1 Die Legendreschen Polynome
Für eine Entwicklung um den regulären Punkt
genügt der
einfache Potenzreihenansatz
Geht man damit in die Differentialgleichung
ein und sortiert, so findet man die Aussage
aus der man durch Koeffizientenvergleich die Rekursionsformel
erhält. Setzt man hier
und
ein, so erhält man die Koeffizienten von zwei Potenzreihen
Da die erste Funktion gerade ist, die zweite jedoch ungerade, sind die
zwei Funktionen linear unabhängig. Durch den Potenzreihenansatz kann
man ein Fundamentalsystem von Lösungen bestimmen.
Ein Konvergenztest mit dem Quotientenkriterium (Band 1 Math.Kap. 1.3.3)
zeigt, dass die Reihen für
konvergieren, und zwar unabhängig
von dem Wert des Parameters
. Für
muss man anhand verfeinerter
Kriterien jedoch feststellen, dass die Reihen divergieren. Da die Punkte
mit
zu dem Definitionsbereich zählen und da aus
physikalischen Gründen nur endliche (und stetige) Winkelfunktionen
zulässig sind (ansonsten wäre z.B. die Berechnung der in einem
Volumen eingeschlossenen Ladung nicht möglich), gibt es nur einen
Ausweg, um Funktionen zu definieren, die für die physikalischen
Anwendungen nützlich sind. Die Separationskonstante
muss
die Form
haben, denn dann bricht die Rekursion
- für die Funktion
mit
ab, falls
gerade ist.
Diese Polynomlösung ist natürlich für
endlich. Die Rekursion
für die Funktion
bricht nicht ab, man erhält z.B.
mit der Rekursionsformel mit
für die Funktion
eine Reihe, die man zu
zusammenfassen kann. Man erkennt explizit das divergente Verhalten an
den Stellen
.
- für die Funktion
mit
ab, falls
ungerade ist.
In diesem Fall ist die Funktion
weiterhin divergent. Für
findet man z.B. anhand der Rekursion
die Reihe
In Zusammenfassung kann man somit feststellen: Zu jedem
gibt es
- eine Polynomlösung. Die Standardnomenklatur für diese Polynome ist
. Sie haben die Form
Dies sind die Legendreschen Polynome.
- Zu jeder Polynomlösung gibt es einen linear unabhängigen Partner,
der in der Standardnomenklatur mit
bezeichnet wird. Diese
Funktionen haben, wie für die einfachsten Fälle angedeutet,
die Form
Sie sind alle an den Stellen
logarithmisch divergent. Sie
werden benötigt, wenn eine allgemeine Lösung der Legendreschen
Differentialgleichung gefragt ist, für die Diskussion des
Potentialproblems der Elektrodynamik spielen sie keine direkte Rolle.
Da die Legendrepolynome zu dem Rüstzeug der theoretischen Physik
zählen, ist eine detailliertere Untersuchung ihrer Eigenschaften
unerlässlich.
An dieser Stelle muss auf die Standardformelsammlungen für die
speziellen Funktionen hingewiesen werden. Sie enthalten auch nicht alle
möglichen Formeln für alle benötigten Funktionen, doch kann man
gegebenenfalls speziellere Literaturstellen entnehmen. Diese
Formelwerke sind
- M. Abramovitz, I. Stegun: `Handbook of Mathematical
Functions` (Dover Publications, New York, 1974)
- F. Lösch ed.: `Jahnke, Emde, Lösch, Tafeln Höherer Funktionen` (Teubner, Stuttgart, 1966)
- (*)
W. Magnus, F. Oberhettinger: `Formeln und Sätze für
die speziellen Funktionen der mathematischen Physik` (Springer Verlag, Heidelberg, 1948)
- (*) I.N. Sneddon: `Spezielle Funktionen der Mathematischen Physik` (Bibliographisches Institut, Mannheim, 1961)
(Werke, die (soweit den Internet-Seiten der Verlage entnehmbar) nicht mehr
im Handel erhältlich sind, sind durch (*) markiert.)
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005