Detail 7.4
Beugung
Bei der Aufbereitung des Formelapparates zur Berechnung von Beugungsmustern
sind einige kleinere mathematische Klippen zu überwinden. Diese Aufgabe wird
in den Abschnitten a. und b. in Angriff genommen. In dem letzten Abschnitt
wird das Beugungsmuster einer kreisförmigen Öffnung eingehender
diskutiert und illustriert.
(a) Berechnung der Kirchhoffschen Integraldarstellung
Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist die Gleichung (7.46) aus Kap. 7.2.4
in der die Wellenfunktion einer skalaren Welle (als Platzhalter einer
elektromagnetischen Welle) durch ein Oberflächenintegral über
die Fläche mit den beugenden Objekten dargestellt ist. Das
zusätzliche Zeitintegral wird durch die retardierte Greens Funktion
`eingeschränkt`. Die Geometrie der Problemstellung wird noch
einmal in Abb. 7.1 illustriert.
Abbildung 7.1:
Geometrie zu der Kirchhoffschen Darstellung der Beugung (
)
 |
Zur expliziten Auswertung des Zeitintegrals benötigt man einige
vorbereitende Schritte. Zuerst ist die Normalenableitung der Greenschen
Funktion zu berechnen. Diese Ableitung kann man (siehe Band1, Math.Kap. 5.2)
mit dem Gradienten verknüpfen
wobei, in der vorliegenden Situation,
den Normalenvektor in
allen Punkten der Randfläche
darstellt und für den
Gradienten die Definition
gilt. Es folgt dann (in mehr expliziter Schreibweise)
Die folgenden Ableitungen sind zu berechnen:
- Der Gradient der Abstandsfunktion wird über
und entsprechende Ausdrücke für die partiellen Ableitungen nach den
anderen Koordinaten gewonnen
- Der Gradient der inversen Abstandsfunktion ist dann
- Mit der Abkürzung
erhält man damit
wobei der zweite Term durch Anwendung der Kettenregel entsteht
(
bedeutet die Ableitung der
-Funktion nach dem
vollständigen Argument). Das Endresultat ist dann
Das Zeitintegral in (1) enthält zwei Terme, in denen die
-Funktion auftritt. In diesen wird das Zeitargument
des
zugehörigen Faktors in dem Integranden auf die retardierte Zeit
festgesetzt. Der Term, in dem die Ableitung der
-Funktion
auftritt, kann mit den folgenden Schritten behandelt werden:
substituiere
mit
Die noch ausstehende Ableitung formt man mit der Kettenregel um
bzw. da die partielle Ableitung von
nach
gleich 1 ist
Schreibt man noch die in (1) auftretende Normalenableitung
der Wellenfunktion um und setzt alle Aussagen zusammen, so erhält man
die gesuchte Kirchhoffsche Integraldarstellung
(b) Winkelintegrale für Airys Beugungsproblem
Die Auswertung des Winkelintegrals
bedarf einiger Kunstgriffe, die hier noch einmal ausführlicher
vorgestellt bzw. ausgeführt werden. Der Winkelanteil des Exponenten
wird ausgeschrieben und sortiert
Mit den Definitionen
sowie
kann man die in Kap. 7.2.3 angegebene Umformung
vornehmen. Der Vorfaktor, der im Weiteren mit
bezeichnet wird,
ist
Das aus diesen Argumenten resultierende Integral
kann infolge der Periodizität der Kosinusfunktion in dem Exponenten
noch vereinfacht werden. Man substituiert
in
und erhält
In dem letzten Integral kann man nun
substituieren
und findet
Der erste und der letzte Beitrag in (3) heben sich gegenseitig auf
und es bleibt
die Integraldarstellung (bis auf einen Faktor
) der Besselfunktion
.
(c) Das Beugungsmuster des Airyproblems
Das Beugungsmuster der kreisförmigen Öffnung (Radius
) wird (für
einen angemessenen Satz von Parameterwerten, siehe unten) durch die
Intensitätsverteilung (siehe Kap. 7.2.4, (7.51))
 |
(4) |
beschrieben. Die geometrischen Angaben, die in diese Formel eingehen,
einschließlich der Winkelkoordinaten
des
Beobachtungspunktes mit dem Radius
von der Mitte der Öffnung,
sind in Abb. 7.2 noch einmal dargestellt.
Abbildung 7.2:
Geometrie bei der Beugung an einer kreisförmigen Öffnung
 |
Beschränkt man sich auf die Betrachtung des senkrechten Einfalls des
Lichtes (
), so hängt die Größe
nur von dem
Polarwinkel
ab
und (4) reduziert sich auf
 |
(5) |
mit
. Die Verteilung ist zylindersymmetrisch in
Bezug auf die in Abb. 7.2 markierte
-Achse. In die
Verteilung (5) gehen, neben der Intensität
des einfallenden Lichtes, drei wesentliche Parameter ein:
- die Wellenlänge des Lichtes
,
- der Radius der Öffnung
und
- der Polarwinkel
.
Die Stärke der Verteilung nimmt gemäß der Kugelsymmetrie mit dem
Abstand
wie
ab.
Die Diskussion der Abhängigkeit der Verteilung von den drei Parametern
wird durch die Besselfunktion
bzw. die Funktion
geprägt. Die Funktion
kann durch die Potenzreihe (Information
über die Besselfunktionen mit ganzzahligem Index findet man in Math.Kap. 4.4.2.)
definiert werden. Diese alternierende Reihe wird jedoch der Eigenschaft
dieser Funktion, die hier besonders interessiert, nicht ganz gerecht.
Die Abb. 7.3 zeigt, dass eine oszillierende Funktion vorliegt. Die
Nulldurchgänge von
sind nur numerisch
Abbildung 7.3:
Die Funktion
 |
berechenbar. Die auf vier Stellen hinter dem Komma gerundeten Werte der
ersten fünf Nullstellen und deren Differenz sind in der Tabelle 7.1
angegeben. Man erkennt, dass die Funktion nicht streng periodisch ist. Dem
asymptotischen Verhalten der Funktion
Tabelle:
Nullstellen der Funktion
|
i |
| 1 |
| 2 |
| 3 |
| 4 |
| 5 |
 |
| 3.8317 |
| 7.0156 |
| 10.1735 |
| 13.3237 |
| 16.4706 |
 |
| 3.1839 |
| 3.1579 |
| 3.1502 |
| 3.1469 |
| |
 |
(6) |
entnimmt man die Aussage, dass sich die Differenz von benachbarten
Nullstellen allmählich der Zahl
nähert.
Die Extrema der Funktion
werden über die Ableitung
bestimmt. Die Funktion
kann, wie
, durch eine Potenzreihe
definiert werden
der Funktionsverlauf ist in Abb. 7.4 dargestellt. Die Nullstellen der
Abbildung 7.4:
Die Funktion
 |
Funktion
bzw. von
sind ebenfalls nur numerisch
zugänglich. Die Position der ersten sechs Nullstellen ist in
Tab. 7.2 zusammengestellt.
Auch im Fall der Funktion
nähert sich die Differenz der
aufeinanderfolgenden Nullstellen im asymptotischen Bereich
(siehe 6) der Zahl
.
Tabelle:
Nullstellen der Funktion
|
i |
| 1 |
| 2 |
| 3 |
| 4 |
| 5 |
| 6 |
 |
| 0.0 |
| 5.1356 |
| 8.4172 |
| 11.6198 |
| 14.7960 |
| 17.9598 |
 |
| 5.1356 |
| 3.2816 |
| 3.2026 |
| 3.1762 |
| 3.1638 |
| |
Die Nullstellen der Funktion
beschreiben Stellen mit
vollständig destruktiver Interferenz, sie markieren die dunklen
Ringe des Beugungsmusters in einer Ebene senkrecht zu der
-Achse
(oder einem entsprechenden Beobachtungsschirm). Die Extrema der Funktion,
bzw. die Nullstellen der Funktion
sind Stellen mit maximal
konstruktiver Interferenz, die als helle Ringe sichtbar werden. Die in
den Tabellen 7.1 und 7.2 angeführten Differenzwerte stellen somit
den Abstand der hellen bzw. dunklen Ringe dar.
Benutzt man einen ebenen Schirm im Abstand
von der Beugungsebene,
so wird wegen
und
das in der Ebene
registrierte Interferenzmuster durch die Funktion
beschrieben. Die Maxima bzw. die Nullstellen markieren die hellen bzw. dunklen
Ringe (mit graduellem Übergang) des Interferenzmusters um die Symmetrieachse,
die
-Achse. Der Faktor
ist in den Abbildungen 7.5 und 7.6 dargestellt
(die Winkelskala in den Abbildungen ist in rad angegeben).
Abbildung 7.5
Intensitätsverteilung bei der Beugung an einer kreisförmigen
Öffnung für
Gesamtverteilung
 |
| |
Details für den Winkelbereich
 |
|
Abbildung 7.6:
Intensitätsverteilung für
Gesamtverteilung
 |
|
|
Details für den Winkelbereich
 |
|
Diese Abbildungen zeigen, dass das Verhältnis
der relevante
Parameter für die Bestimmung des Beugungsmusters
des Systems ist. Ist die Öffnung groß im Vergleich zu der Wellenlänge
(
, Abb. 7.5), so sieht man essentiell das Abbild
des Kreises und ein sehr
gedrängtes Muster von Beugungsstrukturen. Der erste dunkle Ring erscheint
unter einem Polarwinkel von (jeweils ca.)
, der erste helle Ring unter
. Sind die beiden Parameter von der gleichen Größenordnung
(
, Abb. 7.6),
so ist der zentrale Fleck breiter und das Muster weiter
auseinander gezogen. Die Position des ersten dunklen bzw. hellen Ringes
erscheint unter Winkeln von
bzw.
. Ist die
Öffnung kleiner als die Wellenlänge, so setzt sich dieser Trend fort
(
, Abb. 7.7,
die Winkel sind hier
und
), doch
kommt man bald in einen Parameterbereich, für den die Voraussetzungen zur
Herleitung der Gleichung (4) nicht mehr zutreffen, die Resultate
also nicht das beobachtete Muster wiedergeben.
Die genannten Winkel ergeben sich aus den Relationen
Der Abstand zu den nächsten und zwischen den weiteren benachbarten Ringen
des gleichen Typs wird in guter Näherung durch
beschrieben.
Abbildung 7.7:
Intensitätsverteilung für
 |
 |
| Gesamtverteilung |
Details für den Winkelbereich
|
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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details> R. Dreizler C. Lüdde
2005