1 Der Minkowskiraum
Den vier kontravarianten Basisvektoren des Minkowskiraums, die hier mit
bezeichnet werden, entspricht der metrische Tensor
Die kontravariante Zerlegung eines Vierervektors, mit der Notation
, ist
Auf die Benutzung der (durchaus praktischen) Summenvonvention
mit der Regel: `Summiere über alle Paare von gleichen hoch- und
tiefgestellten Indizes` wird verzichtet.
Infolge der
einfacheren Struktur der Metrik ist der inverse metrische Tensor
mit dem metrischen Tensor identisch
Der physikalische Hintergrund kann mit den folgenden Aussagen skizziert
werden:
Man interpretiert die Zeitkoordinate (aus Dimensionsgründen multipliziert
mit der Lichtgeschwindigkeit
) und die Ortskoordinaten
als die kovarianten Komponenten eines Vierervektors, des Ereignisvektors,
Wie in der normalen Vektorrechnung bietet sich die Kurzform
an, wobei zur Unterscheidung von Dreiervektoren (im Ortsraum)
geschweifte Klammern benutzt werden. Die kontravarianten Komponenten
des Ereignisvektors sind dann
Die Michelson-Morley Bedingung
wobei sich die Koordinaten auf zwei verschiedene Inertialsysteme (S)
(ungestrichene Koordinaten) und (S') (gestrichene Koordinaten) beziehen,
kann durch das Skalarprodukt eines Ereignisvektors mit sich selbst
dargestellt werden. Es ist
so dass die Michelson-Morley Relation
der Forderung nach der Invarianz eines Skalarproduktes, der Länge des
Ereignisvektors, bei dem Übergang von einem Inertialsystem zu einem
anderen entspricht.
Eine allgemeine, lineare Transformation im Minkowskiraum, die die
Koordinaten eines Inertialsystems
mit den Koordinaten in einem
Inertialsystem
verküpft, wird als Lorentztransformation
bezeichnet. Die Michelson-Morley Relation ist das Werkzeug mit dem
man die Frage beantwortet, welche Bedingungen die
Lorentztransformationen erfüllen müssen. Der Ansatz für eine
homogene Transformation, in der z.B. die kontravarianten Komponenten
in dem System
in die kovarianten Komponenten in den System
übergeführt werden, lautet
 |
(11) |
Alternative Ansätze, wie
 |
(12) |
gehen daraus durch Matrixmultiplikation mit dem metrischen Tensor
hervor. Diese Gleichungen für die Transformation zwischen den
kovarianten Komponenten in dem System
und den kontravarianten
Komponenten in
gewinnt man mit den Schritten
Die Transformationsmatrix mit hochgestellten Indizes ist
 |
(13) |
Fällt der Koordinatenursprung der beiden Inertialsysteme zu der Anfangszeit
nicht zusammen, so muss man die inhomogene Transformation
in Betracht ziehen. Der Vierervektor
beschreibt die Position des vierdimensionalen
Koordinatenursprungs des Systems
aus der Sicht des Systems
.
Man bezeichnet eine derartige Transformation im Minkowskiraum als
Poincarétransformation .
Setzt man die Transformationsgleichungen (11) und (12)
für die homogene Transformation (
für alle
) in die
Michelson-Morley Bedingung ein, so erhält man
Koeffizientenvergleich liefert die Aussage
ein Ergebnis, das man als die Orthogonalitätsrelation der
Lorentztransformation bezeichnet. Eine alternative Form der
Orthogonalitätsrelation gewinnt man mit den folgenden Schritten:
Ersetze
durch (13)
multipliziere mit
, summiere über
unter
Benutzung der Orthogonalitätsrelation (10) des metrischen Tensors
und erhalte
Jede Lorentztransformation muss die Orthogonalitätsrelation erfüllen.
Diese Bedingung weist die Lorentztransformationen als `orthogonale`
Transformationen im Minkowskiraum aus, die somit vierdimensionale Drehungen
und Spiegelungen beinhalten. Bei den Drehungen kann es sich um reine Raumdrehungen
ebenso wie `Drehungen`, in denen Raum- und Zeitkoordinaten gemeinsam
transformiert werden, handeln. Spiegelungen im Minkowskiraum umfassen Zeitumkehr
und Spiegelungen am räumlichen Koordinatenursprung. Die Tatsache,
dass Lorentztransformationen geometrischen Operationen in dem Minkowskiraum
entsprechen, ist der Ausgangspunkt für eine Diskussion der Lorentz-
(und Poincaré)transformationen aus der Sicht der Gruppentheorie.
(Interessenten finden Details und weitere Referenzen in
W.I. Fushchich and A.F. Nikitin, `Symmetries of Maxwell's Equations` ,
D. Reidel Publishing, Dordrecht, 1987.
Eine kompaktere, wenn auch vielleicht für den Anfänger nicht gerade zugängliche
Darstellung, findet man in den Lehrbüchern der Quantenfeldtheorie, wie z.B.
L.H. Ryder, `Quantum Field Theory` Cambridge University Press,
Cambridge, 1991.)
Die einfache Lorentztransformation,
die eine uniforme Relativbewegung gleich orientierter Inertialsysteme in
der
-Richtung beschreibt, wird durch die Transformationsmatrix
vermittelt, die Transformationen der Zeitumkehr
und der Raumspiegelung durch Transformationsmatrizen mit
Die Lorentztransformation für beliebig gegeneinander orientierte
Inertialsysteme und eine beliebige Richtung der Relativgeschwindigkeit
kann man in der folgenden Weise konstruieren:
- Drehe das ungestrichene Koordinatensystem so, dass die
-Achse parallel
zu
ist (Abb. 5.4)
Abbildung 5.4:
Illustration der Operationen zur Gewinnung einer allgemeinen
Lorentztransformation
 |
Die Drehmatrix für eine Raumdrehung hat im Minkowskiraum die Form
Die Drehmatrix
im
in der Darstellung durch die
Eulerwinkel wurde in Band 1 Kap. 6.3.5 eingeführt.
- Es ist nun eine einfache Lorentztransformation
von dem gedrehten System zu einem gestrichenen System durchzuführen
- Das System mit den Koordinaten
hat noch nicht die
korrekte Orientierung. Es muss noch so gedreht werden, dass die
-Achse mit der
-Achse zusammenfällt
- Setzt man die Transformationen zusammen, so
erhält man (in Matrixform)
Eine allgemeine Lorentztransformation setzt sich aus zwei Raumdrehungen und
einer einfachen Raum-Zeit-Drehung (in der angegebenen Reihenfolge)
zusammen.
Die Angelegenheit ist etwas übersichtlicher, wenn die beiden
Inertialsysteme gleich orientiert sind, aber eine beliebige
Relativgeschwindigkeit vorliegt. In diesem Fall ist die zweite Drehung
die Inverse zu der ersten. In Kap. 8.3 wird gezeigt, dass man für die
drei kartesischen Raumkoordinaten und die Zeitkoordinate in den beiden
Inertialsystemen die Transformationsgleichungen
erhält. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das
Hintereinanderausführen von Lorentztransformationen keine vertauschbaren
Operationen sind, es sei denn die Relativgeschwindigkeiten der zwei
Transformationen sind parallel.
Bei der Diskussion der Elektrodynamik aus der Sicht der Relativitätstheorie
spielen die Ableitungen nach den Minkowskikoordinaten in der Form des
Vierergradienten eine besondere Rolle. Zu beantworten ist die Frage, ob
der Vierergradient, der z.B. durch die Ableitungen nach den kovarianten
Koordinaten angegeben wird
ein Vierervektor ist. In diesem Fall müssen sich die Komponenten des
Vierergradienten genau wie die entsprechenden Komponenten des Ereignisvektors
transformieren.
Um die Transformationseigenschaften des Vierergradienten zu bestimmen,
betrachtet man die Wirkung dieses Operators auf ein Skalarfeld
im Minkowskiraum.
Ein solches Feld ist dadurch charakterisiert, dass es für Punkte des
Minkowskiraumes, die durch eine Lorentztransformation verknüpft
sind, den gleichen Wert hat.
Für die Ableitung eines Skalarfeldes
in Bezug auf die gestrichenen
(kovarianten) Koordinaten erhält man mit der Kettenregel
Zur Auswertung der rechten Seite dieser Gleichung benötigt man die
Ableitung der kontravarianten Koordinate in
nach der kovarianten
Koordinate in
. Man multipliziert zu diesem Zweck die
Transformationsgleichung (11) mit
und
summiert über
benutzt die Orthogonalitätsrelation der Lorentztransformation und erhält als
Umkehrung von (11)
Diese Relation liefert direkt die gewünschte partielle Ableitung. Die
resultierende Transformationsgleichung
besagt, dass sich die Ableitungen nach einer kovarianten Minkowskikoordinate
wie eine kontravariante Kooordinate (und umgekehrt) transformieren.
Eine vielbenutzte Schreibweise ist deswegen
mit den Transformationsgleichungen
Der Vierergradient ist in der Tat ein Vierervektor, in
kontravarianter Zerlegung
und in kovarianter Zerlegung
Die elektromagnetischen Felder werden durch Größen dargestellt, die
ein komplexeres Transformationsverhalten aufweisen als Vierervektoren.
Derartige Größen bezeichnet man als Tensoren (zweiter und höherer)
Stufe. Tensoren zweiter Stufe, die in Matrixschreibweise in der Form
geschrieben werden, sind dadurch
charakterisiert, dass sich deren Elemente bei dem Übergang zwischen zwei
Inertialsystemen wie
transformieren. Eine Matrix
, für die dieses
Transformationsgesetz nicht gilt, ist kein Tensor im Minkowskiraum.
Ein Produkt mit den Elementen
erfüllt wegen (11) die Transformationsgleichung
Tensoren, die durch die Multiplikation der Komponenten von zwei Vektoren
(Tensoren erster Stufe) konstruiert werden, stellen eine häufig auftretende,
doch nicht die alleinige Form von Tensoren zweiter Stufe dar.
Kontravariante oder teilweise kontravariante Tensorelemente können
mit dem metrischen Tensor oder durch eine entsprechende Kombination
von Vierervektoren erzeugt werden, so z.B.
Tensoren dritter Stufe sind dreifach indiziert und transformieren sich
z.B. gemäß
Durch die mathematische Operation der Kontraktion ist es möglich,
den Tensorrang zu erniedrigen. Die Kontraktion ist sozusagen eine Erweiterung
des Konzeptes des Skalarproduktes.
Ein Vektor (Tensor erster Stufe) ergibt in der Kontraktion mit einem
Vektor einen Skalar (Tensor nullter Stufe). Die Begründung folgt aus
den Orthogonalitätsrelationen für die Lorentztransformation
und für den metrischen Tensor, denn es gilt
Diese Kontraktion transformiert sich wie eine Zahl.
Mit der ko-/kontravarianten Schreibweise erkennt man dann in einer
Relation wie
direkt die Kontraktion eines Tensors zweiter Stufe mit einem Vektor zu einem
Vektor, etc.
Der Nachweis, dass die metrische Matrix
in der Tat ein
Tensor ist, führt man in der folgenden Weise. Ausgehend von der
Invarianzbedingung in differentieller Form
erhält man mit der allgemeinen Form des Wegelementes
die Aussage
Hieraus folgt
Diese Relation weist die metrische Matrix als Tensor aus.
< Elektrodynamik Mathematische Ergänzungen > R. Dreizler C. Lüdde 2005