In dieser Arbeit werden einfache Beispiele besprochen und dabei diskutiert, dass ganz einfache Systeme ein unglaublich komplexes Verhalten aufzeigen können, das die Wissenschaft immer noch in Atem hält. Wir werden von einigen Überlegungen zu grundlegenden Begriffen und Anschauungen ausgehen, z.B. der Frage nachgehen, was denn "deterministisches Chaos" ist. In Kapitel 2 wird ausgehend vom harmonischen Oszillator durch Hinzufügen weiterer, realerer Eigenschaften der Weg ins Chaos beschritten. In Kapitel 3 werden grundlegende Begriffe und Darstellungen anhand eines sehr einfachen Beispiels diskutiert, die in Kapitel 4 teilweise auf die zuvor besprochenen Oszillatoren angewendet werden. Die Visualisierung erfolgt durch mehrere Maple-Prozeduren. animatDG liefert eine graphische Animationen des Verhaltens von Oszillatoren, die durch zwei Differentialgleichungen v'=f(s,v,t) und s'=v beschrieben werden und die Prozedur visualDG liefert die zugehörige, nichtanimierte Graphik. Die Prozedur DGdiff stellt die Differenz der Zeitreihen von Differentialgleichungen für 2 unterschiedliche Startwerte dar. Die Prozedur logistischeGleichung gibt eine graphische Darstellung der Zeitreihen der logistischen Gleichung und die Differenz von Zeitreihen für zwei verschiedene Startwerte an. Schließlich werden zwei Prozeduren Iteriere2 und Feigenbaum aus dem Paket newfeig benutzt.
Einleitung
Vom linearen,
ungedämpften Masse-Feder-Schwinger zum chaotischen Oszillator
Beschreibung
von Chaos
Anwendung
der Begriffe auf den Duffing-Oszillator
Ausblick
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Deterministisches Chaos. Beim Begriff Chaos wird meist an völlige Unordnung ohne jede Struktur gedacht: ein unaufgeräumtes Studentenzimmer wird als chaotisch bezeichnet, Chaoten gelten als völlig regel- und zügellose Personen. Dieses populäre Verständnis von Chaos ist im wesentlich historisch begründet und schlichtweg falsch. Dass auch ein determiniertes System, das durch Differentialgleichungen beschrieben wird, chaotisches Verhalten zeigen kann, ist eine Erkenntnis, die erst in der jüngsten Gegenwart erfasst und beschrieben wurde. Sie hängt eng mit dem Kausalitätsbegriff zusammen.
Starke und schwache Kausalität. In der klassischen Physik herrscht das streng deterministische Kausalitätsprinzip. Dieses besagt, dass jedes Ereignis auf ein Ursache in der Vergangenheit zurückgeführt werden kann und jede Ursache ein Ereignis in der Zukunft zur Folge hat. Der französische Mathematiker und Astronom Laplace formulierte: "Gleiche Ursachen haben gleiche Wirkungen". Diese Annahme wird als schwache Kausalität bezeichnet, die mathematisch durch Differentialgleichungen bzw. Differentialgleichungssysteme beschrieben wird. Bei gleichen Anfangsbedingungen verhält sich das System immer gleich, es ist deterministisch.
Es war ebenfalls
Laplace, der den Gedanken eines Dämons, einer übernatürlichen
Intelligenz ersann, der durch Kenntnis des Orts und der
Geschwindigkeit aller Atome sowohl die Zukunft vorhersagen als auch
die uns nicht bekannte Vergangenheit berechnen könne. Diese Idee
vom Laplace'schen Dämon prägte das Denken von
Wissenschaftlern bis heute. Die Ansicht, man müsse nur genau
genug die Umstände und Anfangsbedingungen messen und bestimmen,
um eine perfekte Vorhersage treffen zu können, ist immer noch
weit verbreitet, trifft jedoch in der realen, dynamischen,
nichtlinearen, chaotischen Welt nie zu.
In der klassischen
Physik wurde noch eine weitere Annahme zwar nie so deutlich
formuliert, jedoch immer stillschweigend angenommen. Diese als
starkes Kausalitätsprinzip bezeichnete
Annahme kann man in dem einfachen Satz zusammenfassen: "Ähnliche
Ursachen haben ähnliche Wirkungen". Die Forderung nach der
Reproduzierbarkeit eines klassischen Experiments zeigt die implizite
Anerkennung des starken Kausalitätsprinzips in der Wissenschaft.
Da jede auch noch so genaue Messung einen, wenn auch kleinen Fehler
hat, bedeutet dies, dass Reproduzierbarkeit nur dort gefordert werden
kann, wo dieses Prinzip gilt.
Die mögliche Existenz
eines Laplace'schen Dämons und die universelle Gültigkeit
des starken Kausaltiätsprinzips wurde erstmals durch die
Quantentheorie, spezieller der Heisenberg'schen Unschärferelation,
widerlegt. Die Unschärferelation sagt aus, dass im atomaren
Bereich nicht gleichzeitig Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens
bekannt sein können, es sind lediglich statistische Aussagen
möglich. Damit ist die grundlegende Eigenschaft des Dämons
in Frage gestellt, von allen Teilchen den Ort und die Geschwindigkeit
zu kennen.
Die Chaostheorie zeigt auch für den
makroskopischen Bereich, dass das starke Kausalitätsprinzip nur
im Spezialfall gilt.
Vom linearen, ungedämpften Masse-Feder-Schwinger zum chaotischen Oszillator
Dieser Abschnitt
führt zu einem ersten Kontakt mit chaotischem Verhalten und
seinen Eigenarten. Es werden Oszillatoren verschiedener Art
simuliert. Ausgehend von dem einfachen harmonischen Oszillator werden
Schritt für Schritt die Differentialgleichungen zur Beschreibung
der Systeme ausgebaut, bis schließlich chaotisches Verhalten
beobachtet werden kann.
Hinein
ins Chaos!
Hier sollen Methoden
und Instrumente besprochen werden, mit denen chaotisches Verhalten
sowohl qualitativ als auch quantitativ beschrieben werden kann. Es
werden Begrife wie z.B. die Sensitivität und der
Ljapunov-Exponent, die Mischungseigenschaft und ergodische Bahnen
anhand der logistischen Gleichung erklärt. Dies führt auch
auf die Begriffe eines Attraktors bzw. dem zyklischen Verhalten.
Beschreibung
von Chaos
Anwendung der Begriffe auf den Duffing-Oszillator
Im zweiten Kapitel
wurde ausgehend von dem einfachen harmonischen Oszillator ohne
Dämpfung der Duffing-Oszillator betrachtet, der je nach
gewählten Parametern chaotisches Verhalten zeigen kann. Sein
Verhalten wird durch eine Differentialgleichung beschrieben. In
Kapitel 3 wurde dann die logistische Gleichung als diskretes System
genauer untersucht und verschiedene Begriffe, Größen und
Diagramme zur Beschreibung von Chaos eingeführt. Doch wie hängen
diskrete Systeme mit Anordnungen zusammen, die durch
Differentialgleichungen beschreibar sind? Können die für
die logistische Gleichung erarbeiteten Begriffe auch auf die als
Einstieg besprochenen Oszillatoren verwendet werden?
Anwendung
der Begriffe auf den Dufffing-Oszillator
In Kapitel 2 wurde mit einfachen, altbekannten Oszillatoren begonnen, in Richtung Chaos aufzubrechen. Es wurden Terme für Reibung und für periodische Anregung hinzugefügt. Durch Einfügen eines einzigen nichtlinearen Terms ergab sich ein weitaus komplexerer Grenzzyklus, durch geeignete Parameterwahl chaotisches Verhalten.
Es ist erstaunlich,
wie einfach eine Differentialgleichung aussehen kann und was für
eine Dynamik ein System entwickeln kann, das gerade durch diese
einfach scheinende Gleichung beschrieben wird. Noch erstaunlicher ist
es, dass erst seit ein paar Jahrzehnten diese Effekte erforscht und
besser verstanden, ja überhaupt erst als Phänomene
wahrgenommen werden. Dies steht sicher auch mit der Tatsache im
Zusammenhang, dass leistungsfähige Rechenmaschinen erst seit
dieser kurzen Zeit zur Verfügung stehen. Ein Feigenbaum-Diagramm
ist ohne Computer nicht zu erstellen und benötigt selbst heute
noch einige Rechenzeit. Damit stand zuvor das Werkzeug für die
Untersuchung von Chaos gar nicht zur Verfügung.
Die
Chaostheorie, die Beschreibung von chaotischen Systemen führte
zu einer Welle der Euphorie. Durch die gefundenen Methoden sollten
viele ungeklärten Phänomene in Natur und Technik aufgehellt
und mathematisch beschreibbar gemacht werden. Heute sieht man die
gewonnenen Erkenntnisse wesentlich nüchterner, da sich nach und
nach zeigt, dass eben die Welt in der wir leben, unglaublich komplex
ist. Die Bedeutung der verschiedenen Gesetzmäßigkeiten,
die gerne als "Chaostheorie" zusammengefaßt werden,
ist jedoch unbestritten. Sie haben das Weltbild und den Blickwinkel
von vielen Menschen verändert und erweitert und hoffentlich zu
einem kritischeren Umgang mit wissenschaftlichen Paradigmen und
Prinzipien geführt. Jedoch auch die Methoden für die
Beschreibung von chaotischen Systemen können nur ein paar wenige
weitere Mosaiksteine in unserem unvollkommenen Bild von der
Wirklichkeit sein.
Diese Arbeit soll mit einem Zitat von Leon
O. Chua schließen (1):
" In der Geschichte von Wissenschaft und Technik hat es niemals ein derart allgegenwärtiges Phänomen gegeben, niemals solch ein universelles Paradigma oder einen Bereich, der so interdisziplinär wäre, wie der des Chaos. Bisher steht Chaos lediglich für die Spitze eines gewaltigen Eisbergs, unter dem sich eine wesentlich feinere Struktur von unermeßlicher Komplexität verbirgt, ein geometrisches Labyrinth endloser Verschlingungen und eine surrealistische Landschaft außerordentlicher Schönheit. Das Grundgestein, auf dem dieses Gebiet lokaler sowie globaler Verzweigungen verankert liegt, ist die alles beherrschende Nichtlinearität, die in vergangenen Zeiten von Technikern und Wissenschaftlern aus angewandten Disziplinen bedenkenlos linearisiert wurde, womit sie ihre einzige Gelegenheit eingebüßt haben, sich mit der Realität auseinanderzusetzen."
(1)
Heinz-Otto Peitgen, Hartmut Jürgens, Dietmar Saupe
Chaos - Bausteine der
Ordnung
Rowohlt
Taschenbuch Verlag 1998
(2)
Heinz-Otto Peitgen, Hartmut Jürgens, Dietmar Saupe
Bausteine des Chaos -
Fraktale
Rowohlt Taschenbuch Verlag 1998
(3)
John Argyris, Gunter Faust, Maria Haase
Die Erforschung des
Chaos
Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft 1994
(4)
Heinz Georg Schuster
Deterministisches Chaos - eine Einführung
VCH Verlagsgesellschaft 1994
(5) T.
Kapitaniak
Chaos for Engineers - Theory, Applications and
Control
Springer-Verlag 1998
(6) H
. J. Korsch, H.-J. Jodl
Chaos
- A Program Collection for the PC
Springer-Verlag 1994
(7)
Frank C. Hoppensteadt
Analysis and Simulation of Chaotic
Systems
Springer-Verlag 1993
(8)
Walter Seifritz
Wachstum, Rückkopplung und Chaos - Eine
Einführung in die Welt der Nichtlinearität und des
Chaos
Hanser-Verlag 1989
(9)
Peter Plaschko, Klaus Brod
Nichtlineare Dynamik, Bifurkationen
und chaotische Systeme
Friedr. Vieweg & Sohn
Verlagsgesellschaft 1995
(10) W.
Metzler
Nichtlineare Dynamik und Chaos
B. G. Teubner 1998
(11)
Klaus Mainzer (Herausgeber)
Komplexe Systeme und nichtlineare
Dynamik in Natur und Gesellschaft -
Komplexitätsforschung in
Deutschland auf dem Weg in das nächste
Jahrtausend
Springer-Verlag 1999
(12)
Werner Ebeling
Chaos - Ordnung - Information
Urania-Verlag
1991
(13) http://www.chaos.de : Seite mit Links zu weiteren Seiten über Chaos und Fraktale