Software-Entwicklung – ein Kommunikationsproblem

Bei der Entwicklung von Software sehen sich die Entwerfer verschiedenen Problemen gegenüber. Zwei davon werde ich in meinem Referat behandeln: die Unverständlichkeit mancher Dokumentation und Kommunikationsprobleme in der Analysephase. Danach möchte ich das Werkzeug vorstellen, daß wir in unserer Projektgruppe SoDoM – Softwaredokumentation mit Mustern – entwickeln, um diese Probleme zu mildern: ein elektronisch verwaltetes Glossar für die Anwendungsentwicklung.

... in der Dokumentation

Daß die Systemdokumentation der Software wichtig ist, ist ein Allgemeinplatz im Software-Engineering; dennoch scheint ihre Qualität häufig genug schlecht zu sein. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, u. a. Zeitdruck der Entwickler, aber auch "eine gewisse Unfähigkeit technisch orientierter Menschen, sich allgemeinverständlich auszudrücken" [Elzer, 1994, S. 184]. In die letzte Kategorie paßt folgende Beobachtung:

"In der Dokumentation wird häufig eine gruppenspezifische Terminologie verwendet. Es scheint, daß diese sich während der Entwurfsdiskussionen in Entwicklerteams herausbildet und im Laufe der Zeit von den Teammitgliedern als selbstverständlich betrachtet wird. Für den Außenstehenden, der die Dokumentation später ließt, entsteht aber dadurch eine fast unüberwindliche Sprach- und Verständnisbarriere." [Elzer, 1994, S. 183]

Diese Barriere führt natürlich zu Problemen in der Wartung und zur Nicht-Wiederverwendung von Software: Komponenten, die man nicht versteht, verwendet man nicht. Frameworks zum Beispiel leiden extrem unter einer schlechten Dokumentation, da sie meist sehr komplex im Aufbau und in der Anwendung sind.

... in der Analyse

Das Problem der Entwerfer in der Analyse läßt sich wie folgt zusammenfassen: sie müssen ein Modell des Anwendungsbereichs entwickeln, das mit dem Modell der Anwender übereinstimmt.

Es spricht viel dafür, daß wir Menschen unsere Umwelt über Begriffe ordnen (siehe auch das nächste Kapitel: Terminologische Grundlagen). Demnach steckt das Fachwissen der Anwender zum Teil in deren Fachbegriffen, so daß der erste wichtige Schritt in der Analyse ist, sich mit diesen Begriffen vertraut zu machen.

Bernd Oesterreich sagt sogar:

"Objektorientierte Analyse ist die Erschließung und Rekonstruktion der Begriffswelt im Anwendungsbereich durch die Informatik." [Oesterreich, S. 144],

und benennt folgende Probleme, mit denen man in der Analyse immer wieder zu kämpfen hat [Oesterreich, S. 141ff.]:

Fazit

Das gemeinsame beider Probleme ist, daß sich die Entwerfer in eine ihnen fremde Begriffswelt einarbeiten müssen – in die des Anwendungsbereichs oder der Dokumentation. Dabei kann ein Glossar helfen:

Neben den Fachbegriffen der Anwender kann man in einem solchen Glossar aber natürlich auch andere Begriffe ablegen: in großen Unternehmen z. B. Begriffe des Vorgehensmodells, falls es eins gibt; außerdem Entwurfs- und Analysemuster, um dieses Entwurfswissen allen Entwerfern zur Verfügung zu stellen.


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