Abbildung 7.8:
Definitions- und Wertebereich einer Funktion mit
einer komplexen Veränderlichen
bildet einen gegebenen Bereich von Punkten der komplexen Zahlenebene (Definitionsbereich)
auf einen anderen Bereich von Punkten in der komplexen Zahlenebene (Bildbereich)
ab. Zur Veranschaulichung benutzt man zweckmäßigerweise neben der
ursprünglichen -Ebene und eine explizite Bildebene ().
Einfache Beispiele sind:
Die lineare Funktion mit komplexen Konstanten .
Ist z.B.
(Abb. 7.9), so wird jeder Punkt der z-Ebene parallel
verschoben.
Die Funktion stellt die Spiegelung am Einheitskreis plus
komplexe Konjugation dar. Diese Abbildung besitzt die
Fixpunkte auf der reellen Achse (Abb. 7.11).
Abbildung 7.11:
Die quadratische Funktion bildet Punkte der z-Ebene auf eine
doppelt belegte Bildebene ab (Abb. 7.12).
Abbildung 7.12:
So werden z.B. Punkte der oberen Halbebene (wegen
) auf die gesamte w-Ebene abgebildet. Eine
entsprechende Aussage gilt für die Punkte der unteren Halbebene. Um eine
eindeutig umkehrbare Abbildung zu erhalten, benutzt man die Darstellung
der Bildfunktion auf Riemannschen Flächen.
obere Halbebene
(ohne positive reelle Achse)
volle -Ebene
untere Halbebene
(ohne negative reelle Achse)
ein zweites
Blatt der -Ebene.
Da man nach dem vollen Umlauf in der z-Ebene wieder auf dem ersten Blatt
der -Ebene landen sollte, denkt man sich die beiden Blätter der -Ebene
entlang der positiven reellen Achse aufgeschnitten und über Kreuz
zusammengefügt.
Schaut man in die Richtung der Achse, so ergibt sich das in
Abb. 7.13 dargestellte Bild.
Abbildung 7.13:
Riemannsche Flächen
Man bezeichnet diese doppelt belegte und entlang der reellen Achse zusammengefügte
-Ebene als die Riemannsche Fläche der Funktion .
Auf der Fläche ist jeder Punkt zweimal (auf dem oberen und dem
unteren Blatt) belegt, der Nullpunkt () jedoch nur einmal.
Dieser Punkt heißt Verzweigungspunkt der Fläche.
Mit der Riemannschen Konstruktion für die Funktion wird
die einfach überstrichene z-Ebene umkehrbar
eindeutig auf zwei Blätter der w-Ebene abgebildet.
Trotz der etwas komplizierten Form der Darstellung kann man
(mit Nutzen) die gesamte Analysis im Reellen auf den komplexen Fall
übertragen. Themen, die bei dieser Erweiterung anstehen würden (die aber
hier nicht abgehandelt werden), sind z.B.
Zahlenfolgen mit komplexen Gliedern und deren Konvergenz,
unendliche Reihen einschließlich Potenzreihen,
Grenzwerte von Funktionen,
Stetigkeit und Differenzierbarkeit von Funktionen.
(Vergleiche Math.Kap. 1 für entsprechende Punkte bei Funktionen von
einer reelen Veränderlichen).
So lautet z.B. die Definition der Ableitung einer komplexen Funktion an der
Stelle
(5)
Zu beachten ist dabei insbesondere, dass der Grenzpunkt von allen Seiten
angenähert werden kann. Dies führt zu einer Struktur, die sich von der Analysis
von Funktionen einer reellen Veränderlichen in einigen (wesentlichen) Punkten unterscheidet.
Es ist üblich, höhere komplexe Funktionen durch ihre Potenzreihen zu
definieren. So nennt man die Reihe
die komplexe Exponentialfunktion, da sie für reelles z die übliche
Exponentialfunktion darstellt.
Eine kleine Auswahl der Eigenschaften dieser Funktion ist:
Die Potenzreihe konvergiert für jedes absolut. Daraus gewinnt
man (durch Multiplikation der Potenzreihen und Sortieren) die Aussage
Aus dieser Formel folgt
Betrachtet man nun die Potenzreihe für und sortiert nach
Real- und Imaginärteil, so findet man
Es gilt also
Die Potenzreihe für ergibt
Aus den Aussagen für
folgt dann durch Auflösung
nach bzw.
Dies sind die Relationen, die oft bei der komplexen Darstellung von
Schwingungs- oder Wellenphänomenen benutzt werden.
Insbesondere folgt aus der Darstellung auch
Aus der Formel in Punkt 1 folgt dann
Die Exponentialfunktion ist im Komplexen eine periodische Funktion mit
der Periode .
Abbildung 7.14:
Definitions- und Wertebereich der Funktion
Dies bedeutet, dass durch diese Funktion ein Fundamentalstreifen der -
Ebene (man wählt traditionsgemäß
auf die
gesamte w-Ebene abgebildet wird (Abb. 7.14).
Zur Ergänzung dieser sehr kompakten Andeutung der Analysis im Komplexen sollte
man die Lit.liste konsultieren
< Mechanik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2003