Die erste Definition lautet
{
Beispiele für skalare Größen in der Physik sind Masse, Energie,
Temperatur etc. Ein Beispiel aus der analytischen Geometrie wäre
eine Strecke.
Die zweite Definition lautet
Ein Beispiel ist der Verschiebungsvektor. Mit der Aussage:
Geht man von einem Punkt
aus
km, liegt der Endpunkt keineswegs fest.
Der Endpunkt liegt irgendwo auf einem Kreis um
den Ausgangspunkt
. Man benötigt neben dem Zahlenwert
eine
zusätzliche Information, wie z.B. in nordöstlicher Richtung, um den
Endpunkt
eindeutig festzulegen.
Abbildung 3.1:
Verschiebungsvektor
 |
Gerichtete Strecken (und allgemeiner
Vektoren) werden durch einen Pfeil dargestellt, der Anfangspunkt und
Endpunkt verbindet (siehe Abb. 3.1). Die übliche Schreibweise für einen
Verschiebungsvektor (oder Positionsvektor) ist10
bzw. mehr kalligraphische Varianten. Eine zweite Verabredung zur Notation ist an
dieser Stelle festzuhalten. Die Länge der gerichteten Strecke (allgemein der
Betrag eines Vektors) wird in der Form
geschrieben. Beispiele für vektorielle Größen in der Physik sind Kräfte
(es spielt eine Rolle, in welcher Richtung man zieht oder schiebt), Geschwindigkeit,
Drehimpuls, elektrische oder magnetische Felder, etc.
Trotz der einfachen Definition kann man einige Feinheiten notieren. Man unterscheidet:
- Feste Vektoren, deren Anfangspunkt strikt festgelegt ist, wie z.B.
Verschiebungsvektoren, die an einem bestimmten Ort beginnen.
- Linienflüchtige Vektoren, deren Anfangspunkt entlang einer Geraden, die
durch die Richtung des Vektors festgelegt ist, verschoben werden können. Kraftvektoren
sind Beispiele für solche Vektoren, da man den Angriffspunkt z.B. durch ein `Seil`
verschieben könnte.
- Freie Vektoren können unter Beibehaltung der Richtung beliebig verschoben werden.
In der weiteren Diskussion werden (sofern nicht anders bemerkt) freie
Vektoren benutzt.
Für Vektoren kann man (zunächst in qualitativer Form)
Rechenoperationen definieren, deren Anwendungsbereich nicht auf die
theoretische Physik beschränkt ist.
Die Addition von Vektoren entspricht dem Hintereinanderausführen
von Verschiebungen. Man verschiebt ein Objekt zunächst um den Vektor
und dann um den Vektor
. Den Vektor, der den Anfangs- und den
Endpunkt dieser Vektorkette verknüpft, definiert man als den
Summenvektor und schreibt
Der Summenvektor markiert die kürzeste Verbindung zwischen diesen
beiden Punkten (Abb. 3.2a). Man kann den Summenvektor auch konstruieren,
indem man die Anfangspunkte der beiden Vektoren zusammenlegt und die Figur zu
einem Parallelogramm ergänzt (Abb. 3.2a). Die (lange) Diagonale des
Parallelogramms ist der Summenvektor. Bei dieser Konstruktion hat man die
Aussage benutzt, dass die Vektoraddition kommutativ ist
Die Addition von mehr als zwei Vektoren (Abb. 3.2b) ergibt sich
sinngemäß durch die Angabe
Benutzt wurde die Aussage: Die Vektoraddition ist assoziativ.
Abbildung 3.2:
Zur Vektoraddition
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Die Multiplikation eines Vektors mit einem Skalar
entspricht der Vorschrift: Verschiebe ein Objekt nicht um einen Vektor
,
sondern um
mal diesen Vektor. Den resultierenden Vektor mit der
Länge
und, falls die Zahl
positiv ist, der gleichen Richtung wie
schreibt man als
Ist
so bezeichnet man
als den Nullvektor
. Dies
ist, anschaulich gesprochen, ein Vektor, dessen Anfangs- und Endpunkt
zusammenfallen. Man kann die Frage stellen: Weder Länge noch Richtung,
also ein Vektor? Dieser Vektor ist aber, wie die Zahl
bei den
Rechenoperationen mit Skalaren, eine unabdingbare Größe mit der
Eigenschaft
. Ist
, so hat
die Länge
, zeigt aber in die entgegengesetzte Richtung zu
.
Rechenregeln
für die Multiplikation mit einem Skalar sind die Distributivgesetze
sowie das Assoziativgesetz
Die Subtraktion von Vektoren kann man mit Hilfe der Addition und der
Multiplikation mit
darstellen. Die Differenz zweier Vektoren ist
Man dreht den Vektor
um und addiert in gewohnter Weise. Den Differenzvektor
erhält man auch als die kurze Diagonale in dem Vektorparallelogramm, wobei
(eine nützliche Merkregel) der Endpunkt des Differenzvektors mit dem Endpunkt
von
zusammenfällt (Abb. 3.3).
Abbildung 3.3:
Subtraktion von Vektoren
 |
Es gibt zwei verschiedene Produkte eines Vektors mit einem anderen
Vektor. Das Skalarprodukt, auch inneres Produkt genannt, zweier
Vektoren entspricht, sozusagen, der Projektion eines Vektors auf den
anderen. Die Definition (und Notation) des Skalarproduktes ist
wobei
der von den beiden Vektoren eingeschlossene Winkel ist.
Die Definition beinhaltet die folgenden Operationen: Projiziere den Vektor
auf die Richtung von
. Dies ergibt den Faktor
. Mulipliziere mit dem Betrag von
.
Alternativ kann man zuerst
auf die Richtung von
projizieren und dann mit
multiplizieren (Abb. 3.4a). Mit
dieser Definition wird also
zugeordnet.
Rechenregeln für das Skalarprodukt sind
- Das Skalarprodukt ist kommutativ
Dies ist die formale Fassung der Aussage, dass es keine Rolle spielt, ob man
zuerst
auf
projiziert oder umgekehrt.
- Es gilt das Distributivgesetz
Diese Rechenregel kann man in der Ebene leicht veranschaulichen. Die Projektion des
Summenvektors setzt sich aus den Projektionen der Summanden zusammen (Abb. 3.4b).
- Es gilt ein Assoziativgesetz bezüglich der Multiplikation mit
einem Skalar
Der Definition entnimmt man weiterhin die folgenden Eigenschaften des
Skalarproduktes
- Das Skalarprodukt eines Vektors mit sich selbst ergibt das Quadrat
des Betrages
- Das Skalarprodukt hat den Wert Null
falls
oder/und
ist
oder falls
senkrecht auf
steht. In dem letzteren
Fall bezeichnet man die beiden Vektoren als orthogonal.
Abbildung 3.4:
Das Skalarprodukt
 |
Die Tatsache, dass das Skalarprodukt ein nützliches Instrument
darstellt, soll an einem trigonometrischen Beispiel, dem Kosinussatz,
erläutert werden. Der Beweis der Relation
,
die für beliebige Dreiecke gilt, ist mit elementargeometrischen
Mitteln durchaus umständlich. Mit Hilfe der Vektorrechnung
argumentiert man wie folgt: Das Dreieck kann durch ein geschlossenes
Vektorpolygon beschrieben werden (Abb. 3.5)
Daraus folgt z.B. durch Auflösung nach
und Bildung des
Skalarproduktes
Entsprechend kann man alle Varianten des Kosinussatzes (und mit ähnlichen
Mitteln weitere Sätze der Trigonometrie) gewinnen.
Abbildung 3.5:
Zum Kosinussatz
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Das Vektorprodukt, auch äußeres Produkt genannt, ordnet zwei
Vektoren einen dritten Vektor zu. Die folgende Aussage ist der Hintergrund für
die Definition des Vektorproduktes. Zwei Vektoren
im
dreidimensionalen Raum spannen ein Parallelogramm auf (Abb. 3.6a). Der
Flächeninhalt dieses Parallelogramms ist
Die Definition des Vektorproduktes mit der Notation
umfasst drei Punkte (Abb. 3.6b):
Abbildung 3.6:
Zur Definition des Vektorproduktes
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Auch für das Vektorprodukt sind einige Rechenregeln zu notieren:
- Das Vektorprodukt ist antikommutativ
Dies ist eine Betonung der Richtungsregeln, wie in Abb. 3.7 gezeigt.
- Der Definition entnimmt man direkt das Assoziativgesetz
- Es gibt ein Distributivgesetz
Der elementargeometrische Beweis dieser Regeln ist nicht schwierig, wenn
auch ein wenig umständlich.
Abbildung 3.7:
Vektorprodukt: Antikommutativität
 |
Die qualitative Form der Vektorrechnung ist für die Gewinnung von
quantitativen Resultaten nicht geeignet. So führt der Versuch, einen
Summenvektor mit Hilfe eines Lineals und eines Winkelmessers zu
bestimmen, zu nicht vertretbaren Fehlern. Aus diesem Grund ist die
Erarbeitung einer quantitativen Fassung des Vektorkalküls
unerlässlich.
< Mechanik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2003