1 Der Hilbertraum
Man betrachtet eine Folge von Teilräumen
wobei
ist. Für
einen Vektor
in einem Raum mit der Dimension
unendlich, kann man in den
-dimensionalen Teilräumen eine
entsprechende Folge von `Näherungen` betrachten
Der Vektor
wird auf den jeweiligen Teilraum projiziert. Für
die Angabe des `Fehlers` der
-ten Näherung benutzt man
das Betragsquadrat der Differenz von Vektor und Näherung. Es ist
explizit
bzw. in der Klammernotation
Das Resultat ergibt sich infolge der Gültigkeit des Distributivgesetzes
für das Skalarprodukt und der Tatsache, dass drei der Terme den gleichen
Beitrag liefern. Der Fehler (per Definition das Quadrat eines Abstandes)
ist immer positiv. Es gilt also
mit der Interpretation, dass der Vektor, der sich durch Projektion auf
die Teilräume ergibt, immer kürzer ist als der Vektor selbst. Diese
Aussage gilt auch in den Grenzfall
Diese Ungleichung, die Besselsche Ungleichung, ist die Basis für eine
umsetzbare Definition des Begriffes der Vollständigkeit
Man bezeichnet einen Satz von orthonormalen Basisvektoren
des
oder
, einschließlich des Falles
, als vollständig, falls die Gleichung
die Parsevalsche Gleichung, für jede Folge von Teilräumen
gilt.
Diese Aussage ist für endlich dimensionale Räume mit der
ursprünglichen Fassung der Vollständigkeit identisch. Da man mit dem
Längenbegriff argumentiert, ist sie, im Gegensatz zu dem Begriff der
linearen Unabhängigkeit, auch in dem Grenzfall
anwendbar. Man definiert im Anschluss
Jeder Vektorraum der Dimension abzählbar unendlich, in dem die
Parsevalsche Bedingung gilt, nennt man einen Hilbertraum.
Hilberträume sind also unendlich dimensionale Vektorräume, die per
Definition eine vollständige Orthonormalbasis besitzen. Die
Beschränkung auf die Formulierung `abzählbar unendlich` ergibt sich aus der Forderung, eine entsprechende, abzählbare Folge von
Teilräumen in Betracht zu ziehen.
Die abstrakte Diskussion des Hilbertraumes lässt sich z.B. in eine reale
umsetzen (man spricht dann von einer Realisierung eines Hilbertraumes),
wenn man anstelle von Basisvektoren
einen entsprechenden
Satz von (reellen oder komplexen) Funktionen
benutzt
Des weiteren ist die Umschreibung notwendig
Falls diese Basis vollständig ist, spannen die Funktionen einen
Hilbertraum auf. Der Nachweis der Vollständigkeit ist in der Praxis
nicht einfach. Er ergibt sich jedoch für viele Sätze von Funktionen
aus dem Sturm-Liouville Theorem, das in dem Band 3 besprochen werden
soll.
Ist ein Basissystem von Funktionen
vollständig, so ist
die folgende Anwendung möglich: Jede Funktion
, die über dem
gleichen Grundintervall
wie die Basisfunktionen definiert sind,
kann in einer Funktionenreihe
entwickelt werden. Die Entwicklungkoeffizienten
sind für eine
Orthonormalbasis die Skalarprodukte
Beispiele mit Funktionen einer Veränderlichen sind die Fourierreihen
mit der Basis
und die Legendrereihen mit
Diese einführende Diskussion wird im Rahmen der Diskussion der Quantenmechanik
(Band 3) vertieft.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005