Management- und Organisationsmuster

 

"There is an increasing awareness that new program structuring techniques must be supported by suitable management techniques, and appropriate organization sructures; organitational patterns are one powerful way to capture these."

[Coplien, 1994]

Bisher wurden Entwurfsmuster vorgestellt die im Rahmen der Softwareentwicklung zur rein technischen Lösung oder für die Modellierung der Problemstellung verwendet werden können. Die Problematik der Softwareentwicklung beschränkt sich allerdings nicht nur auf die oben genannten Bereiche, sondern weist auch grundlegende organisatorische Probleme auf. Umfangreiche Programme werden nicht mehr von Einzelpersonen erstellt, sondern nur in größeren Gruppen. Je nach Größe des Projekts, können mehrere Hundert Personen daran beteiligt sein. Zwangsläufig müssen organisatorische Maßnahmen ergriffen werden, damit die gesteckten Ziele erreicht werden können. Dabei ist die Fertigstellung des Softwareprodukts nicht das alleinige Kriterium für eine gute Organisation. Im nachfolgenden Zitat eines Organisationspsychologen wird zunächst der Begriff Organisation charakterisiert.

"Eine Organisation ist ein gegenüber ihrer Umwelt offenes System, das zeitlich überdauernd existiert, spezifische Ziele verfolgt, sich aus Individuen bzw. Gruppen zusammensetzt, also ein soziales Gebilde ist und eine bestimmte Struktur aufweist, die meist durch eine Hierarchie von Verantwortung gekennzeichnet ist."

[Rosenstiel, 1980]

Das Zitat faßt verschiedene Aufgabenstellungen und Ziele einer Organisation zusammen. Um ein bestimmtes Softwareprodukt auf den Markt zu bringen, wird eine mehr oder weniger eigenständige Organisation für den Zeitraum des Projekts ins Leben gerufen. Diese besteht aus Individuen und Gruppen und ist somit mit den üblichen sozialen Problemen behaftet. Eine große Organisation weist dabei immer mehr oder weniger restriktive Hierarchien von Verantwortlichkeiten auf. Nachfolgend werden einige Fragestellungen an eine Organisation für ein Softwareentwicklungsprojekt aufgelistet.

Für die Beantwortung dieser und anderer Fragen aus dem Bereich Organisation von Softwareentwicklungsprojekten und Softwarefirmen, ist die Mustersprache Generative Development Process Pattern Language gedacht, die von James O. Coplien publiziert wird [Coplien, 1994]. Diese Mustersprache wurde Aufgrund von Erfahrungen und Analysen am AT&T Bell Lab erstellt, umfaßt insgesamt 39 Muster und wird als Teil eines größeren Systems betrachtet, der sogenannten devlopment culture in a corporate environment . Die Mustersprache dokumentiert dabei keine grundlegend neuen Erkenntnisse aus den Bereichen Management und Personalführung, sondern wendet die Dokumentations- und Wiederverwendungsmethode Muster an, um altbekanntes kurz und einprägsam darzustellen.

Die Notation der Mustersprache ist vergleichbar mit den Entwurfsmustern nach Gamma et al. beschränkt sich aber vorwiegend auf die textuelle Beschreibung mit den Bestandteilen: Pattern name, Problem, Context, Forces, Solution, Resulting Context, Rationale.

Beispiel: Conway's Law

"To extent that an organization is not completely flexible in its communication structure, that organization will stamp out an image of itself in every design it produces. The larger an organization is, the less flexibility it has and the more pronounced is the phenomenon."

[Conway, 1968]

Das wohl bekannteste organisatorische Muster wird im allgemeinen Sprachgebrauch nach Melvin Conway als Conway's Law8 bezeichnet. Bereits 1968 erkannte Conway den Zusammenhang zwischen der Organisationsform eines Softwareentwicklungsprojekts und des dabei entstehenden Softwareproduckts. Entwurfsentscheidungen werden durch die vorherrschenden Organisationsstrukturen beeinflußt und somit nicht ausschließlich durch den Entwerfer gefällt. Beim näheren Hinsehen erkennt man in den Strukturen des Softwaresystems die Struktur der Organisation wieder.

Ist die Organisationstruktur einer Softwareentwicklungsfirma und deren Projekte groß und unflexibel, wirkt sich dies nachteilig auf die Struktur und die Flexibilität der Softwareprodukte aus. Alteingesessene Firmen haben daher häufig nicht nur mit einem übernatürlich aufgeblasenen Management zu kämpfen, das sich krampfhaft selbst am Leben erhält, sondern auch mit ähnlichen Problemen behaftete Programme. Das Schagwort der letzen zehn Jare im Managementbereich heißt Lean Management ( lean: schlank, mager ). Wie das Wort bereits besagt, werden schlanke und flexible Organisationsformen bevorzugt, die auf Grund der geschilderten ähnlichkeit zu schlanken und flexiblen Produkten führen sollen.

Das in der Musterform beschriebene Gesetz nach Conway bringt diese Thematik auf einen kurzen und prägnanten Nenner, der vor allem Neueinsteigern den Weg zu erfolgreichen Organisations- und Managementstrukturen leiten soll. In knapp zehn Sätzen wird das Problem beschrieben, der Anwendungskontext erläutert die auftretenden Kräfte die zum Problem führen beschrieben und eine Lösung angegeben. (siehe Abbildung 21]

Abbildung 21: Conway´s Law in der Musterform [Coplien, 1994, S. 13]

Die vorgestellte Management- und Organisationsmustersprache versteht sich, nach dem Angaben des Autors, als eine nocht nicht abgeschlossene Sprache die weitere durch Muster ergänzt und oder im Kontext eines größeren Mustersystems eingesetzt werden sollte. Eine übersicht über die Mustersprache wird in Abbildung 22 dargestellt.

Abbildung 22: Generative Development Process Pattern Language [Coplien, 1994, S. 13]

Primär eignet sich die Mustersprache besonders dazu neue Organizationen aufzubauen: "This language certainly works when the raw materials are available to build an enthusiastic organization." [Coplien, 1994, S.3]. Dennoch gibt es durch die einfache, unreflektierte Anwendung der Musterprache keine Garantie gute Organisations- und Managementstrukturen zu erhalten. Wie bei allen vorgestellten Muster wird hier Wiederverwendung in Form von Wissensaufbereitung und dessen Wiederverwendung betrieben.