Der Ausgangspunkt für die Diskussion solcher
Konvergenzkriterien für Zahlenreihen, ist das
Majorantenkriterium.
Dieses entspricht der Umkehrung der Argumentation, die soeben zur
Diskussion der harmonischen Reihe eingesetzt wurde. Das Kriterium lautet
Der formale Beweis, der hier nicht ausgeführt wird , ergibt sich, wenn man
die allgemeinen Konvergenzkriterien für Folgen auf die Betrachtung der
Folge von Partialsummen überträgt.
Die komplementäre Aussage, die zuvor benutzt wurde, lautet
Betonen sollte man noch die Bedingung für alle n
N: Eine beliebige,
aber endliche Anzahl von Termen der Reihe
darf größer (im
ersten Fall) bzw. kleiner (im zweiten Fall) sein als die
entsprechenden Terme der Vergleichsreihe.
Es ist nun möglich, für jede vorgegebene Reihe
eine geeignete
Vergleichsreihe zu suchen, deren Konvergenz/Divergenz bekannt ist.
Ökonomischer ist es jedoch, zum Vergleich einige Standardreihen
heranzuziehen, mit deren Hilfe man handlichere Kriterien gewinnen kann.
Eine geeignete Vergleichsreihe ist die geometrische Reihe
da man für diese Reihe einen expliziten Ausdruck für die Partialsummen
angeben kann. Diesen Ausdruck gewinnt man wie folgt. Es ist
Subtraktion ergibt
oder
Für
ist die Reihe divergent, für
folgt jedoch
Durch Vergleich mit der geometrischen Reihe erhält man das (für die
weitere Diskussion nützliche) Wurzelkriterium. Es lautet
Der Beweis des Kriteriums wird folgendermaßen geführt:
Man schreibt die Bedingung des Theorems in der Form
Die Partialsumme
kann durch die Beträge majorisiert werden
Man benutzt dann die Voraussetzung des Theorems zur weiteren
Majorisierung
und fasst den Zusatzterm zusammen
Im Grenzfall
folgt dann, falls
ist
Dieser Ausdruck ist endlich.
Auch in diesem Fall lautet der Kommentar: Wieder ist nur verlangt, dass alle
Terme mit
(
eine endliche Zahl) die Bedingung erfüllen.
Voraussetzung ist natürlich auch, dass alle Terme mit
endlich
sind.
In ähnlicher Weise kann man das verwandte Quotientenkriterium
beweisen. Die Formulierung ist analog, nur ist die Bedingung durch
zu ersetzen.
Die komplementäre Aussage zu dem Majorantenkriterium erlaubt es,
entsprechende Kriterien für Divergenz anzugeben
Die Anwendung dieser Kriterien führt jedoch nicht immer zum Ziel.
Sie sind unter Umständen nicht `fein` genug.
Für den Fall der Reihe für die Zahl
findet man mit dem
Quotientenkriterium
Die Reihe konvergiert also. Insbesondere gilt auch
Im Fall der harmonischen Reihe (ob alternierend oder nicht) ergibt das
Kriterium
Dies ist kleiner als 1 für
endlich, im Grenzfall
gilt jedoch
Es liegt genau der in den Kriterien ausgeschlossene Fall, dass der Quotient weder
kleiner noch größer als 1 ist, vor. Mit dem Quotientenkriterium kann man
also nicht schließen, ob die Reihe konvergent (wie die alternierende) oder
divergent (wie die direkte harmonische Reihe) ist.
Die Kriterien ergeben somit notwendige Bedingungen für
Konvergenz oder Divergenz. Sie stellen jedoch keine hinreichende Bedingung
dar.
Zu bemerken ist noch:
- 1.
- Es existieren Varianten und Verfeinerungen der Konvergenzkriterien,
für die jedoch auf die Mathematikvorlesungen verwiesen werden muss.
- 2.
- Die Konvergenzkriterien stellen kein Mittel zur Berechnung der
Summenwerte dar. Dies ist unter Umständen nach wie vor harte Arbeit.
Die Kriterien ergeben jedoch einen Hinweis, ob sich die Mühe lohnt.
< Mechanik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2003