2.3 Die Problematik

Wir konnten während der Bereichsanalyse fünf gravierende Probleme ausmachen, welche die Stundenplanung (zum Teil vollkommen unnötig) erschweren. Diese wollen wir im folgenden darstellen und untersuchen.

2.3.1 Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen

Da die Fachbereiche ihre Planung zu unterschiedlichen Zeiten abschließen, kommt es häufig zu Abstimmungsproblemen. Viele Fachbereiche bieten Service-Veranstaltungen für andere Fachbereiche an, die sie evtl. selbst nicht nutzen. Bekommt der Nutzer einer Service-Veranstaltung bei der Einplanung Probleme, da er evtl. zum vorgegebenen Zeitpunkt dieser Veranstaltung unbedingt eine andere Veranstaltung plazieren muß, so ist der anbietende Fachbereich meist nicht mehr gewillt, diese Veranstaltung auf einen anderen Termin zu verschieben. Der Anbieter hat ja seine Planung bereits abgeschlossen.

Oft stellt der Anbieter für seine Service-Veranstaltung keinen Raum zur Verfügung. Es wird nur ein(!) Zeitpunkt vorgegeben, an dem der Dozent seine Veranstaltung zu halten bereit ist. Trifft diese Vorgabe beim Nutzer ein, während dieser seine Planung bereits begonnen hat, hat dieser oftmals zu diesem Zeitpunkt keinen Raum mehr zur Verfügung. Wenn dann der Anbieter nicht kompromißbereit ist, muß der Nutzer einen Teil seiner bisherigen Planung verwerfen.

Wir befragten die Stundenplaner der Fachbereiche, wie sie die Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen bewerten würden. Oft bekamen wir die vorsichtige Antwort, daß die Zusammenarbeit eher mäßig funktionieren würde. Manche Fachbereiche wurden wegen ihrer mangelhaften Kompromißbereitschaft immer wieder angekreidet. Es gab jedoch auch Ausnahmen, wo Stundenplaner verschiedener Fachbereiche sich regelmäßig trafen und ihre Arbeit aufeinander abstimmten. Anderen waren die Ansprechpartner in den übrigen Fachbereichen nur teilweise oder überhaupt nicht bekannt.

2.3.2 Kommunikation in den Fachbereichen

Als ein weiteres Problem machten wir die schlechte Kommunikation in den Fachbereichen aus. Die Stundenplaner benötigen zur Einplanung der Veranstaltungen eine Vielzahl von Informationen über die Veranstaltungen und auch über die Dozenten. Diese Daten sollten eigentlich bei der Datenerhebung gesammelt werden, jedoch stellten wir fest, daß die eingesetzten Erhebungsbögen für diesen Zweck oft nur bedingt geeignet waren. Sie wurden in der Vergangenheit meist falsch ausgefüllt und auch oft überhaupt nicht oder viel zu spät zurückgeschickt. Manche Stundenplaner gaben an, daß die Erhebungsbögen von den Dozenten wohl zur persönlichen Freizeitgestaltung mißbraucht würden. Diejenigen, die diese Befragung mündlich erledigen können, sind meist besser informiert. Dieser Befragungsaufwand ist aber nur in Fachbereichen mit einer kleinen Anzahl von Dozenten vertretbar.

Somit ist die Arbeit der Stundenplaner oftmals nur aufgrund ihrer Erfahrung, die sie im Laufe der Semester gesammelt haben, möglich. Ergeben sich bei der Einplanung dennoch Fragen, so müssen die Stundenplaner die Dozenten anrufen, um Unklarheiten zu beseitigen. Da die meisten Dozenten während der vorlesungsfreien Zeit (und manche auch in der übrigen Zeit) nicht an der Universität zu erreichen sind, wird die Planung somit unnötig erschwert und in die Länge gezogen. In diesem Zusammenhang wurde uns von einem Dozenten berichtet, der mit den Stundenplanern nur noch über sein Sekretariat kommuniziert!

2.3.3 Studiengänge ohne eigenen Fachbereich

Eine Sonderstellung nimmt die Planung für Studiengänge ohne eigenen Fachbereich ein. Hier handelt es sich um die Studiengänge Primarstufe und AES. Im Gegensatz zu den anderen Studiengängen sind diese Studiengänge keinem Fachbereich fest zugeordnet. Sie stützen sich vielmehr auf die Veranstaltungen von mehreren Fachbereichen. Das Problem ist nun, daß es dabei nahezu keine Abstimmungen zwischen den Veranstaltungsangeboten aus den jeweiligen Fachbereichen gibt. Dies kann unter anderem dazu führen, daß die Studierenden keine Möglichkeit haben, zwei Pflichtveranstaltungen ihres Semesters zu hören, da sie von unterschiedlichen Fachbereichen angeboten werden und zeitlich parallel stattfinden. Wenn diese Veranstaltungen nicht jedes Semester angeboten werden, kann das sehr viel Zeit kosten.

Ein Stundenplaner berichtete uns von massiven Beschwerden der Studierenden, welche angaben, daß ihr Studium de facto nicht in der Regelstudienzeit zu bewältigen sei! Und zwar aufgrund der mangelhaften Abstimmung der Veranstaltungsangebote.

2.3.4 Einstellung der Dozenten

Wie bereits erwähnt, versuchen die Stundenplaner die Vorgaben der Dozenten bei der Einplanung der Veranstaltungen zu berücksichtigen. Manchen Dozenten ist jedoch vorzuwerfen, daß ihre Vorgaben den Planungsprozeß stark behindern. Die Stundenplaner prägten den Begriff "Dimido-Dozent". Mit dieser Bezeichnung sind die Dozenten gemeint, die nur am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag für die Einplanung zur Verfügung stehen - grundsätzlich nur nach 10 Uhr morgens.

Den Stundenplanern werden oft Raum und Zeitpunkt einer Veranstaltung strikt vorgegeben. Dies kann zur Folge haben, daß günstigere Kombinationen von Veranstaltungen nicht verwirklicht werden können, weil ein(!) Dozent hartnäckig an seinen Vorgaben festhält. Es entsteht ein Stundenplan, der vermeidbare Mängel aufweist, obwohl mit etwas Entgegenkommen von Seiten dieser Dozenten der Stundenplan schneller und besser erstellt werden könnte.

Uns fiel auf, daß das Durchsetzungsvermögen der Stundenplaner von Fachbereich zu Fachbereich total verschieden ist. Manche Stundenplaner berichteten uns, daß sie grundsätzlich alle Forderungen der Dozenten umzusetzen hätten. Sie beklagten in diesem Zusammenhang den fehlenden Rückhalt durch ihre Vorgesetzten. Andere scheuen sich jedoch nicht, den Dozenten "die Zähne zu zeigen", wenn damit ein besserer Stundenplan verwirklicht werden kann.

Im Fachbereich 12 ergab sich in der Vergangenheit immer wieder ein Problem mit der Regelung von Ausschlußzeiten. Gängige Praxis ist und war bisher, daß Dozenten 20% der Wochenzeit ausschließen dürfen. Sie stehen dann in dieser Zeit nicht für die Einplanung zur Verfügung. Diese Regelung wurde bisher jedoch von manchen Dozenten sehr großzügig ausgelegt. Dies ging soweit, daß Dozenten nur 20% ihrer Wochenzeit zur Verfügung stellten und die restliche Zeit für die Einplanung ausschlossen. Hier ist dringend eine einheitliche Regelung der Ausschlußzeiten notwendig.

2.3.5 Komplexität der Planung

Wie bereits im Grundlagenkapitel erläutert, ist die Stundenplanung unter Berücksichtigung der zahlreichen Nebenbedingungen sehr komplex. Im Fachbereich 12 nimmt die Einplanung der Veranstaltungen etwa 50% der Arbeitszeit in Anspruch, die für den gesamten Planungsprozeß zu veranschlagen ist. In anderen Fachbereichen ist die Aufteilung ähnlich. Durch die Automatisierung der Stundenplanung mit Hilfe eines Rechners ist also ein erheblicher Zeitgewinn möglich. Nach unserer Auffassung ist die Methode der Constraint-Propagierung (engl. Propagation) ein erfolgversprechender Lösungsansatz.

Dieses technische Problem läßt sich mit einer Software lösen, aber alle anderen Probleme haben keinen technischen Ursprung und können durch uns nur aufgezeigt werden. Eine Lösung dieser Probleme können wir nicht anbieten. Wir erhoffen uns aber durch den Einsatz des neuen Erhebungsbogens (siehe Anhang) eine Verbesserung des Kommunikationsproblems im Fachbereich 12.

 

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