Kennung 5-09: Hörbeispiel – Diskussion der Fallbeschreibung zur Gruppe Auto, Passage "Autofahrten über Land"
  Es wird darauf hingewiesen, dass hinsichtlich der Fallbeschreibungen das Thema 'Autofahrten' an sich (das 'Was' der Thematisierung) ebenso zu beachten sei wie der Modus, in dem diese Freizeitaktivität durchgeführt wird (das 'Wie' der Thematisierung). In gewisser Weise wird hier der Schritt von der formulierenden zur reflektierenden Interpretation eingefangen und für die Fallbeschreibung konserviert. In der Frage nach dem Was steht die mit wenig Organisationsaufwand betriebene Aktivität des Autofahrens den institutionalisierten Tätigkeiten z.B. im Verein als ganz eigene Art der Freizeitgestaltung gegenüber. Hinsichtlich des Modus der Durchführung, also der Frage nach dem "Wie", entspricht der Wettbewerbscharakter der Autofahrten der internalisierten Generalorientierung, jeweils (auch in anderen Betätigungsfeldern) der Beste sein zu wollen.

Die Interpreten stellen in der Folge die Begriffe der "Wettbewerbsorientierung" bzw. der "Leistungsorientierung" als geeignete Interpretationsmetapher gegenüber. Es wird gefragt, ob Beifahrer überhaupt eine Leistung erbringen. Festgehalten wird, dass das insofern möglich sei, als sich die Jugendlichen im Augenblick der Fahrten als Gruppe empfänden, die gemeinsam Grenzen teste. Die in dieser Diskussion thematisierte Akzentuierung als "Wettbewerbs"- bzw. als "Leistungsorientierung" ist keine bloße Entscheidung für eine passende Metapher; vielmehr drückt sich bereits in der Wortwahl selbst die eingenommene Analyseperspektive aus (sie dokumentiert sich darin, ließe sich sagen). Die Debatten um richtige Beschreibungen sind insofern wichtiger Bestandteil des Interpretationsprozesses, als sie eine Kritik an der jeweiligen Begrifflichkeit darstellen.

Im Anschluss wird dazu aufgefordert, weitere Passagen aus dem Interview zur Fallbeschreibung hinzuzuziehen. Am Beispiel der Freizeit soll das in der bisherigen Interpretation als zentral erkannte Spannungsverhältnis zwischen verregelter (institutionalisierter) und nicht weniger reglementierter Freizeitgestaltung nochmals aufgegriffen werden. Insofern wird hier nach weiteren Indizien für die Absicherung des Ergebnisses gesucht. Hinzuzuziehen seien aber auch Themen jenseits der Freizeitaktivitäten, z.B. die Schule. Das Vorgehen entspricht damit innerhalb eines Falles dem Prinzip der minimalen bzw. maximalen Kontrastierung.