch eine großflächige flache Überflutung (Wasseranstieg um 0,5-1 m) in den letzten Jahren und eine intensive Wühltätigkeit der Wildschweine im Wasserwechselbereich initiiert wurde. Langfristig (bei Einpegelung des Wasserstandes) ist damit zu rechnen, das die Flachwasserbereiche immer mehr mit dichtem Großröhricht zuwachsen und damit an Habitatwert für die beiden vorkommenden Leucorrhinia-Arten verlieren. Die Wühltätigkeit der Wildschweine ist ganz entscheidend für die möglichst langfristige Erhaltung essentieller Habitatstrukturen (kleine freie Wasserflächen und Bestandslücken im Röhricht, Entwicklung von Kleinröhrichten und Sumpfinitialen auf den Rohbodenflächen). Die Entstehung neuer Habitate in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft außerhalb von Muldenstein ist nur wenig wahrscheinlich. Möglicherweise ist ein Teil der Gewässer des Schüttrippenkomplexes im Restloch Golpa III (Zschornewitz) durch die Art besiedelbar, wobei diese Gewässer aber möglicherweise durch Flutung gefährdet sind (geplanter Endwasserstand noch nicht feststehend).

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Leucorrhinia pectoralis - Große Moosjungfer

Verbreitungsschwerpunkte der Art sind wie bei Leucorrhinia dubia die Altbergbaugebiete am Rande der Dübener Heide und im Südraum (Jaucha-Deuben-Pirkau). Leucorrhinia pectoralis besiedelt klare Flachgewässer und Weiher mit struktur- und artenreicher Wasser- und Ufervegetation. Im Gegensatz zu Leucorrhinia dubia ist sie in der Lage, auch nährstoffreichere Flachgewässer (mit stellenweise dichten Typha-Röhrichten und Algenwatten) zu besiedeln. Mehrfach wurde Leucorrhinia pectoralis an Gewässern mit üppigen submersen Chara-Rasen (Armleuchteralgen) angetroffen.

Das bedeutendste Vorkommen der Art befindet sich im ehemaligen Tagebau Muldenstein, wo im NSG Schlauch Burgkemnitz ausgedehnte Flachgewässer zahlreich besiedelt sind (siehe Leucorrhinia rubicunda) und ein weiteres Vorkommen im Pappelsumpf südlich der Tiefkippe Schlaitz gefunden wurde. Im Restloch Golpa III (Zschornewitz) reproduziert die Art an einem Weiher des Schüttrippenkomplexes. Im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau waren mindestens drei Gewässer in geringer Individuenzahl besiedelt (Bodenständigkeit wahrscheinlich). Weitere sporadische Nachweise einzelner Männchen betreffen die Asendorfer Kippe (Raum Amsdorf) und das Tagebaurestloch Lochau (Region Halle-Ost). An diesen Nachweisorten konnte die Art in den Folgejahren nicht bestätigt werden.

Das NSG Schlauch Burgkemnitz scheint gegenwärtig aufgrund der dynamischen Prozesse (Wasseranstieg, Wildschweine) optimale Bedingungen für die Art zu bieten, die sich wahrscheinlich perspektivisch verschlechtern und zu einer Bestandsabnahme führen werden (siehe Leucorrhinia rubicunda). Das Vorkommen im Schüttrippenkomplex des Restloches Golpa III ist möglicherweise durch Flutung gefährdet (geplanter Endwasserstand noch nicht feststehend). Die Habitate im Raum Jaucha-Deuben-Pirkau erscheinen langfristig stabil. Für die sporadischen Nachweisorte außerhalb der Dübener Heide und des Südraumes sind die Entwicklungschancen aufgrund fehlender Umlandvorkommen wahrscheinlich schlecht (siehe Leucorrhinia dubia). Die Entstehung neuer Habitate in der Braunkohlenbergbau-Folgelandschaft ist aus gegenwärtiger Sicht nur wenig wahrscheinlich.

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Autor: Jörg Huth
letzte Änderung: 25. November 2003
Datei: lib_vorkommen.htm