3 Die sphärischen Besselfunktionen
Die sphärischen Bessel- und Neumannfunktionen, auch Bessel-Riccati
und Neumann-Riccati Funktionen genannt, sind durch
definiert, wobei
die Werte
annimmt. Substituiert
man in der Besselschen Differentialgleichung mit
so findet man als bestimmende Differentialgleichung für die
sphärischen Besselfunktionen
Der zusätzliche Zahlenfaktor
entspricht der üblichen
Konvention.
Die Reihe (7) kann für die Funktion
in der Form
geschrieben werden, so dass man leicht erkennt, dass
ist. Die Reihe für
kann man entsprechend resummieren. Es
ist
Damit findet man für die zugehörige Neumannfunktion
Die weiteren Funktionen bestimmt man am geschicktesten über die
Rekursionsrelation (
)
 |
(8) |
die man durch direkte Umschreibung Grundrelationen
für die Besselfunktionen gewinnt. Eine Rekursionsformel zur Berechnung
der ersten Ableitungen kann man aus der zweiten Rekursion
der Grundrelationen für
herleiten. Man findet
Um die Rekursion (8) auszuwerten,
benötigt man noch
. Diese Funktion gewinnt man, ebenso
wie Funktionen mit höherem
, aus der umgeschriebenen
Symmetrierelation, die für die sphärischen Funktionen
ergibt. Daraus folgt
Weitere Auswertung der Rekursion (8) und der Symmetrie
liefert die nächsten Funktionen
Etwas allgemeiner ergibt sich die Aussage, dass die Funktionen
die Form
haben, wobei die
Polynome in
sind, die durch die
Rekursion (8)
gegeben sind. Die sphärischen Bessel- und Neumannfunktionen sind
in Abb. 4.5a und Abb. 4.5b für
dargestellt.
Abbildung 4.5:
Sphärische Besselfunktionen
 |
Aus dem Verhalten der Besselfunktionen für
, das ist
und der Auflösung der
-Funktion
findet man für das Verhalten der sphärischen Funktionen an der
Stelle
Die sphärische Besselfunktion ist an der Stelle
regulär, die
sphärische Neumannfunktion divergiert.
Die asymptotische Form, die man über eine Konturintegation in der
komplexen Ebene gewinnen kann, wird hier nur angegeben:
Vor allem bei der Diskussion von Streu- und Abstrahlungsproblemen sind
die sphärischen Hankelfunktionen, die durch
definiert sind, gefragt. Der Grund ist das asymptotische Verhalten in der
Form von ein- und auslaufenden Kugelwellen
Die folgenden zwei speziellen Funktionen zeichnen sich durch besondere
Flexibilität aus. Viele elementare und nicht so elementare Funktionen
können durch diese Funktionen dargestellt werden. Die benötigten
Eigenschaften werden ohne Beweisführung zusammengestellt, eine
eingehendere Darstellung wird in Band 3 dieser Reihe folgen.
Sie können mit den gleichen Mitteln wie im Fall der ausführlicher
diskutierten Legendre- und Besselfunktionen gewonnen werden.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005