Jeder kennt das klassische Glossar: ein alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk, in der Regel als Anhang eines Buches. Für unsere Zwecke ist diese Struktur auf jeden Fall zu einfach.

Das elektronische Begriffslexikon der Telekom weißt schon etwas mehr Struktur auf: Es wird die Quelle angegeben, aus der der Begriff übernommen wurde, und es gibt Verweise auf andere Begriffe.

Wir wollen allerdings in unserem Glossar auch das Begriffssystem des Anwendungsbereichs nachbilden, und dafür reichen einfache Verweise nicht aus, da sie nichts über die Art der Beziehung zu dem angegebenen Begriff aussagen (s. Terminologische Grundlagen/Begriffsbeziehungen).
Außerdem soll unser Glossar beständig wachsen: alle Begriffe aus allen Projekten sollen in ihm abgelegt werden als Wissensbasis für spätere Projekte. Dadurch werden aber Begriffe aus verschiedenen Anwendungsbereichen miteinander vermischt, und man könnte nicht mehr erkennen, welche Begriffe zusammengehören (zumindest nicht im alphabetischen Index). Wir brauchen also ein Register, das die Begriffe nach logischen Gesichtspunkten aufführt (s. Kategorien).
Im folgenden soll also beschrieben werden, welche Anforderungen wir an unser Glossar stellen, und wie wir sie erfüllen wollen.
Unser Glossar soll auch die Beziehungen zwischen den Begriffen verwalten. Die beiden wichtigsten Beziehungen für die objektorientierte Analyse sind die Generalisierung (die Beziehung zwischen Ober- und Unterbegriff) und die Aggregation (die Beziehung zwischen einem Begriff und seinen Teilbegriffen), sie werden aber auch von Terminologen häufig verwendet, um Begriffssysteme zu bilden (s. Terminologische Grundlagen/Begriffsbeziehungen). Für den Anwendungsbereich könnten aber auch noch andere sinnvoll sein; diese fassen wir unter der Bezeichnung Assoziation zusammen, man kann sie aber mit einer kurzen Erläuterung voneinander unterscheiden. Wir unterscheiden also
Die Begriffsbeziehungen werden in den Glossareinträgen durch Verweise kenntlich gemacht, wie es in Lexika und in Fachwörterbüchern üblich ist:

Mit der Zeit wird sich im Glossar eine große Menge an Begriffen ansammeln, so daß eine rein alphabetische Auflistung der Begriffe in einem Index unübersichtlich wird. Darum wird man die Begriffe in Kategorien aufteilen können: eine Kategorie soll logisch zusammengehörende Begriffe umfassen. Auf diese Weise können wir außerdem die fachlichen Begriffe der Anwender von den technischen der Entwerfer (Muster, Vorgehensmodell) trennen.
Jede Anwendung, jedes Projekt hat seine eigene Begriffswelt. Da wir in unserem Glossar aber die Begriffe mehrerer Projekte (und damit mehrerer Anwendungen) verwalten wollen, bekommt jede Anwendung eine eigene Kategorie zugeordnet (im Bild z. B. Architektur-DB); alle Begriffe, die zu dieser Anwendung gehören, werden sich in dieser Kategorie oder in einer ihrer Unterkategorien befinden.

Es ist sinnvoll, die Begriffe, die in mehreren Projekten benutzt werden können, nur einmal und nicht für jede Anwendung neu zu definieren. Dazu gehören vor allem die Begriffe des Vorgehensmodells, aber auch das Entwurfswissen, daß die Entwerfer angesammelt haben (z. B. Muster). Auch kann es zwei Anwendungen geben, die gleiche Begriffe verwenden (z. B. wenn beide Anwendungen dieselbe Aufgabe erledigen, wie zum Beispiel Rechnungswesen). Es muß also eine Möglichkeit geben, Begriffe an einer Stelle zu definieren und in anderen Anwendungen zu "referenzieren". Da Begriffe aber i. d. R. eng mit anderen Begriffen verbunden sind, und diese zusammengehörenden Begriffe in Kategorien zusammengefaßt werden sollen, lassen wir nur das Referenzieren von Kategorien zu, das von Begriffen aber nicht.
Die Entwerfer müssen die Begriffe der Anwender erst erlernen. Wie bei jedem Lernprozeß wird das in Schritten geschehen: am Anfang werden die Entwerfer erstmal nur eine grobe Vorstellung von den Begriffen entwickeln, die sie dann immer weiter verfeinern (mit Unterstützung der Anwender). Werden diese Lernschritte als eigene Versionen festgehalten, können Entwerfer, die sich später mit der Anwendung beschäftigen (z. B. in der Wartung), die Entwicklung des Anwendungssystems leichter nachvollziehen.
Außerdem können sich die Begriffe der Anwender wandeln. Dieser Bedeutungswandel wird die Anwendung beeinflussen: sie wird in der Wartung an die neuen Gegebenheiten angepaßt. Daher sollte man den Bedeutungswandel der Begriffe im Glossar nachvollziehen können: die geänderte Definition wird als neue Version im Glossar abgelegt.
Um die Entwicklung des Begriffs zu verstehen, kann man für die Änderung eine Begründung angeben, getrennt von der Definition.

Zu einem Begriff sollte mehr vermerkt werden als nur seine Benennungen und die Definition. Wir haben folgende Einträge für einen Glossareintrag vorgesehen:
Das Erstellungsdatum, die Quelle, die Versionsnummer dieser Definition und der Name des Autors sind zwar nicht wichtig, um den Begriff zu verstehen; diese Verwaltungsinformationen zeigen aber, wie aktuell eine Definition ist, und erlauben Rückfragen beim Autor bzw. eigene Recherchen im Quelldokument, der die Definition entnommen wurde.
Einige Arten von Begriffen haben eine feste Struktur der Definition. Ein Beispiel dafür sind die Entwurfsmuster: sie haben mindestens die Struktur Problem Kontext Kräfte Lösung. Um herauszufinden, ob ein Muster ein Problem löst, muß man nur den Problem-Teil lesen, nicht die ganze Definition. Eine solche Struktur kann also die Lesbarkeit und Verständlichkeit einer Definition verbessern.
Auch für andere Arten von Begriffen kann es eine sinnvolle Struktur geben, darum kann man im Glossar neue Begriffstypen definieren.
