2 Eigenschaften der Deltafunktion
Einige der Eigenschaften der
-Funktion kann man mit Hilfe
der pragmatischen Definition nachweisen. Beispiele sind:
(1) Es gilt
oder in Kurzform
Die
-Funktion ist symmetrisch. Diese Eigenschaft ergibt sich aus
der Tatsache, dass die Funktion
symmetrisch in
ist und
dass diese Eigenschaft bei dem Grenzprozess nicht verloren geht.
(2) Es gilt
vorausgesetzt die Funktion
kann an der Stelle
in eine
Potenzreihe entwickelt werden. Man kann diese Eigenschaft der
-Funktion
auch folgendermaßen ausdrücken: Die
-Funktion `sieht`
nur den Wert der Funktion
an der Stelle
. Man kann also
in dem
Integral sozusagen durch
ersetzen und dann vor das Integral
ziehen. Der Beweis dieser Eigenschaft ist etwas aufwendiger. Man betrachtet der
Einfachheit wegen den Fall
und schreibt
mit der Definition
Kann die Funktion
in eine Taylorreihe um die Stelle
entwickelt
werden, so folgt
Es sind dann die Integrale
bzw. mit der Substitution
zu berechnen. Da der Integrand für ungerades
eine ungerade Funktion
ist, folgt
Für
gerade schreibt man
Das verbleibende Integral ist trivial, so dass man die Rekursionsformel
gewinnen kann. Zur Auswertung der Rekursion benötigt man (wie oben benutzt)
Setzt man nun voraus, dass die Grenzprozesse
vertauscht werden können, so folgt
Im Endeffekt lautet das Argument
Der nichttriviale Nachweis, dass die angedeuteten Grenzprozesse vertauscht werden
können, wird hier nicht ausgeführt.
(3) Es gilt
)
oder in der üblichen Kurzform
Der Beweis ergibt sich durch einfache Substitution, z.B. für
Für
gilt wegen der Symmetrie der
-Funktion
Eine alternative Definition der
-Funktion kann man mit Hilfe
der Ableitung der Stufenfunktion
angeben. Diese Funktion wird
durch die Angaben
definiert (Varianten in der Definition mit
oder
sind möglich). Das Integral
wobei
und
positive Zahlen sind, kann man mittels partieller
Integration auswerten und findet
Das Resultat entspricht der Aussage
Die Ableitung der Stufenfunktion stellt eine alternative Definition der
-Funktion dar.
Die Argumentation wird problematisch, wenn man die Formel
für die Ableitungen der
-Funktion beweisen möchte. Diese
Formel kann man durch ein mathematisch nicht ganz sauberes Argument
illustrieren, doch nicht streng beweisen. So findet man für die erste
Ableitung durch partielle Integration (deren Anwendung stückweise
stetige Funktionen voraussetzt)
und argumentiert: Der erste Term verschwindet, da
für
ist. Somit folgt wegen der Eigenschaft (2)
Wiederholt man das Argument für höhere Ableitungen, z.B. für
so entsteht die Frage, welche Bemerkung man zu
bzw.
machen kann. Entsprechendes gilt für die höheren
Ableitungen.
Versucht man den Nachweis der Relation mit den Ableitungen der
-Funktion
mittels der Grenzwertdefinition zu erbringen, so gerät man in größere
Schwierigkeiten. Der Grund ist: Nur Integrale mit Ableitungen der
-Funktion sind wohldefiniert. Die Ableitungen selbst können
nicht widerspruchsfrei definiert werden. Da für derartige Objekte der
Differentialquotient nur in dieser eingeschränkten Form (unter
einem Integralzeichen) definiert ist, können sie keine Grenzwertfunktionen
sein. Diese Unstimmigkeiten im Umgang mit der Grenzwertdefinition lassen sich
jedoch mit dem Programm von Schwartz zur Definition von verallgemeinerten
Funktionen beheben.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005