Kapitel 17
> Quantifizierung der Myokardperfusion mit der Magnetresonanztomographie

Fallbeispiel 2: Patient mit unklarem Thoraxschmerz
1 | 2 | 3 | 4
Zurück zur Übersicht
MRT-Funktionsuntersuchung (Cine) und MRT-First-pass-Untersuchung eines 58-jährigen Patienten mit bekannter Hypercholesterinämie. Die Hospitalisierung des Patienten erfolgte aufgrund von Thoraxschmerzen. Bei Aufnahme war Troponin T erhöht. Die anschließende Angiographie zeigte lediglich eine geringe (< 30 %) Lumeneinengung der LAD mit diffuser Gefäßsklerose bei ansonsten unauffälligem Befund der übrigen Koronargefäße und guter linksventrikulärer Funktion in der Ventrikulographie. Die Differentialdiagnosen nach invasiver Diagnostik lauteten: akutes koronares Syndrom mit Spontanlyse, Mikrozirkulationsstörung, Koronarspasmus oder nichtkardiale Ursache der Beschwerden. Die im Verlauf durchgeführte MRT-Untersuchung des Patienten zeigte eine regionale Wandbewegungsstörung und eine eingeschränkte Wanddickenzunahme im posterioren Septum. Hier wird auch eine verminderte subendokardiale Signalintensität vor allem unter adenosininduzierter Hyperämie beobachtet. Die quantitative Analyse der First-pass-Studie zeigte mit 3,2 eine normale Perfusionsreserve im Septum, die im Vergleich zur lateralen Wand (4,2) aber relativ vermindert war. Die Flussindizes im Septum waren im Vergleich zur Lateralwand in Ruhe und unter Hyperämie gering, d.h. um 15-20 % vermindert. Das endo-/epikardiale Blutflussverhältnis im Septum war ebenfalls im Vergleich zur Lateralwand (1,3) relativ erniedrigt (1,0). Der mit der MRT erhobene Befund mit geringer regionaler Wandbewegungsstörung und lediglich minimal eingeschränkter Perfusionsreserve schränkt die Differentialdiagnosen des Patienten weiter ein. In der Zusammenschau von Klinik, Angiographie und MRT-Befunden ist die Diagnose eines abgelaufenen koronaren Syndroms mit Reperfusion und myokardialem Stunning nach spontaner Rekanalisation wahrscheinlich. Darauf weisen auch die nahezu normalen Flussgeschwindigkeiten bei fortbestehender regionaler Wandbewegungsstörung hin. Die qualitativ nachweisbare regionale Perfusionsminderung lässt auf eine regionale Mikrozirkulationsstörung schließen. Eine globale mikrozirkulatorische Dysfunktion ist bei diesem Patienten bei insgesamt normaler Perfusionsreserve jedoch unwahrscheinlich.