Entwicklungsprozess

Java ist eine seit 1991 von der Firma SUN Microsystems entwickelte Programmiersprache, die syntaktisch an C bzw. C++ angelehnt ist. Ursprünglich wurde Java von einem kleinen Team um James Gosling (Autor von UNIX-emacs) dazu entworfen, um Software für elektronische Konsumgüter, wie Fernseher, Videorecorder oder Stereoanlagen, zu entwickeln. Die Gruppe von Gosling stellte allerdings schnell fest, dass Hochsprachen wie C oder C++ für eine derartige Aufgabe ungeeignet sind.

Programme, die in einer Programmierhochsprache geschrieben sind, sind von der Hardware abhängig, auf der sie übersetzt werden. Ändert sich die Maschinenausstattung oder wird die Software auf eine andere Architektur portiert, so muss die Software neu übersetzt (compiliert) werden, um die Eigenschaften der veränderten Architektur ausnutzen zu können. Hieraus ergibt sich das weitere Problem, dass Programme auch dann vollständig neu übersetzt werden müssen, wenn neue Software-Bibliotheken verwendet werden sollen. Üblicherweise erfolgen derartige Aktualisierungen häufig.

Betrachtet man den Massenmarkt der Konsumgüterelektronik näher, so stellt man fest, dass die Hersteller dieser Geräte einem großen Kostendruck ausgesetzt sind. Einsparungspotentiale, die sich durch den Einsatz neuer billigerer Hardware-Bauteile ergeben, müssen daher schnellstmöglich ausgenutzt werden. Ein weiteres Problem dieses Marktes ist, dass bei einer Fehlfunktion eines einzelnen Bauteils meist das gesamte Gerät getauscht werden muss. Die Hersteller müssen daher auf eine besondere Zuverlässigkeit einzelner Baugruppen achten. Offensichtlich kann eine starre Hochsprache wie C oder C++ die Anforderungen eines derart flexiblen Marktes nicht erfüllen. Aus diesem Grund begann SUN Microsystems 1990 die Entwicklung von Java, einer Sprache, die speziell auf den flexiblen Markt der Konsumgüterelektronik zugeschnitten sein sollte.

Erste Anwendungen

Um die Verwendbarkeit der neuen Sprache testen zu können, wurde Java in einer Reihe von Versuchsprojekten eingesetzt. Das erste derartige Projekt war das Green Project, dessen Ziel die Entwicklung neuer Benutzerschnittstellen zur Kontrolle von elektrischen Geräten in Privathaushalten (bspw. Fernseher, Videorecorder oder Stereoanlage) war. Hierzu entwickelten die Projektmitarbeiter einen portablen Minicomputer, den Star Seven. Star Seven stellte die Umgebung eines Privathaushaltes dar, dessen Geräte durch Berührung des Bildschirms benutzt werden konnten. Dazu wurden animierte Figuren verwendet, von denen das heutige Java-Maskottchen, Duke, eine war. Die hierfür notwendige Software wurde in Java programmiert. Das Star-Seven-Projekt erreichte zwar niemals Produktstatus, gab jedoch bei der Verbesserung der ersten Java-Versionen maßgebliche Impulse.

HotJava und WebRunner

Als Netzwerk für Forschungs- und Regierungsaufgaben war das Internet anfangs auf den Datenaustausch von Dokumenten und Dateien ausgelegt, nicht jedoch auf den von Grafiken und komplexen Benutzerschnittstellen. 1989 schlug Tim Berners-Lee, ein Physiker am CERN, das Konzept des World Wide Web (WWW) als eine grafische Benutzerschnittstelle vor, die den Austausch von Informationen erleichtern sollte. 1992 begann das CERN, das World Wide Web (WWW) international bekannt zu machen. In der Folgezeit wurden bis Juli 1993 ungefähr 100 Webserver eingerichtet [Kla97]. Nach der Entwicklung des ersten Web-Browser (Mosaic) durch das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) bzw. den davon abgeleiteten Produkten Netscape Navigator und Microsoft Internet Explorer erfuhr das World Wide Web ein rapides Wachstum. Heute sind mehr als 16 Millionen Webserver registriert.

Das Java-Team stellte schnell fest, dass eine plattformunabhängige Programmiersprache wie Java eine ideale Sprache dafür darstellt, interaktive Anwendungen für das World Wide Web zu programmieren, da Java als plattformunabhängige Sprache auf den vielen heterogenen Rechnerarchitekturen, die an das Internet angeschlossen sind, lauffähig ist. Aus diesem Grund wurde ein Web-Browser, WebRunner, entwickelt, der vollständig in Java geschrieben wurde. Aufgrund von Urheberrechten wurde dieser später in HotJava umbenannt. In der Entwicklung von HotJava ist die starke Ausbreitung von Java begründet, da hiermit anschaulich demonstriert werden konnte, welche Bedeutung Java für das World Wide Web haben kann.

Die Java-Technologie wurde im Mai 1995 auf der SunWorld-Konferenz in San Francisco publiziert. Auf derselben Konferenz kündigte Netscape an, dass auch Navigator 2.0, ein damals weit verbreiteter Web-Browser, Java unterstützen würde. Diese Ankündigung vervielfachte das Interesse an der neuen Sprache. Auch die Firma Microsoft erkannte schnell die Stärke von Java und baute sie in die damals neueste Version des Internet Explorers ein, obwohl ActiveX als eigene Entwicklung vorangetrieben werden sollte.

Von Oak zu Java

Zu Anfang wählte James Gosling den Namen Oak (dt. Eiche) für die neu zu entwikkelnde Sprache, da er aus seinem Fenster bei der Firma Sun Microsystems eine große Eiche sehen konnte. Es stellte sich aber heraus, dass bereits eine Sprache namens Oak existierte. Das Team um Gosling erfand den Namen Java interessanterweise in einem Café – Java steht in der amerikanischen Umgangssprache für Kaffee. Das Logo der neuen Sprache ergab sich fast zwangsläufig als eine Kaffeetasse.

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