Detail 8.3
Eine allgemeinere Variante der Lorentztransformation
Die einfachste Form der Lorentztransformation liegt vor, wenn man zwei
Koordinatensysteme
und
betrachtet, die gleich orientiert sind,
zu dem Zeitpunkt
zusammenfallen
und die sich in einer der Koordinatenrichtungen (z.B. der
-Richtung)
uniform gegeneinander bewegen. Die Transformationsgleichungen sind dann
bzw. in kompakter Form für die interessanten Koordinaten
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(2) |
Trotz der eingeschränkten Form kann man anhand dieser Gleichungen alle
wesentlichen Folgerungen wie die Längenkontraktion, die Zeitdilation
etc. diskutieren.
Allgemeinere Varianten der Lorentztransformation müssen betrachtet
werden, wenn
- die Koordinatensysteme zwar gleich orientiert sind und zum
Zeitpunkt
zusammenfallen, die Relativgeschwindigkeit
jedoch beliebig ist (Abb. 8.1
mit Sicht aus verschiedenen Perspektiven)
Abbildung 8.1:
Beliebige Relativbewegung von zwei Inertialsystemen
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Ein späterer Zeitpunkt |
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oder wenn
- sowohl die relative Orientierung, als auch die relative Lage der Nullpunkte
der Koordinatensysteme zum Zeitpunkt
und die Relativgeschwindigkeit beliebig sind.
Für die erste dieser Verallgemeinerungen lauten die
Transformationsgleichungen
Die Herleitung dieser Relationen in der
- als auch in
der vollen
-Welt soll hier vorgestellt werden.
Als Vorspann zu der eigentlichen Herleitung ist die folgende Überlegung
im Rahmen der ko-/kontravarianten Formulierung nützlich: Die beiden
(gleichorientierten) Koordinatensysteme werden
zunächst so gedreht, dass die
-Richtung mit der Richtung des
Vektors
übereinstimmt. Ist die Matrix für
Raumdrehungen im Minkowskiraum
und der
Ereignisvektor in kovarianter Form
,
so wird die Drehung der Systeme
und
in der ko-/kontravarianten
Schreibweise durch
dargestellt. Die Ereignisvektoren in den zwei gedrehten Systemen sind durch eine
einfache Lorentztransformation, die durch die Matrix
dargestellt wird, verknüpft
Schließlich werden die beiden Koordinatensysteme mit der
inversen Drehmatrix
wieder in die ursprüngliche
Orientierung überführt.
Abbildung 8.2:
Darstellung der Operationen zur Herleitung der allgemeineren Lorentztransformation
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Es gilt
so dass man
erhält. Hier liest man ab, dass die Matrix
mit den
Elementen
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(4) |
die allgemeinere Lorentztransformation darstellt.
Die hier auftretenden Matrizen sind mit den Matrizen in der einfachen
Notation, die z.B. in (2) benutzt wird, in der folgenden Weise verknüpft:
- Die Transformationsmatrix
soll eine
Lorentztransformation (Raumdrehung, einfache Lorentztransformation, allgemeine
Lorentztransformation) in der einfachen Schreibweise darstellen, in der nur
kovariante Koordinaten
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(5) |
benutzt werden. Die Matrixelemente der formal korrekten und der einfachen
Transformationsgleichungen sind durch
verknüpft. Benutzt man noch die Relation
so findet man in der Tat anstelle von (5) die Aussage
Es gilt dann auch infolge von (4)
Hier kann man ablesen, dass sich in der einfachen Schreibweise die allgemeinere
Lorentztransformation in der gleichen Weise zusammensetzt wie in der formalen
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(6) |
- Zur Veranschaulichung kann man die Relation
die die Matrixelemente in der einfachen Schreibweise und der ko-/kontravarianten
Schreibweise verknüpft, in expliziter Matrixform zu notieren.
Es ist
- Trotz der unterschiedlichen Transformationsmatrizen
und
sind die vollständigen Transformationsgleichungen
gleichwertig
Im Weiteren wird die einfache Schreibweise benutzt, für die (6) gilt.
1 Zwei Raumkoordinaten, z.B.
und
Die zwei
Matrizen, die die Lorentztransformation bestimmen, sind in diesem
Fall
für die einfache Lorentztransformation und
für eine Drehung um die (nicht weiter beteiligte)
-Achse. Zur
Berechnung des Matrixproduktes kann man das Zwischenergebnis
und das Endergebnis
notieren.
Zur Interpretation dieses Resultates führt man die Multiplikation
aus und betrachtet die drei Elemente des Produktes.
- Für die Zeitkoordinate in dem System
erhält man
(entsprechend der ersten Zeile der Matrix (7))
Man erkennt in den zwei letzten Termen auf der rechten Seite dieser
Gleichung die Projektionen des Vektors
auf die
Koordinatenachsen (
) und somit das
Skalarprodukt dieses Vektors mit dem Positionsvektor
.
Man kann also zusammenfassen
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(8) |
- Die
-Komponente ist mit den Minkowskikoordinaten in dem
System
durch
verknüpft. Der erste Term der rechten Seite enthält die
-Komponente
der Relativgeschwindigkeit
. Die
restlichen Terme sortiert man in der Form
Wieder findet man bis auf den fehlenden Faktor
das
Skalarprodukt von Position und Relativgeschwindigkeit, sowie die
Projektion eines Einheitsvektors auf die
-Achse. Erweiterung mit
liefert das Resultat
- Die entsprechende Gleichung für die
-Komponente
ergibt mit einem entsprechenden Argument (ersetze
durch
)
das Ergebnis
Die Einzelgleichungen für die Raumkoordinaten in
können, wie in
(3) angegeben, in Vektorform zusammengefasst werden
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(9) |
Dieses Resultat kann folgendermaßen interpretiert werden: Die
Größe
ist die Komponente des Positionsvektors parallel zu dem Vektor der
Relativgeschwindigkeit. Die Komponente senkrecht zu der Relativgeschwindigkeit
ist
. Die
Relation (9) entspricht der vektoriellen Addition der
Transformationsgleichung für die parallele Komponente, die durch
(2) gegeben ist
und der Gleichung
die angibt, dass die senkrechte Komponente nicht transformiert wird.
Diese Argumentation besagt, dass die Transformationsgleichungen (8)
und (9) auch in der
-Welt Gültigkeit haben.
Trotzdem soll die Aufbereitung der allgemeineren Transformationsgleichung
auch für diesen Fall angedeutet werden.
2 Drei Raumkoordinaten
Zur Auswertung der Relation (6) im Minkowskiraum
(mit den Koordinaten
) benötigt man die in die vierdimensionale Welt eingebettete
Drehmatrix in Abhängigkeit von den Eulerwinkeln
Die Matrixelemente
sind in Band1, Kap. 6.3 (6.135)
aufgeführt, werden hier aber nicht im Detail benötigt. Die für
diese Diskussion relevante Information ist die Orthogonalitätsrelation
, bzw. explizit
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(10) |
Die Matrix der einfachen Lorentztransformation
ist mit der Matrix
aus Kap. 8.3.4 identisch
Die Auswertung des Matrixproduktes
ergibt
Die Transformation
kann man in der Form
notieren. Die einzelnen Elemente
haben die Form
Diese Liste kann in kompakter Form zusammengefasst
und mit der Orthogonalitätsrelation (10) vereinfacht
werden
Zur Interpretation betrachtet man auch hier die Transformationsgleichung
. Die Minkowskikoordinaten in dem
System
sind
Der Anteil
stellt die Projektion des Vektors
auf die Richtung des Vektors der Relativgeschwindigkeit
(der
-Richtung nach der Drehung der ursprünglichen Koordinatensysteme)
dar. Multipliziert man diesen Ausdruck mit
, so erhält
man das Skalarprodukt
. Die
Matrixelemente multipliziert mit dem Betrag der Relativgeschwindigkeit.
kann man als die k-te Komponente dieser Geschwindigkeit
interpretieren. Mit einer analogen Erweiterung und Umschreibung wie in
Teil a. erhält man somit
Die vektorielle Zusammenfassung des Raumanteils entspricht dem
vorherigen Resultat.
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<Elektrodynamik und Spezielle Relativitätstheorie, Details> R. Dreizler C. Lüdde
2005