3 Die trigonometrischen Funktionen
Die Fortsetzung der Kosinus- und der Sinusfunktionen ins Komplexe
wird durch die konvergenten Reihen
vermittelt. Auch für diese analytischen Funktionen kann man alle
Eigenschaften, wie die Eulerschen Formeln
die Additionstheoreme
und den daraus folgenden Formelapparat, sowie die Ableitungsformeln
etc., aus den Reihendarstellungen gewinnen. Die Periodizitätsbedingungen
führen wie im Reellen auf die Existenz eines Fundamentalbereiches
parallel zur imaginären Achse. In dem Streifen, charakterisiert durch
nehmen die komplexe Kosinus- und Sinusfunktion jeden von
verschiedenen Wert an genau zwei verschiedenen Stellen an. Die Werte
werden an genau einer Stelle des Streifen angenommen.
Da die Nullstellen der zwei Funktionen die gleichen sind wie im
Reellen (
ganzzahlig)
sind die durch diese Funktionen vermittelten Abbildungen konform,
außer an den Stellen
für den Kosinus und
für den Sinus.
Die Tangens- und die Kotangensfunktion können im Komplexen wie im
Reellen über die Kosinus- und die Sinusfunktion definiert werden
Die Eigenschaften dieser Funktionen mit komplexen Argumenten lassen sich
somit aus den Eigenschaften von
und
ableiten. So ist
- die Tangensfunktion in der gesamten
-Ebene regulär, außer an
den Stellen
, für die
ist.
- Entsprechend ist die Kotangensfunktion in der gesamten Ebene regulär,
außer für
.
Infolge der Periodizität
wählt man als Fundamentalstreifen in diesem Fall
In diesem Streifen nehmen
und
jeden von
verschiedenen Wert genau einmal an, die Werte
treten nicht auf.
Für die Ableitungen gilt wie im Reellen
Diese Ableitungen verschwinden nicht, also ist die durch die Tangens- und
die Kotangensfunktion vermittelte Abbildung an jeder Stelle, an der diese
Funktionen definiert sind, konform.
Um die Reihenentwicklung dieser Funktionen zu gewinnen, kann man auf die
Reihenentwicklung der Exponentialfunktion zurückgreifen. Man schreibt
z.B. für
(Multiplikation mit
um die Singularität bei
zu vermeiden)
setzt die Reihenentwicklung der Exponentialfunktion im Nenner ein und
wertet den Ansatz mit unbestimmten Koeffizienten
aus, indem man mit der (absolut konvergenten) Nennerreihe erweitert.
Koeffizientenvergleich liefert ein System von linearen Gleichungen
mit einem binomischen Muster
Durch konsekutive Auflösung erhält man dann die Bernoullischen Zahlen
Da alle Koeffizienten mit ungeradem Index größer als
verschwinden, findet man für die gesuchte Reihe
Die Reihe für die Tangensfunktion kann in der gleichen Weise oder
über Relationen wie
gewonnen werden. Das Resultat ist
Der Konvergenzradius dieser Reihen
entspricht den Nullstellen der Nenner in der Definition dieser Funktionen.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005