Detail 7.8
Die zentral gespeiste, dünne Antenne
Die exakte Auswertung der Relation (7.58)
in der Strahlungszone ist für das Modell der dünnen, zentral gespeisten
Antenne möglich. Mit der Vorgabe
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(1) |
reduziert sich das anstehende Raumintegral auf ein Integral in einer
Raumdimension. Neben den Einzelschritten zur Berechnung des Vektorpotentials
für dieses Modell einer Antenne wird eine einfache und direkte
Entwicklung für die Winkelverteilung der abgestrahlten Leistung sowie
die Multipolentwicklung aus Kap. 7.3.4 betrachtet.
(a) Das Vektorpotential
Der Ortsteil des Vektorpotentials in der Fernzone (vergleiche (7.57)) ist durch
gegeben. Bei der Auswertung des Integrals
ist es zweckmäßig, eine Aufspaltung des Integrationsbereiches in die
Intervalle
und
vorzunehmen
Löst man die Sinusfunktionen in den Integranden mit dem
Additionstheorem auf
so können die Integrale mit den Formeln (siehe Integraltafeln oder
leite mittels partieller Integration her)
angegeben werden. Nach dem Einsetzen der Grenzen und Sortieren kann man das
Zwischenergebnis in der Form
notieren, so dass man für das Vektorpotential
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(2) |
und daraus, wie in Kap. 7.3.5 gezeigt, für die von der Antenne abgestrahlte
Leistung pro Raumwinkel und Zeiteinheit
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(3) |
erhält.
(b) Eine einfache Entwicklung für die Leistung
Bis auf einen numerischen Faktor ist der Poyntingvektor bzw. die Leistung
durch die Funktion
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(4) |
bestimmt. Entwickelt man, unter der Voraussetzung
die Zählerfunktion nach Potenzen von
, so findet man nach einer
ersten Zusammenfassung
Aus den Termen
kann jeweils ein Faktor
ausgeklammert werden, so dass sich nach Quadrieren und
Sortieren bis zu der Ordnung
das Resultat
ergibt.
Die Resultate dieser Entwicklung werden in Abb. 7.1a
bis zu der Ordnung
für die Sequenz von
-Werten
mit dem Resultat (3)
verglichen.
Die Abb. 7.1b zeigt einen entsprechenden Vergleich bis zu der Ordnung
für die Sequenz
.
Man erkennt, dass der Fehler durch Abbruch der Entwicklungen bis zu den Werten
bzw.
relativ annehmbar ist, ab diesen Werten sich
jedoch mit wachsendem
schnell vergrößert.
Man stellt auch fest, dass die Entwicklung bis zu der Ordnung
die
exakten Werte in jedem Fall unterschätzt, die Entwicklung bis zu der
Ordnung
dagegen überschätzt.
Abbildung 7.1:
Polardiagramm des Abstrahlungsmusters für die zentral gespeiste Antenne in der Fernzone:
Vergleich der exakten Lösung (3) (durchgezogene Linie) mit der einfachen
Näherungen (unterbrochene Linie)
bis zu der Ordnung
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bis zu der Ordnung
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(c) Die Multipolentwicklung
Ausgangspunkt für die Diskussion des Abstrahlungsproblems ist die
Multipolentwicklung (7.79) des Vektorpotentials in (Kap. 7.3.4 ) in der
Strahlungszone
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mit den Koeffizienten (7.78)
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(6) |
(Beachte den Unterschied von Besselfunktion und Stromdichtevektor).
Benötigte Aussagen zu den Kugelflächen- und Besselfunktionen, sowie weitere
technische Details sind in dem Abschnitt d. zusammengestellt.
Da das Problem nun in Kugelkoordinaten formuliert werden muss, muss
man die Stromdichte (1) in diese Koordinaten umschreiben. In
Abschnitt d.1 wird gezeigt, dass die Umschreibung
der ursprünglichen Form entspricht. Die
-Funktionen
beschränken die Stromdichte auf das Intervall
der
-Achse.
Außerhalb des genannten Intervalls verschwindet die Stromdichte.
Zu berechnen ist somit
Die Integration über den Polarwinkel
führt man
zweckmäßigerweise zuerst aus und erhält
Mit den in Abschnitt d.2 angegebenen Formeln für die Kugelflächenfunktionen
und nach Integration über
folgt
für gerade (obere Zeile) bzw. ungerade Werte von
.
Das verbleibende Integral über die Radialkoordinate wird mit der
Substitution
umgeschrieben. Man findet, dass es nur von dem
Parameter
abhängt
Da die sphärischen Besselfunktionen die Struktur
haben, wobei
aufeinander abgestimmte Polynome in
sind, kann man zeigen (siehe Beispiel in Abschnitt d.4), dass man die Radialintegrale
durch den Integralsinus und den Integralkosinus
darstellen kann (
ist die Eulerkonstante
).
Da die Werte dieser Funktionen letztlich einer geeigneten Tabellierung
entnommen werden müssen, ist es angemessen die Integrale
direkt
numerisch auszuwerten. Die so gewonnenen Funktionen
sind in
Abb. 7.2 für
illustriert.
Abbildung 7.2:
Die Radialintegrale
(blau) und
(rot)
als Funktion von
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Das Endresultat für die Entwicklungskoeffizienten
liefert somit für die Multipolentwicklung des Vektorpotentials
Hier wurde benutzt, dass eine Kugelflächenfunktion mit dem Index
einem Legendrepolynom entspricht. Vergleich mit der Lösung
(2) zeigt, dass die Aussage
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(7) |
gilt.
(d) Technisches zur Multipolentwicklung
In diesem Abschnitt werden einige rechentechnische Details und die
benötigten Aussagen zu den auftretenden speziellen Funktionen
zusammengestellt.
- 1.
- Die Äquivalenz der Darstellungen der Stromdichte in kartesischen und
in Kugelkoordinaten kann man durch Vergleich der Integrale
und
nachweisen.
- 2.
- Die Definition der Kugelflächenfunktionen lautet
die der zugeordneten Legendrepolynome
Daraus folgen die Aussagen
Die einfachsten Legendrepolynome sind
- 3.
- Die Definitionen der einfachsten, hier benötigten sphärischen
Besselfunktionen sind
- 4.
- Die analytische Auswertung des Integrals
erfordert die Schritte: Die erste Sinusfunktion wird mit dem
Additionstheorem aufgelöst
die trigonometrischen Funktionen von
werden zusammengefasst und
die Integrationsvariable wird umbenannt (
)
Hier erkennt man die Definition des Integralsinus bzw. Integralkosinus
und schreibt
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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details> R. Dreizler C. Lüdde
2005