2 Vektoranalysis in orthogonalen krummlinigen Koordinaten
Bei der Diskussion von vielen Problemen der theoretischen Physik ist der
Übergang zu krummlinigen Koordinaten nützlich. Dazu ist es notwendig,
alle auftretenden Größen (wie z.B. das Volumenelement) und alle
Differentialoperatoren (wie z.B. den Gradientenvektor) in diesen
Koordinaten darzustellen.
Der Ausgangspunkt ist die (umkehrbare) Transformation zwischen den
kartesischen Koordinaten
und einem beliebigen
Satz von krummlinigen Koordinaten
Basisvektoren in den krummlinigen Koordinaten können durch
Differentiation von
nach den krummlinigen Koordinaten gewonnen werden
Diese Relation stellt bei bekannter Transformation der Koordinaten die
Verknüpfung der Basisvektoren
in dem System von
krummlinigen Koordinaten mit den kartesischen Einheitsvektoren dar. Die
krummlinigen Koordinaten werden als orthogonal bezeichnet, falls
das Skalarprodukt von zwei verschiedenen Basisvektoren verschwindet
Die Skalarprodukte von Basisvektoren mit sich selbst, die Diagonalelemente
des metrischen Tensors,
werden als metrische Koeffizienten bezeichnet, in der
Standardnomenklatur
Es bietet sich natürlich an, mit normierten Basisvektoren zu arbeiten.
Diese Einheitsvektoren in den krummlinigen Koordinaten
erfüllen die üblichen Relationen
Für die Diskussion des Längenelementes, der
Oberflächenelemente und des Volumenelements in den krummlinigen
Koordinaten benötigt man die totalen Differentiale der Funktionen
Damit folgt für den infinitesimalen Abstand von zwei Punkten bzw. dessen
Quadrat
die Aussage
Diese Relation zeigt, dass infinitesimale Abstände entlang der
krummlinigen Koordinatenachsen die Form
haben. Die koordinatenabhängigen Vorfaktoren tragen der Tatsache
Rechnung, dass die krummlinigen Koordinaten nur lokal definiert sind.
Die Basisvektoren ändern ihre Richtung von Raumpunkt zu Raumpunkt
(siehe Band 1, Kap. 2.4).
Mit diesen Vorgaben findet man für ein Flächenelement auf der
-
Fläche
und für ein Volumenelement in den krummlinigen Koordinaten
Zu beachten ist, dass
einer eigenständigen Zerlegung eines
Raumbereichs entspricht und nicht volumengleich mit einem kartesischen
Volumenelement
ist. Entsprechendes gilt für die infinitesimalen Oberflächenelemente.
Das infinitesimale Volumenelement stellt ein (lokales) Spatprodukt
(Abb. 5.1)
der drei Vektoren
dar.
Abbildung 5.1:
Lokales infinitesimales Volumenelement in
krummlinigen Koordinaten
 |
Der Gradient einer Funktion
in den orthogonalen
krummlinigen Koordinaten kann in der folgenden Weise gewonnen werden.
Man betrachtet das totale Differential des Vektors
Mit dem Ansatz
für den Gradienten bildet man das totale Differential der Funktion
mittels
Auf der anderen Seite gilt für das totale Differential
Vergleich der beiden Aussagen liefert
Es ist also in formaler Notation
mit der Verabredung, dass dieser Vektoroperator auf eine skalare
Funktion
einwirkt.
Die Divergenz einer Vektorfunktion der krummlinigen Koordinaten
entspricht dem Skalarprodukt des Gradientenoperators mit dieser Funktion
In der Anwendung des Gradienten tritt die Ableitung der Einheitsvektoren
nach den Koordinaten auf
die aufgrund des nichtlokalen Charakters des krummlinigen
Koordinatensystems nicht trivial auszuwerten sind. Aus diesem Grund ist
es zweckmäßig, auf die ursprüngliche Definition des Divergenzbegriffes
zurückzugreifen (siehe Band 1, Math.Kap. 5.3.3): Der Nettofluss durch die
Oberfläche
eines infinitesimalen Volumens
geteilt durch das
Volumen
Abbildung 5.2:
Zur Berechnung des Divergenzoperators in krummlinigen
Koordinaten
 |
Das infinitesimale Volumen wird von 6 Flächen begrenzt, auf denen
jeweils
,
und
konstant ist, z.B.
und
(Abb. 5.2).
Der Nettofluss durch das Volumen setzt sich aus dem Fluss durch
gegenüberliegende Flächen zusammen. So ist der Nettofluss durch die
Flächen auf denen
konstant ist
Benutzt man für den ersten Term die Definition der partiellen Ableitung
(Band 1, Math.Kap. 4.2.2), so erhält man
Der Ausdruck in der Klammer ist der infinitesimale Fluss in der Form
`Komponente der Vektorfunktion mal Fläche`.
Entsprechende Aussagen gelten für die zwei anderen Flächenpaare, so
dass man
für den Nettofluss durch das Volumen erhält. Berücksichtigt man
noch das Volumen
so findet man
Eine andere, oft benutzte Schreibweise mit
ist
Für die Rotation einer Vektorfunktion benutzt man entsprechend die Definition
Die
-te Komponente der Rotation entspricht dem Kurvenintegral über den
Rand
einer infinitesimalen Fläche
geteilt durch diese Fläche.
Die Kurve
die in die Definition der
-ten Komponente der
Rotation eingeht, liegt in einer Fläche mit
const. Sie wird aus 4
Kurvenstücken gebildet (Abb. 5.3).
Abbildung 5.3:
Zur Berechnung des Rotationsoperators in krummlinigen
Koordinaten
 |
Es ist dann z.B. der Beitrag der zwei Kurvenstücke zu
, auf denen jeweils
konstant ist
wobei die infinitesimale Strecke zu den Punkten mit wachsendem
positiv gerechnet wird.
Der Beitrag der restlichen zwei Kurvenstücke ist
Für die 3-Komponente der Rotation erhält man somit mit
Die Herleitung der restlichen Komponenten von
folgt dem
gleichen Muster. Insgesamt erhält man
bzw. in der alternativen Notation
Eine nützliche Merkregel für die Auswertung der Rotation einer
Vektorfunktion ist auch hier die Determinantenform
Eine Darstellung des Laplaceoperators folgt dann durch Kombination der
Gradienten- und Divergenzbildung
bzw. in kompakter Form
Es ist noch anzumerken, dass diese Betrachtungen verallgemeinert werden
können.
- (i)
- Anstelle der oben angegebenen Basisvektoren
kann man
die Basisvektoren
benutzen, die senkrecht auf den Koordinatenflächen
stehen. Im Fall
von orthogonalen Koordinaten gilt (siehe Diskussion des Gradienten)
Die Basis unterscheidet sich (für orthogonale, krummlinige Koordinaten)
nur in der Normierung.
- (ii)
- Anhand der zwei möglichen Basissätze kann man auch im Fall von
orthogonalen krummlinigen Koordinaten eine ko-/kontravariante Beschreibung
benutzen (Band 1 Math.Kap. 3.1.4 und Math.Kap. 5.4).
Die Koeffizienten bei der Darstellung eines Vektors durch die
Basis
sind die kontravarianten Komponenten, die Koeffizienten bei der
Darstellung nach der Basis
sind die
kovarianten Komponenten
Es ist dann z.B.
Für die zwei wichtigsten Sätze von krummlinigen Koordinaten, Zylinder-
und Kugelkoordinaten, erhält man die folgenden Detailaussagen
Unterabschnitte
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005