Detail 1.1

Das Millikanexperiment zur Bestimmung der Elementarladung

Um die Elementarladung eines Elektrons zu bestimmen, hat R.A. Millikan in den Jahren von 1908 bis 1913 eine Reihe von Experimenten durchgeführt. Die Grundidee dieser Experimente war die Beobachtung und die Analyse der Bewegung von geladenen Flüssigkeitströpfchen unter dem Einfluss der Gravitation und der entgegengerichteten Kraftwirkung eines elektrischen Feldes. Frage: Welche Kräfte wirken auf die Tröpfchen?



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Es wirkt

Schwerkraft         
Reibungskraft         
Auftriebskraft         
elektrische Kraft         


Eine Flüssigkeit (Öl, Alkohol, Wasser, etc.) wurde in dem Zwischenraum zwischen den horizontalen Platten eines Plattenkondensators zerstäubt. Durch die Zerstäubung sind einige der Tröpfchen ionisiert. Die Bewegung der beleuchteten Tröpfchen unter dem Einfluss der konkurierenden Kräfte wurde mit einem Fadenmikroskop verfolgt, aus der Analyse der Bewegung (siehe unten) kann die Ladung der Tröpfchen und daraus die Elementarladung bestimmt werden.


1 Analyse des Experiments

Ein Tröpfchen wird durch die Parameter (Kugelform vorausgesetzt)

Masse , Ladung , Radius , Volumen


charakterisiert. Die an dem Teilchen angreifenden Kräfte sind:

Ist das elektrische Feld abgeschaltet, so stellt sich unter dem Einfluss der restlichen drei Kräfte nach kurzer Zeit eine Gleichgewichtssituation ein. Die Schwerkraft wird durch die Reibungskraft und den Auftrieb kompensiert


Das Teilchen sinkt dann mit einer konstanten Geschwindigkeit . Wird nun das elektrische Feld zugeschaltet, so gibt es je nach Richtung und Größe des Feldes vier mögliche Optionen für die Änderung der Tröpfchenbewegung. (Welche?)



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Das Teilchen
fällt schneller:
verlangsamt die Fallbewegung  
oder
steigt auf:  
schwebt: Kompensation aller Kräfte
reagiert nicht: Tröpfchen ist ungeladen, neutral.


Ist das elektrische Feld zugeschaltet, so wird sich wieder ein Gleichgewicht der Kräfte einstellen, das durch


beschrieben wird. Im Kräftegleichgewicht ist die Fallgeschwindigkeit konstant und hat den Betrag Auflösen der Kraftgleichung nach der Ladung des Tröpfchens ergibt




In dieser Gleichung sind die Größen bekannt. Der Tröpfchenradius und die Geschwindigkeit () müssen noch gemessen werden. Der Tröpfchenradius kann aus der Gleichgewichtsbedingung ohne Feld gewonnen werden. Es gilt




Mit dem gleichen Tröpfchen (man muss sicherstellen, dass man das Tröpfchen nicht aus dem Beobachtungsfeld verliert) ist die Fallgeschwindigkeit zu bestimmen. Wurde diese Größe gemessen, so kann man die Ladung aus der Relation




berechnen. Existiert eine kleinste Ladungsmenge , so muss die gemessene Ladung ein ganzzahliges Vielfaches dieser Elementarladung sein



2 Praktische Aspekte bei der Durchführung des Experimentes

Für die Ergebnisse einer Messreihe mit mehreren Tröpfchen (oder eine Messreihe mit einem Tröpfchen, das durch die Einwirkung von schwacher Strahlung umgeladen wurde)


muss man in der Lage sein, eindeutige ganzzahlige Teiler zu finden. Wenn trotz zahlreicher Messungen die Elementarladung nicht eindeutig bestimmt werden kann, so ist die Suche nach möglichen Fehlerquellen angesagt. Millikan war gezwungen im Verlauf seiner Versuchsreihen die folgenden Möglichkeiten zu untersuchen und gegebenenfalls zu eliminieren:
Abbildung 2: Millikans Apparatur (aus Phil. Mag., Vol. 19 (1910), S. 209)
R.A. Millikan veröffentlichte die Ergebnisse seiner Forschungen (mit stets verfeinerten Messmethoden) in den folgenden Zeitschriften (interessante Lektüre):
Philosophical Magazine, Vol. 19 (1910), S. 209,
The Physical Review, Vol. 32 (1911), S. 349,
The Physical Review, Vol. 2 (2nd series) (1913), S. 109.
Die Werte, die Millikan für die Elementarladung angibt, sind


Der heute akzeptierte Wert ist . Durch die genaue Messung der Elementarladung war es möglich, weitere Naturkonstanten, wie die Plancksche Konstante und die Avogadrozahl, genauer festzulegen. Millikan erhielt 1923 für seine Arbeiten den Nobelpreis.


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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details>  R. Dreizler C. Lüdde     2005