Universität-Gesamthochschule
Siegen
| Uni-GH Siegen | FB Elektrotechnik und Informatik | UniPlaner |
Als Christopher Alexander 1977 sein Buch "A Pattern Language: Towns, Buildings, and Construction" [1] veröffentlichte, präsentierte er darin eine Mustersprache zur Beschreibung von allgemeinen Lösungsvorschlägen für architektonische Probleme. Der mitgelieferte Katalog von Mustern sollte Architekten von den Vorteilen seiner Idee überzeugen: Entwurfswissen und Erfahrung von Experten konnten mit diesen Mustern jedem Architekten zur Verfügung gestellt werden. Jedoch, seine Architekturmuster wurden nicht angenommen und seine Bemühungen blieben weitgehend unbeachtet bis in den 90-er Jahren die Informatik seinen Gedanken wieder aufgriff und Muster zur Bewältigung von Entwurfsproblemen in der Software-Entwicklung einführte. Das 1995 vorgestellte Buch "Design Patterns: Elements of Reusable Object-Oriented Software" [2] wurde ein Erfolg, den sich die Autoren Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson und John Vlissides wohl kaum erhofft hatten. Es avancierte zu einem Bestseller, der eine Entwurfsmuster-Bewegung begründete. Seine Autoren werden heute fast ehrfürchtig als die "Gang of Four" (GoF) betitelt.
Entwurfsmuster und Mustersprachen haben sich mittlerweile als fester Programmpunkt auf internationalen Konferenzen etabliert, werden in Fachzeitschriften diskutiert und sind Gegenstand vieler Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. Auf der diesjährigen dreizehnten ECOOP (European Conference on Object-Oriented Programming) hielt Erich Gamma einen der Gastvorträge [3]; eine der Paper Sessions war Entwurfsmustern gewidmet und lieferte zahlreiche Anregungen für diese Studie [4-6]. Die Zeitschrift Informatik Spektrum widmete dem Thema in einer der letzten Ausgaben einen Platz in der Rubrik "Das aktuelle Schlagwort" [7]. Viele aktuelle Buchtitel beschäftigen sich mit Mustern, wobei nicht nur Muster für die Entwurfs-Phase vorgestellt werden. Es gibt mittlerweile auch Muster, die in der Analyse-Phase eingesetzt werden können, und andere Muster beschäftigen sich beispielsweise mit der Wahl von Organisationsstrukturen. Große Unternehmen haben für ihre Entwicklungsabteilungen eigene Musterbücher erstellt, die sie laufend ergänzen, um sie auf aktuellem Stand zu halten.
Welche Vorteile bzw. welche Nachteile sind mit der Anwendung von Entwurfsmustern verbunden? Kann oder muß dem Anwender in naher Zukunft ein Werkzeug an die Hand gegeben werden, um Entwurfsmuster weiterhin erfolgreich einzusetzen? Das Kapitel 1 widmet sich diesen Fragen und beleuchtet die Möglichkeiten einer Werkzeugunterstützung sowie die Probleme, mit denen die Entwickler konfrontiert werden. In Kapitel 2 und 3 folgen die Vorstellungen von zwei aktuellen Ansätzen, die sich diesen Fragen stellen. Sie besitzen derzeit noch Prototypen-Status und benötigen noch eine gewisse "Reifezeit"; eine Betrachtung sind sie aber auf jeden Fall wert, da sie ihre Anwendbarkeit bereits in ersten Situationen unter Beweis stellen konnten. Abschließend betrachtet Kapitel 4 die beiden Prototypen noch einmal kritisch, zieht ein Resümee und zeigt Verbindungen zu ähnlichen Arbeiten auf.
[Titel][Vorwort][Inhalt][Kapitel 1][Kapitel 2][Kapitel 3][Kapitel 4][Literatur]
© Wintersemester 97/98 by Sascha Meyer