1 Euklidische und unitäre Vektorräume endlicher Dimension
Die formale Definition eines abstrakten, linearen Vektorraumes lautet:
Eine Menge
von Elementen (Vektoren) wird als linearer Vektorraum bezeichnet, wenn
- für je zwei Elemente
eine Summe
definiert ist, die zu
gehört und
- zu jedem Element
und zu jeder Zahl (Skalar) r ein Produkt
definiert ist, das zu
gehört
und wenn die Rechenregeln
- Assoziativ- und Kommutativgesetz der Addition,
- Assoziativgesetz für die Multiplikation mit einer Skalar,
- Distributivgesetze für die Multiplikation einer Summe mit einem Skalar
und für die Multiplikation eines Vektors mit einer Summe von Skalaren,
gelten. Zusätzlich muss eine Basis des Raumes existieren, die durch
axiomatisch festgelegt ist. Anhand dieser Definitionen kann man die Differenz
zweier Vektoren und den Nullvektor (
) einführen.
Ein zentraler Begriff ist der Begriff der linearen Abhängigkeit bzw.
der linearen Unabhängigkeit. Diese Begriffe werden folgendermaßen
definiert:
Die Vektoren
sind linear
unabhängig, falls die Linearkombination
nur mit
erfüllt werden kann. Sie sind linear
abhängig, wenn in der Linearkombination wenigstens eine der Zahlen
von Null verschieden ist. Die Tatsache, dass die
erste Definition nicht unbedingt einen praktischen Weg zur Überprüfung
der linearen Unabhängigkeit eines Satzes von Vektoren darstellt, tut
der Präzission dieser Definition keinen Abbruch.
An den benannten
Satz von
Basisvektoren wurden keinerlei Voraussetzungen bezüglich
linearer Abhängigkeit gemacht. Stellt man nun fest, dass die
Maximalzahl von linear unabhängigen Vektoren in diesem Satz
ist, so
bezeichnet man einen solchen Satz von
linear unabhängigen Vektoren
(in der Mathematik formal) als Minimalbasis und
als die Dimension
des Vektorraumes. Im folgenden wird vorausgesetzt, dass die vorgegebene
Basis eine Minimalbasis ist. Die Zahlen
in (9) sind dann die
(eindeutigen) Koordinaten oder Komponenten des Vektors
(vergleiche Band 1 Math.Kap. 3).
Durch die Definition eines Skalarproduktes von zwei Vektoren
wird in dem Vektorraum eine Metrik eingeführt. Bei der Klassifizierung von
metrischen Vektorräumen unterscheidet man euklidische und
unitäre Vektorräume:
- Sind die Koordinaten reell (ist
ein Vektorraum über dem
reellen Zahlkör-per) und ist das Skalarprodukt zweier Vektoren symmetrisch
sowie das Skalarprodukt eines Vektors mit sich selbst positiv definit
so bezeichnet man den Vektorraum als euklidisch.
In derartigen Räumen ist es möglich, Längen und Winkel zu
definieren. Die Länge eines Vektors
ist
und es gelten die (leicht zu beweisenden) Ungleichungen:
- Cauchy-Schwarzsche Ungleichung:
- Dreiecksungleichung:
Der Kosinus des Winkels zwischen zwei Vektoren
und
ist
Benutzt man eine Darstellung der Vektoren in einer (Minimal-) Basis
der Dimension
, so lautet das Skalarprodukt
Im Allgemeinen gilt in einem euklidischen Raum für das Skalarprodukt
der Basisvektoren
mit einem (siehe oben) symmetrischen, positiv definiten metrischen
Tensor
. In einem euklidischen Raum ist es jedoch immer
möglich, eine Basistransformation
zu bestimmen, so dass in der neuen Basis für das Skalarprodukt der
Basisvektoren
ist. Ein solches System von Basisvektoren, in dem das Skalarprodukt von
zwei Vektoren
und
die Form
hat, wird als ein Orthonormalsystem bezeichnet. Die Koordinaten der
Vektoren in der Basis
sind mit den Koordinaten in dem System
durch
verknüpft. Die übliche Bezeichnung für einen durch eine Orthonormalbasis
der Dimension
aufgespannten euklidischen Raum im Reellen ist
.
Letztlich ist noch die Frage zu beantworten, unter welchen Basistransformationen
das Skalarprodukt invariant ist. In Matrixschreibweise
lautet die Antwort: Die Forderung (
bedeutet
Transposition)
ergibt
Transformationsmatrizen
, die diese Forderung erfüllen, nennt man
orthogonale Matrizen, die durch sie induzierte Transformationen
orthogonale Basistransformationen.
- Sind die Koordinaten komplex (ist
ein Vektorraum über dem
komplexen Zahlkörper) und ist das Skalarprodukt eine hermitesche Form,
charakterisiert durch
so bezeichnet man den Vektorraum als unitär.
Die Forderung einer hermiteschen Form bedingt die Basisdarstellung
des Skalarprodukts
der Betrag eines Vektors ist
wobei auch in diesem Fall die genannten Ungleichungen gelten. Es liegt
eine orthonormale Basis, die immer bestimmt werden kann, vor, wenn
gilt. Das Skalarprodukt in einer orthonormalen Basis
ist invariant gegenüber unitären Basistransformationen, die durch
eine Matrix
mit komplexen Koeffizienten, die die Bedingung
erfüllt, vermittelt wird. Unitäre Vektorräume (im Komplexen) mit
der Basisdimension
bezeichnet man mit
.
Der folgende Abschnitt über orthogonale krummlinige Koordinaten in drei
Raumdimensionen stellt eine Variation der obigen Diskussion im Euklidischen
Raum dar. Da die Betrachtung von Differentialformen erforderlich ist,
betrachtet man den vektoriellen Abstand von zwei infinitesimal benachbarten
Punkten
und bildet daraus das
Wegelement
im Fall einer orthonormalen Basis ist
Orthogonale krummlinige Koordinaten werden dadurch charakterisiert, dass
der metrischen Tensor in Bezug auf die zugehörigen Basisvektoren positiv
definit ist, nur diagonale Elemente besitzt, die diagonalen Elemente jedoch
von den Koordinaten abhängen
Diese Koordinatenabhängigkeit hat natürlich weitreichende
Konsequenzen.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005