Liegt ein
dynamisches System vor, so stellt sich die Frage, wie es beschrieben
werden kann. Es ist zu klären, ob es sich womöglich um ein
chaotisches System handelt. Wenn ein solches Verhalten vermutet wird,
muss dieses nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ betrachtet
und beschrieben werden. Im Lauf der Jahre haben sich einige
Instrumente zur Beschreibung chaotischer Systeme etabliert. Diese
sollen in diesem Kapitel vorgestellt werden.
Zunächst
stellt sich die Frage: Was kennzeichnet ein chaotisches System?
Welches Verhalten deutet auf Chaos hin? Um die Antworten auf diese
Fragen zu erhalten, kann man ein einfacheres Beispiel für ein
chaotisches System als das einführende Beispiel im
vorhergehenden Kapitel verwenden: Ein einfaches Modell für die
Entwicklung einer Tierpopulation ist die logistische Gleichung:
mit n=1,2,... .
Das Szenario,
welches diese Gleichung trifft, ist leicht zu verstehen. Angenommen
es soll die Anzahl von Hasen in einem bestimmten Gebiet über
Jahre hinweg beschrieben werden. Der Zeitpunkt n steht
für das Jahr, der Zeitpunkt n+1 für
das darauffolgende Jahr. Man kann davon ausgehen, dass je mehr Hasen
es gibt auch umso mehr junge Hasen geboren werden, da mehr
Elternpaare zusammenfinden:
~
.
Dieser Gedanke ist jedoch nicht ausreichend. Er würde zu einem
über alle Grenzen strebenden Wachstum führen. In
Wirklichkeit ist jedoch der Lebensraum und das Futterangebot für
die Hasen beschränkt. Es gibt also eine bestimmte
Populationsgröße, die gerade noch vom Lebensraum
verkraftet wird. Diese kann man gleich 100% also gleich 1 setzen. Das
Wachstum der Population muss auch von der Differenz zwischen der
maximalen verträglichen Populationsgröße und der
aktuellen Population abhängen:
~
.
Fließt dieser Zusammenhang proportional ein, so erhält man
die logistische Gleichung, die von einem Parameter r ,
der andere proportionale Einflußfaktoren zusammenfasst,
abhängt.
Die logistische Gleichung diente als Kernstück
eines Modells für Populationsdynamik, das auf den belgischen
Mathematiker Verhulst um 1845 zurückgeht (1). Sie wird allgemein
zur Beschreibung von Wachstumsprozessen in Natur und Ökonomie
verwendet. Sie erlaubt es, beispielsweise aus der aktuellen
Population die Population im nächsten Jahr zu bestimmen oder
analog im ökonomischen Wachstumsprozess den Zuwachs an Werten zu
bemessen.
Sensitivität,
Ljapunov-Exponent
Mischungseigenschaft,
ergodische Bahn
Ergodische
Bahn bei r = 4
Attraktor
bei r = 2
r =
3
2-periodischer
Zyklus bei r = 3.1
4er
Zyklus bei r = 3.5
Feigenbaum-Diagramm
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Sensitivität, Ljapunov-Exponent
In der folgenden
Graphik, die durch die Prozedur logistischeGleichung
erzeugt wurde, ist das
Verhalten der logistischen Gleichung abgebildet für r = 4 und
den Anfangswert x0 = 0.2050.
>
logistischeGleichung(4,0.2050,0.2051,70,1);
Diese Folge von
Werten sieht ja schon recht chaotisch aus. Leider reicht diese
gefühlsmäßige Bestimmung von Chaos nicht aus, denn es
könnte ja auch ein Signal bestehend aus einer Vielzahl
überlagerter periodischer Signalen sein. Eine erste Eigenschaft,
die auf chaotisches Verhalten hinweist, ist die Sensitivität
von den Anfangsbedingungen. Dies bedeutet, dass kleinste
Abweichungen des Startwertes
zu einem völlig anderen Iterationsverlauf
führen (siehe folgendes Bild, wo für einen geringfügig
anderen Startwert iteriert wird). Die Differenz zwischen den
jeweiligen Iterationswerten
steigt sehr schnell an und erreicht nahezu
explosionsartig Werte in der Größenordnung der Zeitreihen,
also im Fall der logistischen Gleichung den Bereich von 0 bis 1, wie
im darauf folgenden Bild zu sehen ist.
>
logistischeGleichung(4,0.2050,0.2051,70,2);
> logistischeGleichung(4,0.2050,0.2051,70,3);
Wenn Sensitivität
vorliegt, so wird jede noch so kleine Differenz, die geringfügiste
Abweichung, jeder kleinste Fehler verstärkt. Sensitivität
allein ist allerdings noch kein hinreichendes Kriterium für
chaotisches Verhalten. Man kann sich eine Iterationsvorschrift
vorstellen, die sensitiv ist, aber auf keinen Fall chaotisch, z.B.
die lineare Abbildung:
.
Hier wird bei n Schritten
eine kleine Abweichung e zur
Gesamtabweichung
verstärkt.
Die lineare Abbildung
ist somit sensitiv, aber, wie leicht einzusehen, nicht chaotisch.
Etwas strenger formuliert ist damit die Sensitivität von den
Anfangsbedingungen ein notwendiges, aber nicht hinreichendes
Kriterium für ein chaotisches System. Wie bereits oben
angedeutet wurde, muss die Abweichung so verstärkt werden, dass
die nach mehreren Iterationen vorliegende Unterschied in die
Größenordnung der Zeitreihe kommt. Das bedeutet, dass
nicht die absolute, sondern die relative Abweichung in Bezug auf den
eigentlichen Wert betrachtet werden muss.
Für die lineare
Abbildung ergibt sich folgendes Bild:
Startwert:
Abweichung beim Start:
absolute Abweichung nach n Iterationen:
relative Abweichung nach n Iterationen:
Wachstum der absoluten Abweichung:
Es wird erkennbar, dass diese lineare
Abbildung nach beliebig vielen Iterationen immer das gleiche
Verhältnis zwischen Abweichung und eigentlichem Wert
, also die gleiche relative Abweichung
hat.
Im Gegensatz zu diesem überschaubaren Verhalten
steht die logistische Gleichung. Hier wächst nicht nur die
absolute, sondern auch die relative Abweichung. Ein so einfacher
Zusammenhang wie bei der linearen Abbildung existiert offensichtlich
nicht. Trotzdem möchte man die Geschwindigkeit, mit der kleinste
Fehler anwachsen, nicht nur qualitativ sondern auch qualitativ
erfassen. Um dies zu erreichen wird eine weiterer wichtiger Begriff
der Chaostheorie eingeführt: der Ljapunov-Exponent
.
Der Ljapunov-Exponent dient als Maß
für das durchschnittliche Wachstum unendlich kleiner
Abweichungen in der Umgebung des Startwertes
.
In Bild 3.3 ist
erkennbar, dass die Abweichung der logistischen Iteration bei sehr
kleinen Werten relativ gezügelt zunimmt und erst nach und nach
die Größenordnung der eigentlichen Zeitreihen erreicht. In
diesem Anfangsbereich wird eine Analogie zur linearen Abbildung
verwendet. Die oben angegebene Gleichung für das Wachstum der
absoluten Abweichung bei der linearen Abbildung
wird umgeformt zu:
oder:
Der Größe
=
=
ist der Ljapunov-Exponent, allerdings für
die lineare Abbildung. Empirisch und mit Wertetabellen lässt
sich der Ljapunov-Exponent auch für die logistische Gleichung
bei r = 4 auf ungefähr 0.7 bestimmen.
Mischungseigenschaft, ergodische Bahn
Neben der
Sensitivität von den Anfangsbedingungen, die durch den
Ljapunov-Exponenten quantifiziert wird, gibt es weitere Eigenschaften
chaotischer Systeme, die ebenfalls am Beispiel der logistischen
Gleichung besprochen werden. Eine davon ist die
Mischungseigenschaft .
Um
diese Eigenschaft zu beschreiben, verwenden wir zur graphischen
Iteration die Prozedur Iteriere2
, die unter dem Thema
"Iterationsverfahren
- Von Newton bis Feigenbaum" erläutert
wird. Eine kurze Erklärung sei hier angeführt: Zunächst
wird eine Ursprungsgerade mit der Steigung 1 und der Graph der
logistischen Gleichung eingezeichnet. Dann kann mit der graphischen
Iteration begonnen werden. Dazu wählt man einen Startwert
zwischen 0 und 1. Nun wird von der Abszisse her
kommend eine Parallele zur Ordinate im Abstand des Startwertes
gezeichnet. Der Ordinatenwert des Schnittpunkts der Parallele mit der
Parabel der logistischen Gleichung ist der Wert
.
Nun kommt der
entscheidende Punkt: Bei der numerischen Iteration würde der
Wert
für
eingesetzt werden, was hier auf graphische Art
und Weise geschieht. Die Winkelhalbierende besteht genau aus den
Punkten, an denen der Ordinaten- und der Abszissenwert gleich sind.
Man kann deshalb den erhaltenen Ordinatenwert über die
Winkelhalbierende wieder auf Abszissenwerte projizieren. Und wieder
den Schnittpunkt der neuen Parallelen zur Ordinaten mit der Parabel
bestimmen, usw.
> f:=x->2.6*x*(1-x);
> Iteriere2(f,0.2,10);
Einem aufmerksamen
Leser wird aufgefallen sein, dass hier erstmals für r
ein anderer Wert gewählt wurde. Weiter
unten wird auf die Bedeutung des Parameters r für
das Verhalten der logistischen Gleichung näher eingegangen.
Durch die graphische Darstellung einer Iteration kann das Verhalten
einer Abbildungsgleichung wesentlich besser verstanden werden. Im
folgenden wird mit dieser Methode die Mischungseigenschaft
bzw. der Begriff ergodische Bahn
beschrieben.
Mischen bedeutet, dass von
jedem auch noch so kleinen Intervall auf der Abszisse aus jedes
andere Intervall durch Iteration erreicht werden kann. Ein Vergleich
aus dem Alltag bietet sich an: das Salzen von Suppen oder das Kneten
von Teig. Beim Salzen eines Gerichts wird das Salz zunächst in
einem kleinen Bereich (=Intervall) auf die Oberfläche
aufgebracht. Durch Umrühren, was in unserem Beispiel mehreren
Iterationen entspricht, wird das Salz jedoch in der ganzen Suppe
verteilt. Es gibt damit kein Intervall mehr, das kein Salz
enthält.
Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Diese Aussage
bedeutet nicht, dass von jedem Punkt aus jeder andere Punkt im
Einheitsintervall erreicht werden kann. Es gibt Punkte, die zu einer
periodischen Iteration führen: früher oder später wird
wieder der Startpunkt erreicht. Diese Punkte sind über das
gesamte Einheitsintervall verstreut und liegen unendlich dicht. Man
kann somit in jedem auch noch so kleinen Intervall Punkte finden, die
zu sogenannten ergodischen Bahnen führen, als auch solche, die
Periodizität hervorrufen. Dabei gibt es ein Problem, wenn diese
Periodizität mit dem Computer simuliert werden soll. Da die
logistische Gleichung für r = 4 sensitiv bezüglich der
Anfangsbedingunen ist, wird jede auch noch so kleine Abweichung zu
einem völlig anderen Verlauf führen. Da Computer nur eine
endlichen Anzahl von Stellen einer Zahl darstellen können
entsteht immer ein Fehler und damit eine völlig andere Bahn.
Eine Periodizität kann somit sich nicht ausbilden. Dies deutet
bereits auf die großen Schwierigkeiten hin, die durch die
numerische Berechnung von Modellen für die (chaotische)
Wirklichkeit hervorgerufen werden. Diese Probleme werden weiter unten
besprochen.
Im folgenden Bild
ist ersichtlich, wie von jedem nicht zu kleinen Intervall jedes
andere Intervall erreicht wird und das Einheitsintervall durch die
ergodische Bahn dicht ausgefüllt wird. Da hier nur 100
Iterationen durchgeführt wurden, werden nicht alle Punkte
erreicht. Durch Erhöhung der Anzahl der Iterationen kann sich
jedem Punkt beliebig genähert werden.
>
f:=x->4*x*(1-x);
>
Iteriere2(f, 0.7, 100);

Bisher wurde die
logistische Gleichung nur für den Parameter r = 4 betrachtet.
Für diesen Parameterwert erhält man Sensitivität von
den Anfangsbedingungen, ergodische Bahnen, Mischungsverhalten und
periodische Punkte, eben Anzeichen für chaotisches Verhalten.
Wie ist jedoch das Verhalten für andere Parameter?
Wird die zeitliche
Abfolge der Iterationen der logistischen Gleichung für r = 2
(folgende Graphiken, logistischeGleichung
) betrachtet, so zeigt
sich ein gänzlich anderes Verhalten als bei r = 4.
>
logistischeGleichung(2,0.2050,0.2051,70,0);
Es ist zu erkennen,
dass die Zeitreihen sich wenig chaotisch verhalten. Bereits nach
wenigen Iterationen ist die Abweichung zwischen beiden Zeitreihen
praktisch gleich Null, ganz im Gegensatz also zu dem Verhalten bei r
= 4, wo es zu einer drastischen Verstärkung der Abweichung kam.
Es liegt also in diesem Beispiel keine Sensitivität vor, im
Gegenteil: Kleine Abweichungen spielen keine Rolle und werden
abgeschwächt. Das Verhalten der logistischen Gleichung für
r = 2 soll nun auch mit Hilfe der graphischen Iteration betrachtet
werden. Im folgenden Bild ist der Iterationsverlauf für den
Startwert 0.7 und mit 100 Iterationen dargestellt. Die Graphik steht
im krassen Gegensatz zu der graphischen Iteration für r=4 (siehe
oben), wo die Bahn für die gleiche Anzahl Iterationen das
Einheitsintervall nahezu vollständig ausfüllt.
>
f:=x->2*x*(1-x);
>
Iteriere2(f,0.7,10);
> f:=x->2*x*(1-x);
> Iteriere2(f, 0.1, 20);
In den beiden obigen Bildern zeigt sich, dass für beide Startwerte der gleiche Punkt, nämlich (0.5; 0.5) die Bahnen magisch anzieht und festhält. Tatsächlich gilt dies für alle Startwerte zwischen 0 und 1. Man nennt einen solchen Punkt Attraktor . Im speziellen Fall von r = 2 handelt sich sogar um einen superattraktiven Attraktor, der von jeder Stelle aus auf direktem Weg "angefahren" wird. Worauf bereits jetzt hingewiesen werden kann, ist die erstaunliche Tatsache, dass ein und dieselbe Gleichung oder Iterationsvorschrift durch die Änderung eines Parameter ein gänzlich anderes Verhalten zeigen kann . Man kann also davon ausgehen, dass Systeme nicht entweder chaotisch oder nicht-chaotisch sind, sondern dass dies von bestimmten Parametern abhängt, die sich durchaus ändern können. Stabiles nicht-chaotisches Verhalten kann damit plötzlich in chaotisches umschlagen, je nach Parameterwerten.
Wird ein weiterer
Parameter gewählt, z.B. r = 3, so tritt ein ähnliches
Verhalten wie bei r = 2 auf: Es tritt keine Sensitivität auf,
statt dessen wird die Bahn durch einen Attraktor beeinflusst, es
kommt zu keinen ergodischen Bahnen, keinem Mischen, keinem
chaotischen Verhalten (siehe folgendes Bild).
>
f:=x->3*x*(1-x);
>
Iteriere2(f,0.7,50);
Anscheinend dauert es jedoch viel länger als bei r = 2 bis der Attraktor erreicht ist. Dies zeigt sich dadurch, dass die Bahn sich dem Attraktor in immer engeren Schleifen nähert und nach 100 Iterationen immer noch nicht den Attraktor erreicht hat. Die Bahn nähert sich jedoch dem Attraktor für eine größere Anzahl Iterationen beliebig nahe. Es ergibt sich bei zunehmend größer werdendem Parameter r > 2, dass das Verhalten instabiler wird, mehr Iterationen notwendig werden, um den Attraktor zu erreichen. Bei r = 4 zeigte sich chaotisches Verhalten bei r = 3 noch nicht. Die Grenze zwischen Chaos und Ordnung muss somit zwischen 3 und 4 liegen.
2-periodischer Zyklus bei r=3.1
Ein weiterer Schritt
in Richtung Chaos: die Iteration für r = 3.1 zeigt folgendes
Bild:
> f:=x->3.1*x*(1-x);
> Iteriere2(f, 0.4, 100);

Diese Graphik
überrascht mit einem gänzlich anderen Verhalten der Bahn
gegenüber r = 3. Die Bahn wird nicht von einem Punkt angezogen,
sondern von einem periodischen Zyklus. Es tritt somit die
Notwendigkeit auf, den Begriff des Attraktors, den wir bei der
logistischen Gleichung bisher nur auf einen Punkt bezogen haben,
auszuweiten auf andere Strukturen. Zum besseren Verständnis
zeigen die folgenden Bilder die Zeitreihen und die Abweichung
zwischen zwei Startwerten für die ersten 70 Iterationen:
> logistischeGleichung(3.1,0.40,0.43,70,0);
Das Pendeln zwischen
zwei konstanten Werten ist deutlich zu erkennen. Ersichtlich wird
auch, dass die doch recht große Abweichung zwischen den beiden
Werten verschwindet. Es kann folgendes für r = 3.1 festgehalten
werden: keine Sensitivität, keine Durchmischung, kein
chaotisches Verhalten. Als Attraktor tritt ein periodischer Zyklus
auf. Es gibt im Gegensatz zu r < 3 keinen einzelnen Endwert, der
sich nach mehr oder weniger Iterationen einstellt, sondern zwei
Endwerte, zwischen denen der Wert für
hin- und herpendelt. Der Zyklus ist somit
2-(Iterationen-)periodisch .
Ein letzter
empirischer Vorstoß mit r = 3.5 ergibt die folgenden beiden
Graphiken.
> f:=x->3.5*x*(1-x);
> Iteriere2(f,0.4,100);

> logistischeGleichung(3.5,0.40,0.43,70,1);
Den 4-er Zyklus, der sich einstellt, ist leicht zu entdecken. Es handelt sich hierbei also um ein periodisches Verhalten mit doppel so großer Periodizität, wie bei r = 3.1. Nach all diesen Blindschüssen mit relativ beliebig ausgewählten Parametern drängt sich die Frage auf, ob diese Effekte für alle denkbaren Parameter zwischen 1 und 4 denn nicht auf andere Art und Weise ermittelt und dargestellt werden können. Anbieten würde sich ein Endzustandsdiagramm, das die Punkte enthält, die bei einem bestimmten Parameter entweder stabil oder in periodischer Folge erreicht werden. Es werden dabei die Endzustandspunkte über dem Parameter r abgetragen. Für r = 2 erhält man z.B. nur einen Punkt, bei r = 3.1 zwei und bei r = 3.5 vier Punkte, die über der r-Achse abgetragen werden.
Das unten angegebene
Bild zeigt dieses Endzustandsdiagramm, das auch als
Feigenbaumdiagramm bezeichnet wird. Es fasst die grundlegenden
Arbeiten des Physikers Mitcchell Feigenbaum zusammen (1) und wurde zu
einem der Symbole für den Fortschritt der Erkenntnis durch die
Chaostheorie.
> f:=x->a*x*(1-x);
> Feigenbaum(f,1,3.7,.01);
Im Feigenbaumdiagramm sind die hier ausgeführten Beobachtungen zusammengefasst. Es zeigt, dass für alle Parameter kleiner 1 der Nullpunkt einen Attraktor darstellt. Liegt der Parameter dagegen zwischen 1 und dem sogenannten Feigenbaum-Punkt bei r = 3.5699456... (1), so tritt Periodenverdopplung auf: wenn der Parameter r größer wird, so verdoppelt sich die Periodizität immer weiter: 1-, 2-, 4-, 8- , usw - periodisch ist dann der Endzustandszyklus. Man bezeichnet diese Periodenverdoppelung als Bifurkation, also eine Gabelung in jeweils zwei Äste. Wird der Parameter größer als der Abszissenabschnitt des Feigenbaum-Punktes, so tritt Chaos auf, das jedoch interessanterweise von Bereichen der Ordnung unterbrochen wird. Dieses Phänomen zeigt sich im Diagramm an den schwarz-weißen streifigen Strukturen. Das Feigenbaum-Diagramm stellt eine fraktale Struktur dar. Auf Fraktale soll in dieser Ausarbeitung nicht eingegangen. Der interessierte Leser sei auf das Kapitel Fraktale verwiesen.