Lösung der Aufgabe 7.14



Die Differentialgleichung für die Feldkomponente (Kap. 7.2.3.2) einer TM-Welle lautet in Zylinderkoordinaten


mit


Die andere Feldkomponenten sind durch




zu berechnen. Die Zeitabhängigkeit aller Feldkomponenten ist


Zur Lösung der Differentialgleichung macht man den Separationsansatz


und erhält die Lösung


bzw. eine entsprechende reelle Funktion für den Winkelanteil. Die gewöhnliche Differentialgleichung für die Radialfunktion


ist die Differentialgleichung der Besselfunktionen mit ganzzahligen Index (Math.Kap. 4.4.2). Die im Innern des Zylinders reguläre Lösung ist


Die Randbedingung erfordert


Die zulässigen Werte für die Konstante werden durch die Nullstellen der Besselfunktionen (bei vorgegebenem Radius) bestimmt. Die erste Nullstelle der Funktion führt auf die Relation


für das Quadrat der `Wellenzahl`. Ist negativ, also imaginär, so entspricht die Welle mit einer exponentiell gedämpften Welle, die sich in dem Hohlleiter infolge der Dämpfung nur über eine kurze Strecke ausbreitet. Derartige Wellen werden als `cut-off`-Moden bezeichnet. Wellen, die sich in dem Hohlleiter `unbegrenzt` ausbreiten, müssen eine Frequenz haben, die größer als die Grenzfrequenz ist. Aus folgt für das obige Beispiel


Berücksichtigt man die Nullstellen der Besselfunktionen mit höherem Index




etc., so findet man entsprechende Grenzfrequenzen.

Abbildung 0.1: Dispersionsrelationen der TM-Moden


In der Darstellung (Abb. 0.1) ist mit aufgetragen. Man erkennt, dass für jeden Frequenzwert nur eine endliche Zahl von Moden existiert. Betrachtet man z.B. die reelle Form der Lösung


so findet man




Die entsprechenden Komponenten und des Magnetfeldes unterscheiden sich gemäß




nur um einen Faktor. Für die TE-Moden ist die grundliegende Differentialgleichung


zu diskutieren. Der Radialanteil in


ist der gleiche wie für die TM-Mode


Die Randbedingung lautet letztlich


Für die Mode mit ist z.B.


Die Grenzfrequenz folgt hier aus der ersten Nullstelle von


zu


Diese Grenzfrequenz liegt oberhalb der niedrigsten Grenzfrequenz der TM-Moden. Die Dispersionsrelation der Hohlleiterwelle (Vakuum) kann in der Form


geschrieben werden. Aus den Definitionen (für den Fall einer monochromatischen Welle)
für die Phasengeschwindigkeit
für die Gruppengeschwindigkeit
gewinnt man die Aussagen: Die Phasengeschwindigkeit ist


Sie ist größer als die Lichtgeschwindigkeit. Da sie keine Propagation eines Signals beschreibt, ist dies kein Widerspruch zur Relativitätstheorie. Für die Gruppengeschwindigkeit gilt




Das eigentliche Signal breitet sich mit einer Geschwindigkeit aus, die kleiner als die Lichtgeschwindigkeit ist.


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<Elektrodynamik und spezielle Relativitätstheorie, Aufgabensammlung>  R. Dreizler C. Lüdde     2005