Detail 5.2
Das Magnetfeld eines Ringstromes
Die Berechnung des Magnetfeldes eines von einem stationären Strom
durchflossenen Kreisrings für beliebige Raumpunkte ist eine
langwierigere Aufgabe. Hier sollen, in Ergänzung zu Buch.Kap. 5.3, die
folgenden Detailaufgaben besprochen werden:
- (a)
- Berechnung des Vektorpotentials durch Auswertung der Biot-Savart
Formel.
- (b)
- Berechnung des Magnetfeldes mittels
- (c)
- Diskussion des Magnetfeldes für große Abstände von dem
Kreisring.
- (d)
- Berechnung des Magnetfeldes mit Hilfe einer Multipolentwicklung.
(a) Das Vektorpotential
Mit den Vorgaben
- Radius des Kreisringes
.
- Kugelkoordinaten
bei einer Anordnung des Ringes
in der
-
Ebene um den Koordinatenursprung.
- Beschränkung der Berechnung auf Punkte der
-
Ebene.
Unter Ausnutzung der Zylindersymmetrie kann das Potential/Feld in
beliebigen Raumpunkten durch Rotation um die
-Achse gewonnen werden.
Abbildung 5.1:
Magnetfeld eines Stromringes: Geometrie
 |
Mit diesen Vorgaben ist letztlich nur ein Integral
für Raumpunkte mit den Koordinaten
auszuwerten (Abb. 5.1). Dieses Integral
kann mit Hilfe der Definitionen
in der Form
abgekürzt werden. Zur expliziten Auswertung ist die Substitution
mit
nützlich. Das Integral, das zur Diskussion ansteht, ist somit
Um dieses Integral zu sortieren, zieht man einen Faktor aus der
Quadratwurzel heraus
definiert den Parameter
und erhält, mit Auffächerung, das Zwischenergebnis
 |
(1) |
Man erkennt in dem ersten Integral, bis auf die nicht stimmige obere Grenze,
ein elliptisches Integral. Diese Unstimmigkeit kann jedoch korrigiert werden.
Die Integranden
in der Gleichung (1) sind Funktionen
von
d.h. es gilt
Die
Substitution
führt mit den Schritten
auf die gewünschten Grenzen für ein vollständiges elliptisches
Integral.
Das zweite Integral in (1) kann ebenfalls in ein
vollständiges elliptisches Integral übergeführt werden. Man benutzt
zu diesem Zweck die Umschreibung
und findet für den Integranden des zweiten Integrals
Zusammen mit der Umschreibung der oberen Grenzen erhält man somit für
das Integral I eine (täuschend) kompakte Darstellung
durch vollständige elliptische Integrale erster und zweiter Art. Die
Definition bzw. die Notation dieser Integrale ist (siehe
Band1, Math.Kap. 4.3.4, beachte unterschiedliche Notation:
vorzugsweise in der Physikliteratur,
in der Mathematikliteratur)
Die elliptischen Integrale entsprechen, wie angegeben, hypergeometrischen Funktionen
(siehe Math.Kap. 4.5) mit der Reihenentwicklung
oder in einer alternativen Schreibweise unter Verwendung des sogenannten Pochhammer
Symbols
Die Definition dieses Symbols ist
Das Endergebnis für das Vektorpotential lautet somit
Die auftretenden Konstanten sind
(b) Das Magnetfeld
Zu der Berechnung der magnetischen Induktion kann man kartesische oder
Kugelkoordinaten benutzen. Da das Vektorpotential in Kugelkoordinaten
vorgegeben ist
 |
(5) |
ist der Weg über diese Koordinaten der direktere. Es soll aber auch
aufgezeigt werden, wie die Rechnung in kartesischen Koordinaten
durchzuführen ist und dass man (natürlich) das gleiche Ergebnis erhält.
Da die Induktion orthogonal zu dem Vektorpotential ist, hat
das Magnetfeld eine Radial- und eine Polarwinkelkomponente. Anwendung des
Rotationsoperators in Kugelkoordinaten liefert mit der Vorgabe (5)
wobei
mit (3) durch
gegeben ist. Die Berechnung der Komponenten des
-Feldes über
die Kettenregel ist etwas mühselig. Man benötigt dazu zunächst die
Ableitung
und erhält damit
Die Ableitungen von
nach den Koordinaten liefern jeweils die zusätzlichen Faktoren
Die Ableitungen des von
und
abhängigen Vorfaktors ergeben
Diese `Zutaten` sind in die expliziten Ausdrücke für die
Komponenten des
-Feldes
einzubauen, was jedoch nicht explizit ausgeführt werden soll.
Das Koordinatendreibein der Kugelkoordinaten ist lokal angepasst.
Aus diesem Grund muss bei der Benutzung von Kugelkoordinaten `nur`
differenziert werden. Arbeitet man mit kartesischen Koordinaten, so ist eine
Vorüberlegung notwendig, da eine entsprechende Aussage für das kartesische
Koordinatendreibein nicht zutrifft.
Um das Magnetfeld in einem beliebigen Raumpunkt zu berechnen, muss man
zuerst das Vektorpotential in einem beliebigen Raumpunkt bestimmen. Dies
erfordert (siehe Abb. 5.2) eine Drehung des Koordinatensystems um einen
Winkel
um die
-Achse,
Abbildung 5.2:
Zur Berechnung des
-Feldes in kartesischen Koordinaten:Drehung
des Koordinatensystems
|
sowie (siehe Abb. 5.3) eine
entsprechende Anpassung der Radialkoordinate
und des Polarwinkels
Abbildung 5.3:
Zur Berechnung des
-Feldes in kartesischen Koordinaten:
Zerlegung des Vektors
 |
Das Vektorpotential in dem gedrehten Koordinatensystem hat in einem
beliebigen Raumpunkt (siehe Abb.5.3) sowohl eine
- als auch eine
-Komponente
wobei jede der Kugelkoordinaten durch die kartesischen Koordinaten
auszudrücken ist. Daraus gewinnt man die kartesischen Komponenten des
Magnetfeldes in der Form
Da die Komponenten von
zusammengesetzte Funktionen der
kartesischen Koordinaten sind
muss man die geforderten Ableitungen mit der Kettenregel berechnen, z.B.
Die anderen Komponenten sind
Auch diese Komponentenzerlegung des Magnetfeldes soll nicht explizit
angegeben werden.
Es soll aber noch angedeutet werden, wie man die Verbindung mit den
Resultaten für das Magnetfeld in Kugelkoordinaten herstellt. Man
setzt zu diesem Zweck die Relationen
sowie die angegebene Darstellung der kartesischen Komponenten des
-Feldes in
ein und erhält in der Tat
(c) Das Fernfeld
Das Magnetfeld des Stromringes wird, wie in dem letzten Abschnitt gesehen,
durch einen relativ undurchsichtigen Satz von Formeln für die
Feldkomponenten beschrieben. Die Resultate werden übersichtlicher, falls
der Parameter
klein genug ist, also
- für Punkte um die Ringachse mit
- für Punkte um den Koordinatenursprung, die durch
charakterisiert sind und
- für Punkte in genügend großer Entfernung von dem Ring mit
In diesem Fall benötigt man nur die Entwicklungen der elliptischen
Integrale in den niedrigsten Ordnungen, die man aus der Reihendarstellung
der hypergeometrischen Funktion ablesen kann
Für die Kombination dieser Funktionen in (3) findet man bis zu
der Ordnung
und somit für das Vektorpotential in dieser Ordnung
Die Komponenten der magnetischen Induktion, die man in dieser Näherung berechnet,
sind
Diese Ergebnisse vereinfachen sich weiterhin im Fall des Fernfeldes, in
dem man in niedrigster Ordnung in
die Näherung
benutzen kann. Damit findet man für die
-Komponente des Vektorpotentials
sowie für das
-Feld
Der Vorfaktor kann noch durch Einführung des magnetischen Momentes des
Kreisringes
vereinfacht werden.
(d) Multipolentwicklung
Ausgangspunkt ist die Relation (5.25) aus Kap. 5.24
Zu dem Kurvenintegral trägt jedoch nur die
-Komponente bei,
die zwecks Auswertung mit der Multipolentwicklung in der Form
erweitert wird. Die Multipolentwicklung der Abstandsfunktion (siehe Kap. 3.3 (3.34))
wird für die Variablenwerte
(der Ring liegt in der
-
Ebene) und
(Berechnung des Vektorpotentials in der
-
Ebene)
benötigt. Setzt man dies in die Ausgangsform für die
-Komponente
des Vektorpotentials
ein und führt die einfachen Integrationen über
und
aus,
so erhält man
wobei
bzw.
die größere bzw. kleinere der Variablen
und
darstellt. Für die noch anstehende Integration über
benutzt man die
Definition der Kugelflächenfunktionen
 |
(6) |
und bemerkt, dass
ist. Benutzt man für die Funktion
ebenfalls die
Definition (6) und sortiert die Faktoren, so verbleibt
für die Komponente des Vektorpotentials
Hier werden die Werte der zugeordneten Legendreschen Polynome an der
Stelle
benötigt. Man entnimmt zunächst Math.Kap. 4.3.3,
dass
gilt und stellt fest, so dass der zweite Term in der Klammer gleich
dem ersten ist. Notiert man noch (Es ist
, mit der Verabredung
. Siehe auch
M. Abramovitz, I. Stegun: `Handbook of Mathematical
Functions` (Dover Publications, New York, 1974))
und fasst alle Faktoren zusammen, so erhält man die Multipolentwicklung
des Vektorpotentials
die sowohl für
als auch für
eingesetzt werden kann.
Die ersten Terme dieser Entwicklung sind
bzw. explizit für den Fall
Die Konvergenz der Multipolentwicklung wird in den Abbildungen 5.4-5.6
illustriert. Um die Azimutalsymmetrie anzudeuten, wird der Winkelbereich
auf den Bereich bis
ausgedehnt.
In den drei folgenden Bildern sieht man die Variation des Vektorpotentials
mit dem Winkel
für verschiedene Werte von
. Verglichen
wird die Multipolentwicklung bis zu der Ordnung
(blau) mit der
Entwicklung bis zu der Ordnung
(schwarz).
Abbildung 5.4:
(a/r)=0.2
 |
|
Abbildung 5.5:
(a/r)=0.5
 |
|
Abbildung 5.6:
(a/r)=0.9
 |
Während für
kein wesentlicher
Unterschied besteht, wenn man bis zu der Ordnung
oder zu der Ordnung
entwickelt, unterscheiden sich die zwei Entwicklungen für
schon deutlicher an den Stellen
. Für den
extremeren Wert von
ist die Entwicklung bis zu der Ordnung
offensichtlich nicht ausreichend.
Die Feldkomponente
kann direkt berechnet werden, man muss
jedoch die zwei Fälle unterscheiden
Für die Berechnung der Feldkomponente
benötigt man noch eine
Formel für der Ableitung des zugeordneten Legendrepolynoms
die aus der Definition der Funktion
und der Differentialgleichung der Funktionen
folgt. Damit berechnet man direkt
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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details> R. Dreizler C. Lüdde
2005