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HTML - Dokumentationsmedium für Entwurfsmuster
Nun sind fast alle Vorarbeiten geleistet, um die Spitze des Eisberges" im nächsten Unterkapitel zu erklimmen. Doch bevor wir die Notation des Hardware-Entwurfsmusters Boundary-Scan vorstellen, müssen einige Vorüberlegungen getätigt werden. Wie stellen wir die Notation des Musters dar? Welches Dokumentationsmedium gibt es, um das Entwurfsmuster möglichst effizient in den Entwurfsprozeß einzubauen? Reicht eine einfache lineare Auflistung der acht Beschreibungspunkte aus? Sicherlich nicht. Denn wie kann eine lineare Liste das netzartige Beziehungsgeflecht mehrerer Entwurfsmuster darstellen (vgl. Abbildung 8: Beziehungen zwischen Entwurfsmustern [S. 12])? Auch das Y-Diagramm eines Musters weist eine mehr oder weniger komplexe Netzstruktur auf (vgl. Abbildung 18: Verfeinerung des Y-Diagramms durch Thomas und Walker), abhängig von der Anzahl und der Reihenfolge der Analyse- und Syntheseschritte einer Entwurfsstrategie. Doch welche Alternative gibt es, um die Anforderung an eine netzartige Darstellung zu erfüllen? Die Antwort liegt auf der Hand: Hypertext.
Der Begriff taucht in der Softwaretechnik in vielen Veröffentlichungen auf. Die Autoren sehen in der Darstellung der Entwurfsmuster als Hypertext die im Moment adäquate Technik zur rechnergestützten Verwendung der Muster:
... Hypertext scheint sehr gut geeignet zu sein, um Frameworks mit Hilfe von Meta-Patterns zu erläutern." [Pree, 1994, S. 167]
Doch was ist eigentlich Hypertext? Ein konventioneller Text besteht aus einer Sequenz von Worten, Sätzen, Absätzen, Kapiteln usw. und ist somit hierarchisch und streng sequentiell strukturiert. Diese Struktur resultiert in erster Linie aus der engen Verbindung zum Medium Papier. Die Zugriffsfunktionalität besteht meist aus einem Inhaltsverzeichnis, einem Index oder manueller, sequentieller Suche evtl. mit mehreren Startpunkten (Lesezeichen). Liegt ein sequentielles Dokument in elektronischer Form vor, so kann auch noch die automatische Volltextsuche hinzukommen.
Hypertext bedient sich ausschließlich der elektronischen Darstellungsform. Er ist ab einer sinnvollen Hierarchieebene nicht-sequentiell strukturiert, sondern besteht aus einzelnen Textfragmenten. Diese werden durch Links untereinander verbunden. Durch Setzen beliebiger Verbindungen kann so jede erdenkliche Netzstruktur des Hypertexts erzeugt werden. Statt unnötigem Blättern kann ein Textfragment schnell über einen Link erreicht werden. Aus der Nicht-Sequentialität von Hyperdokumenten muß nicht das Nicht-Vorhandensein einer übergreifenden Struktur folgen: Im allgemeinen hat ein Hypertext ein Inhaltsverzeichnis und einen Pfad, der das sequentielle Durchblättern der Information erlaubt. Dies insbesondere, wenn der Text ein eng zusammenhängendes Thema beschreibt (z. B. ein elektronisches Handbuch).
Damit kann ein Entwurfsmuster bzw. ein Musterbuch sehr effizient durch ein Hypertext-System dargestellt werden. Es handelt sich um ein ideales Dokumentationsmedium, um die netzartigen Charakteristika der Muster zu realisieren.
Doch welches Hypertext-System sollen wir in der Praxis verwenden? Es gibt einige Systeme auf dem Markt. Aber ein System boomt" besonders in den letzten zwei Jahren. Und wer hat nicht auch schon einmal etwas davon gehört: HTML (HyperText Markup Language) die Sprache des Internets. Kaum ein Tag vergeht, wo nicht die Tageszeitung etwas zum Thema Internet bringt, kaum noch eine Ausgabe von Spiegel oder Focus erscheint ohne Querverweise auf Vorgänge im Netz, und selbst das abendliche Zappen" durch die Fernsehkanäle läßt den staunenden Zuschauer häufiger einmal in Sachen Internet fündig werden. Dieser Kommerzialisierung ist es zu verdanken, daß das einstmals nur von wissenschaftlichen Institutionen genutzte Netz mittlerweile eine Größenordnung erreicht hat, daß kaum noch ein Unternehmen, kaum noch eine Institution daran vorbeikommt. Und durch die wachsende Bedeutung des Internets ist auch HTML zu einem Leitwort in der Informationswelt emporgestiegen. Durch das Publizieren der Muster im Internet bzw. der Programmierung der Entwurfsmuster in HTML ergeben sich zwei wichtige Vorteile:
1. Das Internet ist ein sehr gutes Diskussionsforum. Auf einfache Art und Weise können schnell, öffentlich, und damit weit verbreitet, neue Thesen ausgetauscht werden.
2. Durch HTML werden ASCII-Dateien erzeugt, die durch die Verwendung eines speziellen Browsers auf jedem Rechner darstellbar sind, sei es ein UNIX- , DOS- oder Macintosh-System. Somit können die erzeugten Entwurfsmuster beliebig in jede Entwicklungsumge-bung eingebunden werden. Weder Hardware noch Software spielt für die Darstellung der Muster eine Rolle.
Die beiden Vorteile sind für die Neuvorstellung der Hardware-Entwurfsmuster so gravierend, daß zur Zeit meiner Meinung nach kein anderes Hypertext-System zur Darstellung der Muster in Frage kommt.
Durch die Publikation des Hardware-Entwurfsmusters Boundary-Scan im Internet soll das Interesse möglichst vieler Hardware-Entwickler geweckt werden. Aber auch Software-Architekten sollten einen Blick ins W(orld)W(ide)W(eb) w(agen)". Jedenfalls kann mir jeder über die angegebene eMail-Adresse (Nico-Hombach@t-online.de) seine möglichst konstruktive Meinung zukommen lassen. Wahlweise kann das Entwurfsmuster im Internet in deutscher und bald auch in englischer Sprache betrachtet werden, um eine internationale Aufmerksamkeit zu erreichen. Damit steht einem regen Diskussionsaustausch mit ausländischen Entwerfern sowohl Hardware- als auch Software-Entwerfern nichts mehr im Wege.
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