Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in das V-Modell

2.1 Was ist das V-Modell?

2.2 Entwicklungsgeschichte des V-Modells

2.3 Grundlegende Struktur


3. Die Submodelle und ihr Zusammenhang

3.1 Das Projektmanagement

3.2 Die Systemerstellung

3.3 Die Qualitätssicherung

3.4 Das Konfigurationsmanagement


4. Abschließende Betrachtung zum V-Modell

A. Anhang

A.1 Literaturverzeichnis

A.2 Relevante Links zum V-Modell

A.3 Die PowerPoint Präsentation des Vortrags

A.4 Die Ausarbeitung in diversen Datei-Formaten




1. Einleitung

Die Anforderungen an IT-Systeme steigen stetig. Die Entwickler solcher Systeme sehen sich immer komplexeren Aufgaben gegenübergestellt. Solche Systeme bedürfen ausreichender Dokumentation, um sie warten, erweitern oder ggf. wiederverwenden zu können. Da jedoch das Endprodukt im Mittelpunkt des Strebens eines Projektteams steht, wird folglich ein Großteil der Energie in dieses gesteckt und die Dokumentation häufig vernachlässigt. Unvollständige oder gar fehlerhafte Handbücher sind die Folge. Daraus resultieren wiederum nicht zu unterschätzende Probleme für die Auftraggeber von IT-Systemen, da sie bspw. durch unvollständige Dokumentation in eine Abhängigkeit mit dem Softwarehaus (o. ä.) geraten. Oder auch für die Softwarehäuser selber, die durch zu kurzfristige Zielsetzungen anderen Aktivitäten als der Dokumentation eine höhere Priorität beimessen und somit das aufgebaute Know-How in den Köpfen der Entwickler verbleibt. Die Notwendigkeit und Bedeutung von Modellen und Vorgehensweisen, die im Software-Entwicklungsprozeß explizit die Dokumentation enthalten und Zeitpunkte (Projektphasen) definieren, zu denen Dokumentation fertiggestellt sein muß, wird immer größer.
Das Informatik-Oberseminar mit dem Titel "Software Dokumentation mit Mustern (SoDoM)" beschäftigt sich mit dieser Thematik und es gilt, zu untersuchen, ob Patterns nicht auch bei der Dokumentation auftauchen und zu finden sind. Diese Ausarbeitung entstand im Rahmen dieser Veranstaltung und behandelt die dokumentenbasierte Software-Entwicklung am Beispiel des V-Modells. Es findet an der Universität - Gesamthochschule - Siegen in der Fachgruppe Technische Informatik (TI) im Sommersemester 1998 statt. Nähere Informationen über das Seminar und dessen Inhalte erhalten Sie auf der eigens eingerichteten Homepage. Bei Fragen, Anregungen, Kritik oder Diskussionswunsch wenden Sie sich an die Leiter des Seminars Herrn Dr. Ing. Klaus Quibeldey-Cirkel und Herrn Dipl. Ing. Georg Odenthal.

Anmerkung: Die folgende Ausarbeitung wurde für den Netscape Communicator V4.05 optimiert bei einer Bildschirmauflösung von 800x600 Pixeln. Es kam dabei die vom Communicator unterstützte Technik der Cascading Style Sheets (CSS) zum Einsatz, damit der Text anspruchsvoll gesetzt werden konnte. Abbildungen werden mittels JavaScript erst bei Bedarf in einem seperaten Fenster angezeigt.




2. Einführung in das V-Modell

In diesem Kapitel wird das V-Modell einführend betrachtet. Es erläutert, was das V-Modell ist und geht kurz auf dessen Entwicklungsgeschichte ein. Danach wird die grundlegende Struktur dargestellt, die wesentlich für das Verständnis der darauffolgenden Kapitel ist.



2.1 Was ist das V-Modell?

Das V-Modell ist der Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes (EStdIT). Es bietet ein standardisiertes und klar strukturiertes Regelwerk zur Entwicklung, sowie der Pflege und Änderung von Systemen, deren Aufgabenerfüllung vorwiegend durch den Einsatz von Informationstechnik realisiert wird. Der Entwicklungsstandard besteht aus drei Bänden: Dem Vorgehensmodell, den Methodenzuordnungen und den funktionalen Werkzeuganforderungen. In der praktischen Umsetzung wird im V-Modell während des gesamten Entwicklungszyklus auf diesen drei Ebenen gearbeitet, die aufeinander aufbauen und sich ergänzen (siehe Abbildung 2.1).

Abbildung 2.1: Die drei Ebenen (Bände) des V-Modells.

Das Vorgehensmodell legt den inhaltlichen Ablauf eines Entwicklungsvorhabens fest. Es wird bestimmt, was im Verlauf eines Projekts zu tun ist. Die Methodenzuordnungen zeigen auf, wie die im Vorgehensmodell definierten Aktivitäten durchgeführt werden können. Auf Basis der funktionalen Werkzeuganforderungen wird die Frage beantwortet, welche Anforderungen an Werkzeuge gestellt werden müssen, um die gewählten Entwicklungs- und Managementmethoden optimal zu unterstützen. Sie definieren die im Projekt einzusetzenden Werkzeuge.

Die Entwicklung des Standards wurde motiviert durch die Suche nach einem Ansatz, der über die gängigen Pflichtenhefte hinaus, nicht das Produkt selbst spezifiziert, sondern vielmehr den Weg dorthin festlegt. Es fehlte an einer verbindlichen und allgemeingültigen Vorgehensweise bei der Projekterstellung, Begleitung, Pflege und Änderung von Software für alle Arten von IT-Systemen, die zugleich als Vertragsgrundlage zwischen Behörden und industriellen Auftragnehmern dienen konnte.
Bei der Entwicklung standen die Steigerung der Softwarequalität, die Eindämmung der Kosten des Lifecycles, die Verbesserung der Kommunikation zwischen Nutzer, behördlichem Auftraggeber und industriellem Auftragnehmer und die Verringerung der Abhängigkeit vom Auftragnehmer im Vordergrund. Da außerdem ein hoher Grad an Flexibilität gefordert wurde, um beispielsweise eine Abbildung auf die in den verschiedenen Behörden vorhandenen Ablauforganisationen zu ermöglichen, wurde auf Allgemeingültigkeit großen Wert gelegt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß das V-Modell ein Prozeßmodell ist, mit dessen Hilfe Projekte abgewickelt werden können. Es ist allgemeingültig und muß aus diesem Grund durch Tailoring an die konkrete Projektsituation adaptiert werden. Der Entwickler hat folglich noch alle Wahlfreiheiten und muß ausschließlich im Vorfeld seine Wahl festlegen. Weiterhin erfüllt es - bei ordnungsmäßiger Anwendung - die technischen Anforderungen nach ISO 900x und AQAP-110 oder AQAP-150, wodurch die Prozeßqualität des Systems gewährleistet wird.


2.2 Entwicklungsgeschichte des V-Modells

Die Entwicklung des V-Modells begann 1986, als das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) den Auftrag der Industrieanlagen- Betriebsgesellschaft mbH (IABG) in Ottobrunn bei München erteilten. Projektleiter bei der IABG war Rüdiger Kunstmann, der maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung der Inhalte hatte. 1990 wurde das V-Modell erstmals in Pilotprojekten erprobt, bis es dann im Februar 1991 vom BMVg für den wehrtechnischen Bereich als verbindlich vorgeschrieben wurde. 1992 übernahm das Bundesministerium des Inneren (BMI) das Vorgehensmodell für den zivilen Verwaltungsbereich und auch die Industrie begann, es verstärkt zu nutzen. Ein Beispiel dafür ist Siemens, die im Bereich der Sicherheitstechnik das V-Modell als Hausstandard einsetzen.


2.3 Grundlegende Struktur

Das V-Modell legt den Ablauf vom Start eines Projektes, über den gesamten Projektverlauf bis hin zum Projektende fest. Es beschreibt die IT- Systementwicklung als einen Prozeß aus der technisch-funktionalen Sicht. Das „System“ wird hier als eine Funktionseinheit der obersten Ebene angesehen und es wird festgelegt aus welchen generischen Bausteinen es sich grundsätzlich zusammensetzt. Diese Einheiten werden Segmente genannt, wobei das V-Modell zwischen Segmenten mit IT-Anteil und zwischen denen ohne IT-Anteil unterscheidet. Die Segmente mit IT-Anteil werden wiederum in Software-Einheiten und Hardware-Einheiten gegliedert. So wird das System bis auf die Modulebene immer feinkörniger unterteilt. Abbildung 2.2 verdeutlicht diese hierarchische Struktur, die im V-Modell die Erzeugnisstruktur genannt wird.

Abbildung 2.2: Die Erzeugnisstruktur.

Für alle Bausteine legt das V-Modell eine kontrollierte Entwicklungsweise fest. Dies tut es, indem Aktivitäten (Aufgaben) spezifiziert werden, die Produkte erzeugen oder bearbeiten. Die Aktivitäten und Produkte sind die Grundelemente des V-Modells. Tätigkeiten, die auf Grund ihrer Ergebnisse und Durchführung genau beschrieben werden können, werden als Aktivitäten bezeichnet. Mit Produkt meint man den Bearbeitungsgegenstand bzw. das Ergebnis einer Aktivität, was Software bzw. Hardware oder Dokumentation gleichermaßen sein kann. Es gilt hierbei zu beachten, daß Produkte im Entwicklungsprozeß verschiedene Zustände durchlaufen (siehe Abbildung 2.3). Da Produkte die während einer Aktivität erzeugt wurden ggf. in anderen Aktivitäten als Eingangsprodukt die Arbeitsgrundlage bilden, müssen diese in den Zustand „akzeptiert“ übergehen, bevor die darauf aufbauende Aktivität mit ihrer Arbeit beginnen kann.

Abbildung 2.3: Der Zustandsübergangsgraph von zu entwickelnden Produkten.

Der Software-Entwicklungsprozeß wird im V-Modell durch Aktivitäten beschrieben. Einige dieser Aktivitäten lassen sich nach ihren Gemeinsamkeiten zusammenfassen und können somit in einem eigenen abgeschlossenen Modell dargestellt werden. Ein solches wird im V-Modell Submodell genannt. Folgende vier Submodelle bilden das V-Modell (siehe Abbildung 2.4):

  1. Projektmanagement (PM)
  2. Systemerstellung (SE)
  3. Qualitätsmanagement (QM)
  4. Konfigurationsmanagement (KM)

Die vier Submodelle des V-Modells sind eng miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig (vgl. Abbildung 2.5). Das Projektmanagement (kurz PM) plant, steuert und kontrolliert ein Entwicklungsvorhaben (Projekt). Dies tut es, indem es über die anderen Submodellen wacht. Die Systemerstellung (kurz SE) spielt die zentrale Rolle im Entwicklungsprozeß von IT-Systemen. Hier findet die Erstellung der Soft- und Hardware statt und die notwendige Dokumentation wird erstellt. Das Qualitätsmanagement (kurz QM) bestimmt Qualitätsanforderungen und Prüfmethoden, die die Produkte einhalten sollen und mit denen die Ergebnisse geprüft werden. Die entstandenen Produkte werden durch das Konfigurationsmanagement (kurz KM) verwaltet und bei Bedarf kontrolliert in den Entwicklungsprozeß zurückgeführt.

Abbildung 2.4: Die vier Submodelle des V-Modells.
Abbildung 2.5: Der Zusammenhang der Submodelle.

Abbildung 2.6 zeigt abschließend, wie die Produkte der vier Submodelle in die hierarchische Erzeugnisstruktur einzuordnen sind.

Abbildung 2.6: Der Produktbaum des V-Modells.




3. Die Submodelle und ihr Zusammenhang

Im vorangegangenem Kapitel wurde die Struktur des V-Modells verdeutlicht. Dabei spielte die Erzeugnisstruktur eine wichtige Rolle, die das IT-System in generische, hierarchisch aufeinander aufbauende Einheiten zerteilt, und damit die Komplexität des Gesamtsystems verringert. Auf diese Struktur wirken die integralen Bestandteile des V-Modells ein, die vier Submodelle. Die in ihnen zusammengefaßten Aktivitäten definieren in jedem einzelnen Baustein die zu leistenden Aufgaben. Dafür wird in den Submodellen wiederum auf den drei Ebenen des V-Modells gearbeitet, um beispielsweise die funktionalen Werkzeuganforderungen zu bestimmen.

Im folgenden wird nun auf die einzelnen Submodelle detaillierter eingegangen, was aber nicht heißen kann, daß sie erschöpfend und in allen Einzelheiten abgehandelt werden. Dies würde den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen. Es soll vielmehr ein Gefühl für die Aufgaben und verfolgten Ziele einer jeden Submodells vermittelt werden.
Am Ende jedes Unterkapitels eine Auflistung der Aktivitäten und Produkte sowie ein graphischer Funktionsüberblick des jeweiligen Submodells angefügt. Die graphische Notation die dafür im V-Modell für die Aktivitäten und Produkte gewählt wurde, wird aus Abbildung 3.1 ersichtlich.

Abbildung 3.1: Die graphische Notation der Aktivitäten und Produkte.



3.1 Das Projektmanagement

Das V-Modell legt nicht fest, wie die Aktivitäten im Projektmanagement durchzuführen bzw. welchen Organisationseinheiten (Personen) sie zugeordnet sind. Trotzdem kann gesagt werden, daß in den meisten Fällen die zentrale Rolle im PM ein Projektleiter einnimmt. Dieser initialisiert das Projekt mit der ersten gleichnamigen Aktivität, in der die projektinterne Zusammenarbeit und ggf. die Schnittstellen zu externen Beteiligungen im ersten Produkt, dem Projekthandbuch, festgehalten werden. Hierfür werden die Projektkriterien und –randbedingungen zusammengetragen, wodurch das Tailoring am V-Modells erfolgen kann. Das so entstehende projektspezifische V-Modell (PM 1.3) ist ebenfalls Inhalt des Projekthandbuchs. Darauf aufbauend wird der grobe Projektplan erstellt (PM 1.4), wobei die Historie ähnlich gearteter Projekte einfließen kann. Der Grobplan legt die Aufwands-, Termin- und Personalplanung zunächst näherungsweise bis zum Projektende dar. Ferner erfolgt die Auswahl einer für das Projekt geeigneten bzw. zugeschnittenen Entwicklungsumgebung, die den Projektmitarbeitern verfügbar gemacht werden muß. Falls das System oder Teile davon durch externe Leistungen realisiert werden sollen, bilden die Aktivitäten Vergabe/Beschaffung (PM 2) und Auftragnehmer-Management (PM 3) das Gerüst zum Vertragsabschluß bzw. zur Beschaffung und zur Überwachung der Arbeitsfortschritte innerhalb der vereinbarten Termine. Werden keine externen Leistungen in Anspruch genommen, entfallen diese zwei Aktivitäten. In der Feinplanung (PM 4) werden auf Basis der bestehenden Grobplanung und unter Hinzunahme des Projekthandbuchs in verschiedenen Teilschritten Verfeinerungen am Projektplan durchgeführt. Hinter den Teilschritten verbergen sich unter anderem das technische Tailoring und die Aufwands- und Terminplanung. Um die Rentabilität von geplanten Lösungen feststellen zu können, werden in der Kosten-/Nutzenanalyse (PM 5) für die verschiedenen Lösungsvorschläge die Kosten abgeschätzt und dem Nutzen gegenübergestellt. Dabei werden die Kosten und der Nutzen des gesamten Lebenszyklus – und nicht nur der Entwicklung – der Lösung betrachtet. Entscheidungen, die im Projektverlauf den Zwecken des Abschlußes von Verträgen oder der Bestätigung der im Projektplan definierten Baselines dienen, sind in der Durchführungsentscheidung(PM 6) zu treffen und werden in ein Protokoll verfaßt. Die Erkennung möglicher Risiken im Projekt, die Einleitung geeigneter, vorbeugender Maßnahmen und die Überwachung der Maßnahmen sind Aufgaben des Risikomanagements (PM 7). Im PM wird natürlich auch der Projektfortschritt verfolgt und kontrolliert und bei Abweichungen wird steuernd eingegriffen. Diese Aktivität trägt den Namen Projektkontrolle und –steuerung (PM 8). Für die notwendige Kommunikation zwischen der Projektleitung, den Mitarbeitern, externen Auftragnehmern und Anwendern sorgt die Aktivität Informationsdienst/Berichtswesen (PM 9). Sie informiert über den aktuellen Stand des Vorhabens und ist periodisch durchzuführen. Aus ihr abfallende Dokumente ist bspw. der Sachstandsbericht und der Sachbericht. Werden vom Projektmanagement Defizite im Ausbildungsstand des Personals bemerkt, so sind im Rahmen der Schulung/Einarbeitung (PM10) entsprechende Aus- und Fortbildsmaßnahmen zu veranlassen. Für die Durchführung der Arbeitsschritte muß das Management die dafür vorausgesetzten Mittel wie Arbeits- und Betriebsmittel, Rechenanlagen und die festgelegte Software-Entwicklungsumgebung (SEU) bereitstellen. Die dafür definierte Aktivität im PM trägt den Namen Bereitstellung der Ressourcen (PM 11). Soll ein Arbeitsschritt durch externe Leistungen verwirklicht werden, so wird durch die Vergabe von Arbeitsaufträgen (PM 12) beschrieben, welche Angaben im Arbeitsauftrag gemacht werden müssen. Dazu zählen die Arbeitsanleitung sowie Soll-Werte und Erläuterungen und der gleichen mehr. Das PM sieht schließlich die Einweisung der Mitarbeiter vor. Hier werden die Mitarbeiter mit dem Arbeitsabschnitt vetraut gemacht und die Aufgabenstellung wird ihnen erläutert. Die folgende Abbildung 3.2 stellt nochmals alle Aktivitäten und die in ihnen bearbeiteten bzw. erzeugten Produkte dar und Abbildung 3.3 zeigt ihr zusammenspiel.

Abbildung 3.2: Übersicht über die (Teil-) Aktivitäten und Produkte des PM.
Abbildung 3.3: Funktionsübersicht Submodell PM.



3.2 Die Systemerstellung

Die drei Submodelle Qualitätsmanagement, Projektmanagement und Konfigurationsmanagement beschreiben die begleitenden Aktivitäten in einem Entwicklungsvorhaben. Die eigentliche Entwicklung findet im Submodell Systemerstellung statt. Es unterteilt sich in zwei Ebenen, die durch bestimmte Aktivitäten geprägt sind:

  1. System- bzw. Segment-Ebene
  2. Ebene des Software- und Hardwareeinheiten

Innerhalb dieser Ebenen wird zunächst die Anforderungsanalyse erstellt und darauffolgend der Entwurf des Systems bzw. der Einheiten spezifiziert. Sie dienen dazu in zeitlich frühen Phasen von abstrakten Beschreibungen zu Software- oder Hardwareeinheiten zu gelangen und in späteren Phasen zum Gesamtsystem zu kommen.

Die Aktivität System-Anforderungsanalyse (SE 1) setzt sich aus den Teilaktivitäten SE 1.1 bis SE 1.8 zusammen. Sie erhält als Eingangsprodukte die externen Vorgaben, die Rahmenbedingungen, die Systemarchitektur und Protokolle. Auf Basis dieser Produkte erzeugt bzw. bearbeitet SE 1 die Anwenderanforderungen, die eine grobe Systembeschreibung darstellen und auf der in weiteren Entwicklungszyklen aufgebaut wird und dort weiter verfeinert werden. Die Anwenderanforderungen fließen dann in den System-Entwurf (SE 2) ein, der zunächst aufgrund der Eingangsprodukte eine möglichst technische Systemarchitektur erarbeitet. Hierbei wird bereits auf den geeigneten Einsatz von Fertigprodukten geachtet. Der Lösungsvorschlag wird nachfolgend bewertet und ist bei einer Ablehnung zu überarbeiten. Wurde er akzeptiert, wird die Systemarchitektur verfeinert und endet mit der Identifikaton der Schnittstellen, die in der Schnittstellenübersicht angeführt werden und in der Schnittstellenbeschreibung näher erläutert werden. Die SW-Architektur und die Schnittstellenbeschreibungen stellen im folgenden die Informationsquellen für den SW-Feinentwurf (SE 5-SW) dar. Hier werden die Details für die Realisierung jedes Moduls, jeder Komponente und jeder Datenbank festgelegt und der Betriebsmittel- und Zeitbedarf der einzelnen Elemente ermittelt. Niedergeschrieben werden die Ergebnisse im Datenkatalog und SW-Entwurf. Im Rahmen der SW-Implementierung (SE 6-SW) sind nun die Module und Datenbanken zu verwirklichen bevor sie während der SW-Integration (SE 7-SW) unter Einhaltung des Integrationsplans und unter Hinzunahme – falls vorhanden – der HW-Einheiten und Nicht-IT-Anteile zu einem System zusammengeführt (System-Integration, SE 8). Ist das System fertiggestellt, sorgt die Aktivität Überleitung in die Nutzung (SE 9) für die Installation und Inbetriebnahme an der vorgesehenen Einsatzstelle. Auch am Ende dieses Kapitels folgen zwei Abbildung, die diese Fakten nochmals genauer darstellen.


Abbildung 3.2: Übersicht über die (Teil-) Aktivitäten und Produkte der SE.
Abbildung 3.3: Funktionsübersicht Submodell SE.



3.3 Die Qualitätssicherung

Auch in diesem Submodell - wie schon im Projektmanagement - berühren die Regelungen in keiner Weise organisatorische oder personelle Festlegungen. Eine Abbildung auf die konkret vorhandene Ablauforganisation muß zunächst stattfinden, bevor die Arbeit in der QS beginnen kann. Wie bereits erläutert wurde, werden die aufgestellten Anforderungen an das zu entwickelnde System im Laufe eines Projekts durch die Aktivitäten in den Submodellen PM und SE verfeinert und in den Produkten "Anwenderforderungen" und "Technische Anforderungen" festgehalten. Die in der QS zusammengefaßten Aktivitäten dienen nun dem Nachweis der Erfüllung der gegebenen Anforderungen, der Vermeidung von Mängeln und der Sicherstellung einer Prozeßqualität. Bei der QS-Initialisierung (QS 1) - der ersten eigenständigen QS-Aktivität - wird im QS-Plan der organisatorische Rahmen niedergeschrieben. Er enthält die für das gesamte Projekt gültigen Festlegungen bzgl. der Erreichung der Qualitätsziele, die Vermeidung von Qualitätsrisiken und der Nachweisführung der tatsächlichen Erreichung der Qualitätsforderungen. Im Prüfplan werden unter Abstimmung mit der Projektleitung und dem zugrundeliegendem QS-Plan die zu prüfenden Produkte und Aktivitäten mit den jeweiligen Qualifikationserfordernissen der Prüfer bestimmt und die zeitliche Synchronisation mit dem Projektfortschritt dargestellt. Befinden sich die Produkte "QS-Plan" und "Prüfplan" im Akzeptiert-Zustand, extrahiert die Aktivität Prüfungsvorbereitung (QS 2) aus ihnen die Prüfspezifikation und –prozedur, die der "QS-Verantwortliche" nach erfolgreicher Kontrolle freigibt. Die Prozeßprüfung von Aktivitäten (QS 3) stellt fest, ob gewählte Vorgehensweisen und Produktstandards bei der Durchführung von Aktivitäten in allen vier Submodellen eingehalten wurden. Produkt dieser Aktivität ist das Prüfprotokoll. Auch die Produktprüfung (QS 4) erzeugt bzw. bearbeitet ein Prüfprotokoll. Dieses beinhaltet, ob die formalen Vorgaben eingehalten worden sind und ob das Produkt inhaltlich prüfbar ist. Ist dies der Fall wird es gemäß der Prüfspezifikation untersucht. Wenn nicht, geht es in das zugehörige Submodell (Aktivität) zur Überarbeitung zurück. In beiden Fällen findet ein Zustandswechsel gemäß des Zustandsdiagramms statt. Die Prüfprotokolle der Aktivitäten Prozeß- und Produktprüfung gehen in das QS-Berichtswesen (QS 5) ein, in dessen Rahmen sie auf die Anzahl, die Schwere, die Klassifikation und die Ursache der Probleme hin ausgewertet werden. Die hieraus entstehenden Produkte sind die sogenannten Berichtsdokumente.


Abbildung 3.2: Übersicht über die (Teil-) Aktivitäten und Produkte der QS.
Abbildung 3.3: Funktionsübersicht Submodell QS.



3.3 Das Konfigurationsmanagement

Das Ziel des Konfigurationsmanagements ist es, Produkte bezüglich ihrer funktionellen Merkmale sowie ihrer zugehörigen Bestandteile (bspw. Dokumentation) jederzeit eindeutig identifizierbar zu machen, um sie systematisch und kontrolliert ändern bzw. erweitern zu können und die Integrität zu gewährleisten. Dazu überwacht und dokumentiert das KM die Konfigurationen, so daß die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen früheren und aktuellen Konfigurationen nachvollziehbar sind. Jedes Produkt erhält auf diesem Weg eine Historie, auf dessen Grund die bis dato entwickelten Konfigurationen selektierbar sind.
Die erste KM-bezogene Aktivität legt den organisatorischen Rahmen im KM-Plan fest und stellt Einsatzmittel wie die Produktbibliothek und ihr zugehörige Werkzeuge bereit. Um ein absichtliches oder unabsichtliches Zerstören von Konfigurationen zu vermeiden, werden durch die Produkt- und Konfigurationsverwaltung (KM 2) alle Produkte einer Konfiguration in der Produktbibliothek archiviert. Dazu wird zunächst jedes Produkt in der Produkt Initialisierung (KM 2.1) namentlich erfaßt und in der Produktbibliothek eingetragen. Falls es sich bei dem Produkt um ein System, eine SW- oder HW-Einheit handelt wird im nächsten Schritt ein System KID, ein SW-KID bzw. ein HW-KID angelegt, um sicherzustellen, daß eine solche Konfigurationseinheit eindeutig und zu jeder Zeit aus ihren Elementen konfiguriert bzw. rekonfiguriert werden kann. Im KM-Plan werden im Zuge der Zugriffsrechteverwaltung (KM 2.5) Zugriffsrechte auf die Produkte in der Produktbibliothek bestimmt, die beschränkten oder unbeschränkten Zugriff durch die Projektbeteiligten erlaubt. Treten im Laufe des Projekts Probleme auf, die Änderungen zur Folge haben, werden Änderungsanträge gestellt oder Problemmeldungen eingerichtet, die in der Aktivität Änderungsmanagement (KM 3) erfaßt und verwaltet werden. Es findet dort eine Bewertung der Meldungen statt und entsprechende Maßnahmen werden eingeleitet. Die letzte Aktivität des KM nennt sich KM-Dienste (KM 4) und sie enthält alle diejenigen Aktivitäten, die nach Bedarf, in Intervallen oder auf Veranlassung durchzuführen sind. Dazu gehört die Daten administration (KM 4.1), mit dem Ziel alle Datenkataloge unternehemensweit konsistent zu halten. Die Wiederverwendbarkeit der Produkte zu ermöglichen verfolgt die SW-HW-Produkte Katalogisierung (KM 4.2), um die Vereinheitlichung der Schnittstellen bemüht sich die Schnittstellen Koordination (KM 4.3). Die Sicherung des Projektstands übernimmt die Aktivität KM 4.4 Ergebnisse sichern. KM-bezogene Dokumetation wird in der KM-Dokumentation führen (KM 4.5) erledigt und die Aktivitäten Release-Management durchführen (KM 4.6) und Projekthistorie führen (KM 4.7) sind ebenfalls noch Bestandteil der KM-Dienste.


Abbildung 3.2: Übersicht über die (Teil-) Aktivitäten und Produkte des KM.
Abbildung 3.3: Funktionsübersicht Submodell KM.





4. Abschließende Betrachtung

Wie man deutlich gesehen hat, stellt der Entwicklungsstandard des Bundes ein mächtiges Werkzeug dar, mit dessen Hilfe die Abwicklung von Entwicklungsvorhaben geplant und kontrolliert durchzuführen ist. Seine Allgemeingültigkeit erlaubt den Einsatz unter allen denkbaren Organisationsformen. Die Anpassung erfolgt durch Tailoring und die Abbildung der Rollen, die in einem Projekt zu bekleiden sind, auf vorhandenes Arbeitspotential. Durch die Qualitätssicherung sind die Produkte ISO 900x konform. Das Konfigurationsmanagement ermöglicht die Verwaltung und genaue Identifikation der verschiedenen Konfigurationen eines Systems. Damit bietet das V-Modell ein komplettes und strukturiertes Regelwerk, nachdem ein Projekt, wie an einem Leitfaden, durchgeführt werden kann.
Außerdem ist die Entwicklung von komplexen und großen Systemen ohne ein solches Vorgehensmodell undenkbar. Da heutige Systeme durch die von ihnen zu erfüllenden Aufgaben immer komplexer werden, sind Modelle dieser Art von wachsender Bedeutung. Das V-Modell gehört sicherlich zu den Modellen, auf die auch in Zukunft als Rahmen zur Systemerstellung die Wahl fallen wird, da es sich in den 7 Jahren, in denen es schon zum Einsatz kommt, in vielen Projekten bewährt hat.
Aber auch das V-Modell ist nicht das Maß aller Dinge. Es wird immer wieder Kritik laut von Personen, die das V-Modell als Regelwerk eingesetzt haben. So befand Dr. W. Mansel (Daimler-Benz Aerospace) das V-Modell als schwierig in konkreten Projekten umzusetzen, bedingt durch die hohe Komplexität des Standards. Weiterhin werde der Aufwand bei Erstanwendungen generell unterschätzt und das Tailoring stelle eine nicht triviale Aufgabe dar. Auch Dr. H. Hummel (IABG) stellte in einem Vortrag mit dem Titel "Stand und Weiterentwicklung des V-Modells" fest, daß ein hoher Einarbeitungsaufwand bestünde und die voluminösen Vorschriften ein Unbehagen und sogar Angst im Umgang mit dem Standard aufkommen lassen. Herr Woletz berichtete von ähnlichen Problemen beim Einsatz in der sicherheitstechischen Abteilung von Siemens.
Und auch ich muß an dieser Stelle bemerken, daß ich das V-Modell insgesamt zu erschlagend finde. Bei der Fülle von Aktivitäten und der dazugehörigen Eingangs- und Ausgangsprodukten fühlt man sich – gerade als V-Modell-Neuling – völlig überfordert. Außerdem bin ich der Meinung, daß bei der Systemerstellung anhand des Entwicklungsstandards des Guten zu viel Dokumentation produziert wird. Dies kann, in Hinblick auf die Beauftragung eines systemunkundigen Unternehmens zur Weiterentwicklung, eher hemmen als voran bringen. Ein schlankeres und eingängerisches V-Modell wäre sicher von Vorteil, soweit das mit gleichbleibender Qualität und Allgemeingültigkeit realisierbar ist.
Trotzdem all dieser Nachteile muß man festhalten, daß die Entwicklung ohne ein Vorgehensmodell ab einem bestimmten Komlexitätsgrad nicht erfolgsversprechend wäre. Man sollte es allerdings tunlichst vermeiden das V-Modell als Allheilmittel anzusehen und die Komplexität dessen nicht unterschätzen. Großes Augenmerk sollte man auf eine geeignete Toolunterstützung legen, da es im Umgang und der Arbeit mit dem Modell hilft und somit evtl. aufkommenden Frust entgegenwirkt und die Produktivität steigert.




A. Anhang

Im Anhang finden Sie, neben dem Literaturverzeichnis und einer Zusammenstellung relevanter Hyperlinks zum Thema V-Modell, die Ausarbeitung in diversen Datei-Formaten und die MS PowerPoint Präsentation des Vortrags.


A.1 Literaturverzeichnis



A.2 Relevante Links zum V-Modell



A.3 Die PowerPoint-Präsentation zum Vortrag



A.4 Die Ausarbeitung in diversen Datei-Formaten