1 Laplacegleichung, zwei kartesische Koordinaten
Die Laplacegleichung in einer zweidimensionalen kartesischen Welt lautet
Man kann deren Lösung mit einem Produktansatz (auch Ansatz nach
Bernoulli genannt) versuchen
Geht man mit diesem Ansatz in die Differentialgleichung ein, so folgt
Man kann gewöhnliche Differentiationssymbole benutzen, da
und
Funktionen einer Veränderlichen sind. Multipliziert man diese Gleichung
mit
, so
erhält man
also offensichtlich eine Gleichung der Form
Diese Gleichung kann für beliebige Wertepaare
nur erfüllt
sein, wenn die einzelnen Summanden konstante Größen sind. Man
setzt also
Die Konstante
bezeichnet man als die Separationskonstante.
Mit dieser Argumention hat man aus einer partiellen Differentialgleichung zwei
gewöhnliche Differentialgleichungen gewonnen
Setzt man voraus, dass diese gewöhnlichen Differentialgleichungen für
vorgegebene Werte von
gelöst werden können
so ergeben sich die folgenden Möglichkeiten:
- (i)
- Die Differentialgleichungen sind für alle
-Werte aus einem Intervall lösbar
wobei
und
auch
bzw.
sein können.
- (ii)
- Die Differentialgleichungen sind nur für diskrete Werte von
lösbar
- (iii)
- Möglich ist auch eine Kombinationen aus (i) und (ii).
Unabhängig von der Situation bezüglich der Integrationskonstanten
muss man jedoch die folgenden Aussagen beachten: Jede Produktfunktion
ist per Konstruktion eine Lösung der partiellen Differentialgleichung.
Sie kann jedoch keine allgemeine Lösung dieser Differentialgleichung
sein, da die Separationskonstante in der ursprünglichen, partiellen
Differentialgleichung nicht auftritt. Infolge der Linearität der zur
Diskussion stehenden Differentialgleichungen kann man die allgemeine
Lösung durch Superposition der Einzellösungen ansetzen, in den
einzelnen Fällen:
- (i)
-
- (ii)
-
Man kann verifizieren, dass diese Superpositionen eine Lösung
der partiellen Differentialgleichung darstellen. So gilt z.B. im Fall (i)
Im Gegensatz zu dem Fall einer gewöhnlichen Differentialgleichung
zweiter Ordnung enthält die allgemeine Lösung einer partiellen
Differentialgleichung zweiter Ordnung beliebig viele Integrationskonstanten.
Dies ist jedoch genau der Problemstellung angepasst. In einer Raumdimension
kann man für ein Randwertproblem zwei Randwerte vorgeben. Im Fall von zwei
Raumdimensionen würde eine Randkurve vorliegen, also beliebig viele
Randpunkte. Anhand dieser Vorgabe kann man den gesamten Satz von
Integrationskonstanten
bzw.
festlegen.
Da die Separation der Laplacegleichung in der dreidimensionalen Welt immer
wieder gefragt ist, soll in den nächsten Abschnitten die Separation in
den drei gebräuchlichsten Koordinaten (kartesische, Kugel- und
Zylinderkoordinaten) angegeben werden. Die jeweilige Form des Laplaceoperators
entnimmt man dem Math.Kap. 5.2, in dem auch Hinweise auf weitere Systeme
von krummlinigen Koordinaten zu finden sind.
Auch in der dreidimensionalen Welt ist zu beachten, dass sich eine
allgemeine Lösung der ursprünglichen partiellen Differentialgleichung
erst durch Superposition der Lösungen der drei gewöhnlichen
Differentialgleichungen, die aus ihr hervorgehen, ergibt.
Die Lösung der gewöhnlichen Differentialgleichungen und die damit
verbundene Diskussion der Separationskonstanten wird entweder im
Haupttext oder in den Math.Kap. 4.2 bis 4.6 diskutiert.
Die Laplacegleichung separiert, wie unten gezeigt, in Kugelkoordinaten. Die
Tatsache, dass nicht jede partielle Differentialgleichung in allen möglichen
Koordinaten (oder überhaupt) separieren muss, kann demonstriert werden,
indem man anstelle der Laplacegleichung eine lineare, homogene Gleichung wie
betrachtet. Diese partielle Differentialgleichung ist in kartesischen,
nicht aber in Kugelkoordinaten separierbar.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005