Detail 3.2
Das elektrische Potential eines Rotationsellipsoids
Sobald das elektrische Potential von Ladungsverteilungen mit einer
komplizierteren Geometrie zu berechnen ist, ist ein direkter
analytischer Zugang nicht mehr möglich. Optionen sind dann die
Multipolentwicklung, die oft nur für den Bereich außerhalb
der Verteilung benötigt wird, oder eine numerische Lösung der
Poisson/Laplacegleichung (bei optimaler Ausnutzung der verbleibenden
Symmetrie).
Die Multipolentwicklung einer azimutalsymmetrischen Ladungsverteilung im Außenbereich
hat die Form (Kap. 3.2, (3.18))
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(1) |
Die Entwicklungskoeffizienten sind durch
im vorliegenden Fall eines homogen geladenen Rotationsellipsoids
durch (Kap. 3.4)
gegeben.
Zur Auswertung stehen die Integrale über den Polarwinkel (setze
)
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(2) |
an. Der Parameter
wird durch die Halbachsen des prolat gewählten Ellipsoides
bestimmt
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(3) |
Für die Durchführung dieser Rechnung sind einige Formeln
bzw. Vorbereitungen nötig.
- Man benötigt die binomische Reihe
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(4) |
wobei
eine beliebige positive oder negative Zahl sein kann
(vergleiche Band1, Math.Kap. 1.31).
- Das hier auftretende binomische Symbol ist zunächst nur
für ganzzahlige Werte von
definiert
wobei die auftretenden Fakultäten durch die
-Funktion
dargestellt werden können.
Diese Definition kann infolge der Eigenschaften der
-Funktion
(Math.Kap. 4.1) auf beliebige Werte
erweitert werden
- Benötigt wird auch die Aussage
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(5) |
die aus den Eigenschaften der
-Funktionen (Math.Kap. 4.1)
folgt.
- Der Sammlung der Eigenschaften der
-Funktion entnimmt man
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(6) |
und
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(7) |
- Eines der Grundintegrale mit Legendre Polynomen
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(8) |
wird in Math.Kap. 4.3.2 hergeleitet. Man findet es auch in allen
Formelsammlungen zu dem Thema `spezielle Funktionen` .
Bei der Berechnung des Integrals (2) muss man die Fälle gerade
und ungerade Werte des Parameters
getrennt diskutieren.
Ist
ungerade (
), so kann man anmerken, dass der
Integrand in dem Integral (2)
aus dem Produkt einer geraden Funktion der Variablen
mit einer ungeraden (
) besteht. Das Integral über das
Intervall
mit diesem Integranden verschwindet
Ist
gerade (
), so ergibt die Entwicklung der Wurzel in dem
Integranden von
mit (4) bei Vertauschung der Reihenfolge der Operationen
(Summation und Integration)
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(9) |
Als erstes kann man zeigen, dass die Teilintegrale in (9)
nur von Null verschieden sind, wenn
ist. Man benutzt dazu die
Aussage, dass jede Potenz (jedes Polynom) durch eine Summe von
Legendrepolynomen ausgedrückt werden kann
wobei die Koeffizienten
bestimmt werden könnten (siehe Anh. C.1.1), doch hier nicht interessieren.
Setzt man diese Relation in (9) ein, so ergibt sich wegen der
Orthogonalität der Legendrepolynome eine Reduktion der Summe
Ist
gerade und
, so ist, wegen der Forderung
, das Integral
gleich Null. Es genügt somit für die vorliegende Rechnung nur Werte von
mit
zu betrachten.
Da
und
jeweils gerade Funktionen sind, kann das
Integrationsintervall auf
einschränken
Mit (8) ergibt sich für diese Integral
bzw. unter Verwendung von (7)
Einsetzen in (9) ergibt mit (5)
Die Substitution
ermöglicht eine Resummation (mit
(5) und (4))
Somit folgt das Ergebnis für gerade Werte von
(
)
Die Konvergenz der resultierenden Entwicklung des Potentials (1) im
Außenbereich der Ladungsverteilung (ersetze
durch die
Ellipsenparameter (3)) und benutze die Ladung
mit den ersten Termen
wird in den folgenden Abbildungen (3.1) für verschiedene Werte der Exzentrizität
illustriert und kommentiert. Die Grenzwerte
und
entsprechen
einer Kugel
und einer auf die
-Achse beschränkten (
)
linearen Ladungsverteilung der Länge
.
Abbildung 3.1:
Vergleich des Potentials: Verschiedene Werte von
a in x-y Ebene (
, ,
)
 |
(blau: ,

grün: ,
) |
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Abbildung 3.2:
Vergleich des Potentials: In z-Richtung (grün,
)
und in x-y Ebene (blau,
)
(
,
,
)
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Abbildung 3.3:
Güte der Konvergenz für
,
,
(Näherung blau)
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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details> R. Dreizler C. Lüdde
2005