1 Distributionen
Mit dem Konzept der Distributionen wird der übliche Funktionsbegriff der
Mathematik erweitert. Die Motivation, dieses Thema im Rahmen der Elektrodynamik
anzusprechen, ist der Wunsch, eine Punktladung durch eine Ladungsverteilung
darzustellen, unabhängig von der Frage, ob eine solche Ladung in der
Natur realisiert ist. Betrachtet man z.B. eine Punktladung
an der
Stelle
, so ergibt sich mit dem Gaußtheorem für
jede geschlossene Fläche F um die Punktladung die Aussage
Das Divergenztheorem und eine Darstellung der Punktladung durch eine
Ladungsdichte führt dann auf die Form
die für ein jeder Fläche F zugeordnetes Volumen gelten sollte. Um eine
Punktladung darzustellen, muss die Ladungsverteilung
die Bedingung erfüllen
Andererseits muss die Aussage
gelten, damit die zwei Varianten des Gaußtheorems übereinstimmen.
Offensichtlich überfordern diese Bedingungen den Funktionsbegriff. Das
mathematische Objekt, das hier angesprochen wird, ist eine spezielle
Distribution, die
-Distribution in drei Raumdimensionen, die in
vielen Bereichen der theoretischen Physik gefragt ist. Diese Distribution,
die durchweg als
-Funktion bezeichnet wird, wurde um
1930 von P.A.M. Dirac in der Frühphase der Quantenmechanik eingeführt,
die streng mathematische Fundierung der Theorie der Distributionen
durch L. Schwartz folgte erst in den Jahren 1950/51.
Man kann versuchen, die
-Funktion auf eine anschaulich
pragmatisch Weise, z.B. durch eine Grenzbetrachtung mit gewöhnlichen
Funktionen zu fassen (Math.Kap. 1.1). Es zeigt sich jedoch, dass
dieser pragmatische Zugang mit Vorsicht zu genießen ist: Man gerät
schnell in dubioses mathematisches Fahrwasser, obschon einige der Eigenschaften
der
-Funktion gewonnen werden können (Math.Kap. 1.2).
Aus diesem Grund ist es notwendig, das Programm von Schwartz, in dem
Distributionen als eine Verallgemeinerung des üblichen Funktionsbegriffes
definiert werden, zumindest in den Grundzügen, zu betrachten
(Math.Kap. 1.3). Das Kapitel wird durch eine Zusammenstellung der
Eigenschaften der
-Funktion abgerundet (Math.Kap. 1.4).
Unterabschnitte
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005